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Zum Kleingärtnern ist man doch nie zu jung

Jochen Scholl (73) freut sich, einen so jungen Nachbarn wie Phillip Schardin (22) in seinem Gartenverein zu haben. [KT_CREDIT] FOTOS: D. Kleindienst
Jochen Scholl (73) freut sich, einen so jungen Nachbarn wie Phillip Schardin (22) in seinem Gartenverein zu haben. [KT_CREDIT] FOTOS: D. Kleindienst

VonDenny Kleindienst

Der Kleingartenverein Markscheiderweg wird 30. Nahezu alle Gärten der Anlage sind belegt. Wäre da nicht dieses widerborstige Stück Land.

Neubrandenburg.In der Neubrandenburger Oststadt, zwischen Aldi und Hagebaumarkt, Feuerwehr und einem zehnstöckigen Wohnblock, liegt die Kleingartensiedlung „Markscheiderweg.“ Der Verkehr der stark befahrenen Woldegker Straße ist inmitten der Gärten deutlich zu hören. Eine hohe Hecke umrundet die Anlage und funktioniert als Sichtschutz. Der Zehngeschosser in unmittelbarer Nähe ist trotzdem unübersehbar. Er wirkt wie eine riesige Wand, die vor den Kleingärtnern steht.
Doch die graue Umgebung ist schnell vergessen, wenn man einmal im Garten Platz genommen hat. Phillip Schardin sitzt auf der Bank vor seiner Holzhütte. Er genießt seinen Feierabend. Der 22-jährige hat seit vergangenem Jahr einen Garten im Markscheiderweg gepachtet. Ihm geht es in erster Linie um die Erholung. Die meiste Zeit kümmern sich seine Eltern um den Garten. Doch Phillip hat in diesem Jahr auch zum ersten Mal selbst Kartoffeln gesetzt. Ein bisschen ärgert es ihn, dass die Reihen etwas windschief geraten sind.
Mit der Gartenarbeit will er es vorerst trotzdem nicht übertreiben. „Wenn man einmal durch ist, kann man es auch ruhen lassen.“ Seinen eigenen Garten will er auf jeden Fall behalten. „Vielleicht vergrößere ich den Garten später noch“, sagt der 22-jährige. Er selbst ist jünger als der Gartenverein, der am 29. Juni sein 30-jähriges Jubiläum feiert.
„Wir sind froh, dass Phillip da ist“, unterstreicht Jochen Scholl, der Vereinsvorsitzende. Der 73-Jährige wohnt nur drei Minuten entfernt. Er sagt, über 80 Prozent der Kleingärtner im Verein sind Rentner, die in der Nähe wohnen. Das Problem dabei: Häufig wollen Ältere nach dem Tod ihres Partners ihren Garten abgeben. Doch ein Garten könne auch über eine schwere Zeit hinweg helfen, so Scholl. Bei der Gartenarbeit bietet er älteren Alleinstehenden Hilfe an. Ohnehin stehe bei heutigen Kleingärtnern „die Erholung im Vordergrund“, wie der Vereinsvorsitzende sagt. Ein echter Kraftaufwand ist dagegen im letzten freien Garten der Anlage nötig. Der Boden ist schlecht, müsste einmal komplett umgeschlagen und mit einer ordentlichen Portion neuer Erde aufgefüllt werden. „Das kostet ein bisschen Arbeit und Geld“, so der Vereinsvorsitzende. Wer die Siedlung mit ihren 25 Gärten vervollständigen will, kann sich bei ihm melden.

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d.kleindienst@nordkurier.de

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