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Windbauern lassen sich ausfragen und öffnen Turm

An dieser Windkraftanlage bei Kessin liegt der sogenannte Stern mit den Flügelstümpfen schon bereit für den Weg nach oben. Diese Woche soll das Windrad komplett sein. [KT_CREDIT] FOTO: A. Brauns
An dieser Windkraftanlage bei Kessin liegt der sogenannte Stern mit den Flügelstümpfen schon bereit für den Weg nach oben. Diese Woche soll das Windrad komplett sein. [KT_CREDIT] FOTO: A. Brauns

VonAnke Brauns

Schwerlaster, Rotorgeräusche, verschandelte Landschaft – viele Menschen hadern mit dem Windpark zwischen Grapzow, Werder und Kessin. Am Sonnabend können sie sich aus erster Hand über das Großprojekt informieren.

Grapzow.Man sieht es dem eher unscheinbaren, graublauen Gebäude nicht an, aber es geht schon Großes darin vor. Hier wird die Lösung für das größte Problem der Windnutzung – die fehlenden Speichermöglichkeiten – gesucht. In Grapzow speichert man Energie aus einer Windkraftanlage in Form von gasförmigem Wasserstoff, um ihn bei Bedarf wieder in Energie zurückzuverwandeln. Noch wird die innovative Speicheranlage neben dem Grapzower Landgut „auf Herz und Nieren getestet“, wie Projektleiter Marcus Heinicke von der Firma Wind-Projekt sagt. Aber schon vom Probebetrieb sei man begeistert. „Die ersten Zahlen sehen gut aus, die Funktionsfähigkeit übertrifft unsere Erwartungen“, erklärt er. Voraussichtlich im dritten Quartal soll die vom Bund geförderte Versuchsanlage offiziell übergeben werden, kündigt er an. Beim Tag der offenen Tür an diesem Sonnabend im benachbarten Windpark können Besucher zwar die Speicheranlage selbst nicht besichtigen. Aber an einem Modell wird deren Wirkungsweise erklärt, so Heinicke.
Wind-Projekt unterstützt mit dieser Aktion den „Global Wind Day“, der vom Europäischen Windkraftverband und dem Welt-Windenergiebeirat initiiert und vom Bundesverband Windenergie koordiniert wird. Dabei sind Unternehmen der Windbranche weltweit aufgerufen, „ihre Pforten zu öffnen und in den Dialog mit der Bevölkerung zu treten“, so Wind-Projekt. An der Windkraftanlage eins, wo die Veranstaltung zwischen 13 und 15 Uhr stattfindet, dürften sich die Fachleute dabei auf viele Fragen gefasst machen. Schließlich gab es für das Großprojekt, das die Landschaft zwischen Grapzow, Kessin und Werder völlig verändert hat, auch viel Gegenwind aus der Bevölkerung. Die Belastung durch den Windpark vor der Haustür selbst, durch Schwerlasttransporte und auch Angst vor der Wasserstofftechnologie waren seit den ersten Planungen immer wieder Thema (der Nordkurier berichtete). „Unsere Fachleute aus den Bereichen Planung und Betrieb von Windenergieanlagen bis hin zur Energiespeicherung sind vor Ort, um alle Fragen rund um das Thema Windenergie zu beantworten“, kündigt Wind-Projekt-Geschäftsführer Carlo Schmidt an. Das Unternehmen freue sich auf einen breiten Dialog mit Anwohnern und Interessierten.
Die Zufahrt zur Windkraftanlage eins liegt nördlich des Landgutes und führt auch an der Speicheranlage vorbei. Der Turmfuß der Anlage kann besichtigt und am Modell die kohlendioxidfreie Speicherung von Windenergie nachvollzogen werden, so Wind-Projekt. Für Speisen und Getränke sowie Unterhaltung für Kinder werde reichlich gesorgt sein. Sämtliche Einnahmen gehen aus aktuellem Anlass an die Betroffenen der Flutkatastrophe, teilt das Unternehmen mit.

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a.brauns@nordkurier.de

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