Backe, backe, Kuchen... Dieter Lange (Mitte) hat den Familienbetrieb jahrzehntelang geführt. Auch nach über 55 Berufsjahren hilft er noch täglich seinem Sohn Andreas (rechts) in der Backstube. [RS_CREDIT] FOTO: A. Bayer
Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Bayer
Die Rente mit 67 ist für Dieter Lange kein Thema. Er wird heute 70 Jahre alt und steht auch jetzt noch fast jeden Morgen in der Backstube.
Gnevkow.„Wir machen unser Brot noch mit Natursauerteig, wie zu DDR-Zeiten“, sagt Dieter Lange. Seine bessere Hälfte Elisabeth weiß zu ergänzen: „Wir wenden noch viele alte Rezepte an und arbeiten nach herkömmlichen Methoden.“ Sie sind ja auch beileibe nicht neu im Geschäft. Im zarten Alter von 14 Jahren ist Dieter Lange bei seinem Vater in die Lehre gegangen. Seitdem hat er der Backstube selten den Rücken gekehrt. Die Bäckerei Lange gibt es seit 1895 in Gnevkow, vor zehn Jahren übernahm Sohn Andreas das Zepter von seinem Vater. Der lässt den Junior nicht im Stich und steht noch immer fast jede Nacht auf, um den Sohn zu entlasten oder Krankheitsausfälle zu kompensieren. Am Ruhetag Montag beliefert er das Pflegeheim in Tutow und steht dafür um vier Uhr auf. So kann Andreas Lange ausschlafen. Denn der Arbeitsalltag eines Bäckers ist lang und hart. „Etappenschlafen“ muss der Meister, „tagsüber drei Stunden, nachts drei Stunden“, beschreibt das Andreas. Zum Glück erfreut sich das Familiengespann bester Gesundheit. Um ein Uhr nachts steht Vater Dieter aber nur noch auf, wenn der Sohn im Urlaub ist. „Wenn einer weg ist, gibt es gleich Havarien oder es wird jemand krank“, scherzt er. Mit den drei Lieferautos und der Filiale in Altentreptow ist Lange nämlich auch Geschäftsführer eines Betriebes mit 18 Mitarbeitern und zwei Auszubildenden. Viel Zeit zu feiern hat er also nicht. Am Wochenende werden trotzdem neben den drei Enkelkindern noch weitere Verwandte erwartet, um den Jubilar hochleben zu lassen. Wenn er nicht in der Backstube zu Gange ist, baut der Senior im eigenen Garten noch Kartoffeln für den Eigenbedarf an. Im April will der unruhige Rentner mit seiner Ehefrau zur Tulpenblüte nach Holland fahren. Sein Ziel sei, gesund zu bleiben und den Sohn noch ein paar Jahre zu unterstützen. „Wer rastet, der rostet“, weiß der Mann, der seinem Handwerk seit 55 Jahren treu ist.