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Was gilt der Prophet im eigenen Land?

VonBärbel Gudat

Gewerbetreibende in Burg Stargard beklagen, dass immer mal wieder Leistungen fremd vergeben werden, die sie gern übernehmen würden.

Burg Standard.Warum werden Leistungen nicht an einheimische Gewerbetreibende vergeben? Der Burg Stargarder Stadtvertreter Andreas Rösser, selbst Unternehmer, hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich zumindest politisch für seine Unternehmerkollegen zu verwenden. Diesmal ging es ums Tierparkfest. Es musste verschoben werden, aber das war nicht der Aufreger. Wohl eher, dass der Betreiber der Gaststätte Klüschenberg nicht in die Vorbereitungen mit einbezogen wurde, obwohl sein Lokal sich in unmittelbarer Sichtweite des Tierparks befindet. Wirt Daniel Hömke und seiner Frau sind darüber enttäuscht. Schließlich versuchen auch sie, den Klüschenberg zu beleben und nach ihren Möglichkeiten die Vereine der Stadt zu unterstützen. „Wir haben gerade ein Veranstaltung organisiert und mit einem ,Faßgeld‘ 280 Euro für die Feuerwehr zusammenbekommen.“

Erst durch das Plakat vom Tierparkfest erfahren
Gleiches hätten sie sich auch für den Tierpark vorstellen können. Sie hätten zum Beispiel bei einer Beteiligung am Tierparkfest eine Platzmiete bezahlt. Die hätte neben dem Eintritt etwa 300 Euro ausgemacht. Man habe eigentlich ein gutes Verhältnis und auch schon zahlreiche Tierparkfeste und andere Veranstaltungen gemeinsam absolviert, sagen die Hömkes.
Diesmal habe man jedoch erst über die Plakate von dem Fest erfahren. Wenn man rechtzeitig miteinander geredet hätte, wären außer der Getränkeversorgung sicherlich noch andere Leistungen möglich, sagt Ulrike Hömke-Kettler. Zum Beispiel ein Angebot, Kinder zu schminken. Aus ihre Sicht sei alles nur eine Planungssache.
Tierparkleiterin Katrin Voß hat für sich eine gute Begründung, warum sie die Altentreptower Firma für die Festgestaltung wählte. Der Sohn einer Tierpflegerin sei einer der beiden Partner. „Oliver hat uns in den vergangenen Monaten sehr oft unentgeltlich bei der Arbeit geholfen“, sagt sie. „Jetzt hatten wir die Chance, etwas zurückzugeben.“

Wer Interesse hat, kann sich doch selbst melden
Außerdem haben die beiden die gesamte Organisation des Tierparkfestes übernommen. Sie gestalteten die Plakate und klebten sie auch. Das sei für die Mitarbeiter eine ungeheure Entlastung. Mit einem Plus von 600 Euro habe sie rechnen können und nicht wie in den Jahren zuvor mit Plus-Minus-Null.
„Warum muss ich immer auf die Gewerbetreibenden zugehen?“, fragt Katrin Voß. „Wer ein geschäftliches Interesse hat, kann doch auch einfach mal bei uns nachfragen“, argumentiert sie. Enttäuscht sei sie auch über die sehr unfair geführte Diskussion im Internet.
Aufträge sollten in der Stadt bleiben. Der neue Vorsitzende des Stargarder Gewerbevereins, Jan Wollochny, hat sich das auf die Fahnen geschrieben. Man sei dazu mit der Stadt im Gespräch. Gut funktioniert es beim Stadtfest. Neben den Vereinen beteiligen sich hier Burg Stargarder Gewerbetreibende, auch Daniel Hömke ist wieder mit dabei. Für den Burg Stargarder Bürgermeister Tilo Lorenz ist klar, dass man einfach miteinander reden sollte. Wenn Burg Stargarder die Leistungen übernehmen können, sollten sie es tun. Es dürfe aber kein Dogma sein.

Kontakt zur Autorin
b.gudat@nordkurier.de

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