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Wohnungssuche mit Hindernissen

VonPaulina Jasmer

Ein Obdachloser fühlt sich gegängelt: Ein großer Neubrandenburger Vermieter habe ihm ein Betreuungsverhältnis nahe gelegt, um an die begehrte Wohnung zu kommen. Doch das ist gar nicht so einfach.

Neubrandenburg.Maik Hoffmann (Name geändert) ist ein Ex-Häftling. Seit Mai 2012 ist er auf freiem Fuß. Er hat im Obdachlosenhaus, bei Mitarbeitern des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in der Sponholzer Straße Unterschlupf gefunden. Maik Hoffmann hat keine Arbeit, das Jobcenter kommt für seinen Lebensunterhalt auf. Seitdem er aus dem Knast raus ist, suche er auch eine Wohnung, behauptet der ehemalige Insasse.
Und dieser Traum war zum Greifen nah: Denn Maik Hoffmann hätte eine Ein-Zimmer-Wohnung in der Oststadt bekommen können, erzählt er. Der Vormieter habe die dreimonatige Kündigungsfrist verkürzen wollen und schnell nach einem Nachmieter gesucht. Beide waren sich fix einig, auch das Jobcenter habe grünes Licht für die Übernahme der Miete gegeben, wie Hoffmann sagt.
Er hat jedoch diese Rechnung ohne den Vermieter gemacht hat. Denn: Die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges) soll laut seiner Aussage nur für die Wohnungsvermietung an Maik Hoffmann plädiert haben, wenn sich der neue Mieter in ein soziales Betreuungsverhältnis begeben würde. Dieses Verhalten hat den jungen Mann empört: „Ich habe doch keine Mietschulden“, sagt er. Dass Wohnungssuchende oftmals Schwierigkeiten haben, eine Bleibe zu bekommen, wenn sie Mietschulden haben, sei ja schon hinlänglich bekannt, aber dass eine Wohnung an ein Betreuungsverhältnis gebunden sein soll, findet Maik Hoffmann ungeheuerlich.

Vermieter verweist auf
Risiken für Mietstruktur
Barbara Schimberg, Büroleiterin des Neuwoges-Geschäftfsführers, betont auf Nachfrage des Nordkurier, dass diese Wohnung „selbstverständlich nicht grundsätzlich an eine begleitende Betreuung gebunden“ sei. Die Wohnung liege schließlich nicht in einem der sozialen Neuwoges-Wohnprojekte.
Sie räumt ein, dass man Maik Hoffmann geraten habe, sich in Betreuung zu begeben, da er sich „derzeit offensichtlich in sozialen Schwierigkeiten“ befinde. Gleichzeitig verdeutlicht Barbara Schimberg, dass die Neuwoges grundsätzlich jeden Mietinteressenten gleich behandle. „Und es ist auch nicht so, dass wir bestimmte Personengruppen nicht mit Wohnraum versorgen. Im Gegenteil, die Neuwoges als kommunales Wohnungsunternehmen hat auch einen besonderen Versorgungsauftrag, insbesondere für sozial schwache Bürger zu erfüllen“, erklärt sie weiter.
Für diesen Zweck halte das Unternehmen Wohnprojekte mit sozialpädagogischer Betreuung vor beziehungsweise vermittle und organisiere im Vorfeld der Vermietung soziale Beratungs- und Hilfsangebote im Sinne der Resozialisierung des betroffenen Bürgers. Man habe demnach versucht, Maik Hoffmann von einer sozialen Betreuung im eigenen Wohnraum zu überzeugen. „Die Erfahrungen beweisen, dass dies erforderlich ist“, so Barbara Schimberg und merkt in diesem Zusammenhang ein „gewisses Risiko“ an, das mit dem Mietinteressenten Hoffmann einher gehe. So soll dieser im Kundengespräch nach Alkohol gerochen haben. Sie begründet das Verhalten der Neuwoges mit der Verantwortung für eine stabile Mietstruktur und die Wohnqualität aller Mieter, was mit einer „sozial sensiblen Belegungspolitik“ gewährleistet werden soll.

„Menschen, die nicht
der Norm entsprechen“
Maik Hoffmann indes berichtet vom konkreten Vorschlag der Neuwoges, dass er sich in ein täglich vierstündiges Betreuungsverhältnis beim ASB – in der Tagespflege gegenüber dem Obdachlosenhaus – begeben solle.
Dass dies aber gar nicht so einfach ist, stellt Christiane David, Leiterin des Sozialamtes des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, klar. „Einfach zur Tagesstätte hingehen und aufgenommen werden – so simpel ist das nicht, sondern dafür ist eine Kostenzusage erforderlich“, sagt Christiane David. Dazu seien zunächst ein Antrag, eine Begutachtung und dann auch noch ein freier Platz nötig.
Nicht jeder scheinbar hilflose Mensch bekommt direkt vom Gericht einen gesetzlich bestellten Betreuer zur Seite gestellt. Auch hier werden vor einer solchen Hilfe natürlich Gutachten eingeholt. Es liege also nicht wirklich in der Macht der Betroffenen, darüber zu entscheiden. Im Übrigen könne selbst so ein Betreuer innerhalb von zugedachten drei Stunden pro Monat nicht ein ganzes Leben umkrempeln. „Grundsätzlich sind solche Vorbehalte gegen Menschen, die scheinbar nicht der Norm entsprechen, ein ganz altes Problem, das es seit Jahren gibt – die Welt ist heute keine andere“, so Christiane David.

Kontakt zur Autorin
p.jasmer@nordkurier.de

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