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Wie war doch gleich dein Name...?

Nach 50 Jahren wieder vereint In der Beruflichen Schule Sponholzer Straße trafen sich ehemalige Maurerlehrlinge der Neubran- denburger Bau-Union. Sie hatten 1961 ihre Ausbildung begonnen. Beim Treffen mit dabei waren sogar einige Lehrer So manches alte Foto aus der Ausbildungszeit beim Vorgänger des Wohnungsbaukombinates (WBK) machte die Runde. [KT_CREDIT] FOTOS: K.-H. Engel/privat
Nach 50 Jahren wieder vereint In der Beruflichen Schule Sponholzer Straße trafen sich ehemalige Maurerlehrlinge der Neubran- denburger Bau-Union. Sie hatten 1961 ihre Ausbildung begonnen. Beim Treffen mit dabei waren sogar einige Lehrer So manches alte Foto aus der Ausbildungszeit beim Vorgänger des Wohnungsbaukombinates (WBK) machte die Runde. [KT_CREDIT] FOTOS: K.-H. Engel/privat

VonKarl-Heinz Engel

Vor 50 Jahren haben 29junge Burschen bei der Bau-Union einen ehrenwerten Beruf gelernt. Sie wurden Maurer. Jetzt feierten die „Stifte“ ein Wiedersehen.

Neubrandenburg.Die Bau-Union gibt es schon lange nicht mehr, den Folgebetrieb, das Wohnungsbaukombinat, ebenfalls, und der Maurer als Ausbildungsbegriff hat einige Wandlungen erfahren. Hochbaufacharbeiter heißt er heute.
„Wir aber haben zwischen 1961 und 1964 schlicht und einfach Maurer gelernt bei der Bau-Union, und darauf sind wir stolz“, sagt Dieter Schmidt, einer der jungen Kerle von damals. Er hatte die Organisation des Treffens in der Beruflichen Schule Sponholzer Straße übernommen. Für die meisten eine Wiederbegegnung nach Jahrzehnten. Vergessen waren Namen und Gesichter. Doch nicht auf ewig, denn da war sie plötzlich, die Erinnerung. „Ja, sag mal. Bist du nicht...“ Das oder Ähnliches war allenthalben am Schuleingang zu hören. Auch Lehrer, darunter Heinz Groth und Dieter Hacker, die beiden Altdirektoren der Berufsschule, sowie Joachim Deicken, der Physik gab, waren gekommen.
Drei Jahre währte die Lehre damals. Im ersten Halbjahr gab es 85 Mark pro Monat. Die Ausbilder waren erfahrene Gesellen. Manch einer hatte sich im Krieg Blessuren geholt und war dem Baustellenakkord nicht mehr gewachsen. „Aber sie brachten uns nicht nur den Umgang mit Ziegel, Mörtel und Kelle bei, sondern haben auch Werte wie Pünktlichkeit, Ordnung und Respekt vermittelt“, erinnert sich Dieter Schmidt. Rauchen auf der Baustelle war tabu, und hatte ein Ausbilder mit einem Lehrling was zu bereden, dann hatte der gefälligst die Hände aus den Taschen zu nehmen. Ungeschriebene Gesetze, doch jeder akzeptierte sie.
Kameradschaftliches Verhalten wurde groß geschrieben damals auf dem Bau. Darüber waren sich alle einig am Mittwoch. Anfang der 1960er-Jahre, so weiß Dieter Schmidt, war der Sonnabend noch bis Mittag Arbeitstag. Meist diente er dem Aufräumen. „Die letzte Stunde jedoch holte einer ein Akkordeon aus dem Schrank, und dann wurden aus voller Kehle Lieder gesungen“, steuerte er eine weitere Episode aus jener Zeit bei. Lehrlinge und Ausbilder im Gesang vereint, das habe zusammengeschweißt.
Karl-Heinz Kulessa verbindet die Jahre jedoch auch mit anderen Emotionen. Maurer zu lernen war für ihn eine Verlegenheitslösung. Er wollte nämlich Seemann werden, hatte bereits einen Vertrag der Seereederei Rostock in der Tasche. Dann aber verdarb ihm der 13. August 1961, der Mauerbau, den Plan. Die Reederei annulierte den Vertrag wegen Kulessas Westverwandtschaft. „Die Kommunisten machten mir meinen Jugendtraum zunichte. Damit bin ich lange Zeit schwer fertig geworden“, erzählt der gebürtige Altentreptower. So wurde er also Maurer bei der Bau-Union. Kein so schlechter Ersatz, wie sich irgendwann zeigte. Und so hielt er dem Fach die Treue, war sein Berufsleben lang in einem Leipziger Montagebetrieb tätig. „Habe gutes Geld verdient“, verriet der im ostthüringischen Ronneburg wohnende Bauveteran.
Häuser, bei deren Errichtung auch die Stifte eingesetzt waren, prägen noch immer Neubrandenburger Viertel: das Einstein-Gymnasium in der Demminer Straße zum Beispiel oder die Schule in der Johannesstraße. Auch der so genannte Soliblock in der Adlerstraße ist einst sorgsam Stein für Stein von den Lehrjungs aufgeschichtet worden. Man nannte ihn Solibau, weil er so nebenher entstand. Die 20 Wohnungen bekamen Beschäftigte der Bau-Union.
Die Geschichten wollten kein Ende nehmen beim Treffen der Lehrlinge von einst.

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