Nordkurier.de

Wodarg feiert mit Gästen einen „Tag voller Freude“

In Anwesenheit zahlreicher Familienmitglieder derer von Maltzahns wurden am Sonntag die Gedenktafeln mit einem Gottesdienst enthüllt. Auch die Töchter des 1945 vertriebenen Wodarger Adelsgeschlechts waren zugegen.
In Anwesenheit zahlreicher Familienmitglieder derer von Maltzahns wurden am Sonntag die Gedenktafeln mit einem Gottesdienst enthüllt. Auch die Töchter des 1945 vertriebenen Wodarger Adelsgeschlechts waren zugegen.

VonSilvio Witt

Mit einem Gottesdienst wurden drei Gedenktafeln für die Familie von Maltzahn eingeweiht. Doch im Grunde war es ein Fest der Freude und Versöhnung.

Wodarg.Schon die Autokennzeichen machten es am Sonntag deutlich: die Familie von Maltzahn ist weit verzweigt. Aus Frankfurt am Main, Köln, Goslar, Berlin, Bonn und vielen Orten mehr strömten Besucher in die kleine Wodarger Kirche, um einem, zumindest für den Ort, historischen Ereignis beizuwohnen. Denn mit der Enthüllung der drei Gedenktafeln am Ostgiebel des Gotteshauses soll auch ein wenig das Unrecht wettgemacht werden, das der Familie nach dem Zweiten Weltkrieg widerfahren ist. Nicht nur, dass man sie enteignete und aus dem Ort vertrieb, sondern viel mehr, dass man den Namen des in der Region über Jahrhunderte verhafteten Adelsgeschlechts aus dem Dorfgedächtnis löschen wollte.
Pastor Christoph Zellmer stellte dann auch „Schmerz und Freude“ in den Mittelpunkt des Gottesdienstes. Dazu bemühte er das Alte Testament und machte deutlich, in welcher Form Unrecht und Leid fortwährend auf der Erde sind. Ganz aktuell auch in den Flutgebieten Deutschlands. „Doch dann darf man auch immer wieder dankbar sein für die Zeit, die kommen wird. So wie der heutige Tag voller Freude, an dem wir die Gedenktafeln feierlich enthüllen“, so der Pastor.
Sichtlich gerührt nahmen die Familienmitglieder, aber auch viele Wodarger, diese Worte auf. Ganz besonders die Töchter derer von Maltzahns, die trotz ihres hohen Alters die weite Anreise in Kauf nahmen. „Es fühlt sich sehr gut an, den heutigen Tag erleben zu dürfen“, sagte die 92-jährige Agnes Lüchtrath, geborene Freiin von Maltzahn. Sie selbst stellte sich an diesem Tag als „Nummer zehn“ – in Anspielung auf die zwölf Kinder der Familie – vor. Diesen Humor ließ sie auch nicht im kleinen Buch „Verlorene Heimat“ missen, das sie mit Hilfe von Tochter Ulrike Lüchtrath in diesem Jahr geschrieben hat. So befinden sich darin neben vielen Anekdoten aus dem Dorf- und Familienleben auch humorvolle Gedichte, die seinerzeit die Tante anlässlich der Geburten der Kinder ins Gästebuch schrieb. Mit Schwester Gerhild weilte am Sonntag die älteste Nachfahrin Gerhard und Helene von Maltzahns unter den Gästen. Sie feiert Ende Juni ihren 100. Geburtstag. „So Gott will“, wie sie es kommentierte.
Mit den drei Gedenktafeln befinden sich an der Wodarger Kirche nun Zeugnisse, die nicht nur an die Zeit bis 1945 erinnern, sondern auch symbolisch für den Umgang mit Geschichte stehen. An prominenter Stelle angebracht, ist es dem Besucher quasi unmöglich, sie zu übersehen. Wichtiger als die steinernen Erinnerungen seien jedoch die lebendigen. Daher lud die Familie zum Abschluss der Feier alle Gäste zu einem gemeinsamen Frühstück ein. Bei Herzhaftem wurde nicht nur ein historisches Ereignis gefeiert. In vielen Gesprächen war immer wieder zu hören, dass es vor allem ein guter Tag für das Dorf und die Bewohner sei. Die damaligen und die heutigen.

Kontakt zum Autor
red-altentreptow@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×