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Wie Collin zum echten Angler wird

Werner Quack schätzt die Ruhe beim Angeln, da ist die Ausbeute zweitrangig.[KT_CREDIT] FOTOS: P. Jasmer
Werner Quack schätzt die Ruhe beim Angeln, da ist die Ausbeute zweitrangig.[KT_CREDIT] FOTOS: P. Jasmer

VonPaulina Jasmer

Früh aufstehen ist für den dreijährigen Collin aus Siedenbollentin gar kein Problem. Mit Papa Remo ist er an den See gekommen, um zu angeln. Dabei können sie auch von ganz alten Hasen lernen.

Siedenbollentin.Einen Euro hat Werner Quack (74) zum Glück an diesem Morgen in der Tasche. Denn der Kuckuck ist in Höchstform und tönt mit seinem „Kuckuck“ über den See in Siedenbollentin. Dem Aberglauben zufolge muss sich der 74-Jährige in diesem Jahr nun keine Sorgen ums Geld mehr machen. Aber eigentlich hat der Siedenbollentiner ein paar Münzen einstecken, weil nach der Arbeit, die in seinem Fall ja eigentlich Hobby ist, das Vergnügen kommt.
Denn nach dem Gemeinschaftsangeln des Siedenbollentiner Angelvereins sitzen die zehn Angler nebst Partnern und Freunden beim Grillen zusammen. Und Werner Quack will einen Obolus beisteuern. Der Rentner ist seit fast 60 Jahren im Verein, ein alter Hase sozusagen. Und er hatte schon so manchen Fisch an der Angel. Doch an diesem Morgen wollen die schuppigen Viecher nicht recht beißen. Trotz verschiedener Köder wie Mistmaden und Eintagsfliegen lassen sich die Friedfische nicht locken. Ganze zwei Bisse hat Werner Quack gehabt, mehr war nicht drin. Aber das macht nichts. Angeln sei seiner Meinung nach sowieso ein wenig Glückssache.
Am schönsten sei es doch, am Wasser zu sitzen und die Ruhe zu genießen, erzählt er von seinen Beobachtungen der Natur, mit Wildgänsen und Haubentauchern. Doch wenn er einen Fisch fängt, dann legt er an diesen auch selbst Hand an. Denn so ein Fischgericht, entweder gebraten oder sauer eingelegt, „ist was Feines“, sagt er.
Das weiß auch schon der dreijährige Collin, der mit seinem Papa Remo Zabel und dem Bekannten Frank Paradies am Seeufer das Lager aufgeschlagen hat. Ganz so viel Sitzfleisch und Ruhe hat der Nachwuchs-Angler aber noch nicht und kurvt hin und wieder mit seinem blauen Roller durchs Gebüsch, ehe er wieder zurück an den Angelplatz prescht. Sein Papa Remo ist vor Kurzem unter die Angler gegangen. So kann er sich aber von Frank Paradies eine Menge abgucken, der zieht nämlich beim Gemeinschaftsangeln gleich fünf Karpfen aus dem Wasser. „Die habe ich aber alle wieder freigelassen“, sagt er. Sie waren zu klein.
So ein Karpfen muss schließlich mindestens 40Zentimeter messen, ehe man ihn wirklich mitnehmen dürfe, erläutert der Vereinsvorsitzende Manfred Haker. Er ist mit einem kleinen Boot auf den See gefahren, um dort sein Glück zu versuchen. „Aber die Schlehe blüht schon...“, meint er vielsagend und zitiert den jahrzehntealten Spruch weiter: „... und dann beißt kein Fisch.“ So ist es auch an diesem Tag: Zwei Plötzen bringt Haker an Land. Aber die Ausbeute zählt bei den zehn Teilnehmern nicht so viel. Die Ruhe und die Stille in den Morgenstunden haben es ihnen angetan und natürlich am Ende auch ein saftiges Stück Grillfleisch.

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p.jasmer@nordkurier.de

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