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„Wenn er läuft, riecht’s süßlich“

Kultur am Arbeitsplatz: Dieser Belarus hatte sogar Blumenkästen am Hänger, fehlten bloß die roten Nelken. [KT_CREDIT] FOTOS: A. Brauns
Kultur am Arbeitsplatz: Dieser Belarus hatte sogar Blumenkästen am Hänger, fehlten bloß die roten Nelken. [KT_CREDIT] FOTOS: A. Brauns

VonAnke Brauns

Der Platz wird knapp im Gewerbegebiet: Über 500 Aussteller sind mit alten Fahrzeugen zum Oldtimer- und Traktorentreffen gekommen.

Altentreptow.„Was hat man damals nicht alles verschrottet, weil es neue Technik gab. Jetzt tut einem das in der Seele weh“, sagt Roland Rinas mit Blick auf die lange Reihe wieder flott gemachter alter Traktoren. Sein Vater habe auch einen Lanz Bulldog auf der Wirtschaft gehabt und ihn irgendwann ausgemustert, erzählt der Schossower. Als Schlosser hat er früher so manchen Fahrzeugtyp, der jetzt beim Oldtimer- und Traktorentreffen ausgestellt ist, einst selbst repariert. Es sei schön, die alte Technik mal wieder zu sehen, begründet er, warum es ihn mit seiner Familie ins Gewerbegebiet zieht. Wie Roland Rinas kommen tausende Besucher zur sechsten Auflage. Der Platz wird schon fast knapp für die alte Technik. „Locker über 500 Aussteller“ registriert Peer Utech, Chef des Organisationsteams. „Sonnenschein, ein Haufen Leute, gute Laune“ und eine reibungslos absolvierte Ausfahrt mit vielen Schaulustigen am Straßenrand – da kann er nur zufrieden sein.
Bevor es auf die Runde durch die Stadt geht, müssen viele Fahrzeugbesitzer ihre alten Maschinen zum Laufen bringen. Nicht alles Altehrwürdige startet aus dem Kalten. Gerhard Kopischke glüht den Glühkopfmotor seines Lanz Bulldog ordnungsgemäß vor, bevor er ihn mit Hilfe des Lenkrads anschmeißt. Im nächsten Jahr wolle er vielleicht mit einem Borgward Isabella kommen, an dem er schon den ganzen Winter gebaut hat, erzählt er. Ein paar Traktoren weiter steht Lothar Gruber, der es sich wieder nicht hat nehmen lassen, aus dem sächsischen Eilenburg anzureisen. Sein Anfang der 50er Jahre gebauter Lanz Bulldog sei ein ganz seltener. Weil er sehr pflegeaufwändig gewesen sei, hätten ihn nur wenige landwirtschaftliche Betriebe genutzt. Lothar Gruber ist die Aufmerksamkeit vieler Besucher ebenso gewiss wie Michael Zierl mit seinem schwarzen und ziemlich rostigen Ford A aus den 30er Jahren, der später für Rennen zu einem sogenannten Hot Rod umgebaut wurde. Er habe den Wagen erst seit wenigen Wochen und wolle schon noch „ein bisschen Handwerk“ reinstecken, sagt der Inhaber des Car- & Bike-Services in Rossow. Das hat Reiner Dabers schon ausgiebig getan und seine tiptop gepflegten Deutz-Motoren nebeneinander aufgebaut. Der Treptower wohnt schräg gegenüber vom Gewerbegebiet und hat seine Lokomobile mit dem Traktor hergezogen. Sein ältestes Modell von 1924 hat sogar noch einen Petroleummotor. „Wenn er läuft, riecht’s ein bisschen süßlich.“

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