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Zur Not auch mal Geburtshelfer

VonAnett Seidel

In Friedland ist Fred Dettmann bekannt wie der umgangssprachliche bunte Hund. Der Leiter der Rettungswache rettete nicht nur Leben, sondern verhalf auch Kindern auf die Welt. Jetzt ist er im Ruhestand.

Friedland.Den Schlüssel zu „seiner“ Wache hat Fred Dettmann abgegeben. Die Kluft des Rettungsassistenten streift er nicht mehr über. Der Krankenwagen fährt in Friedland ohne ihn. Im Alter von 63 Jahren hat der Friedländer Schluss gemacht.
Dabei musste es mit ihm so kommen, wie es gekommen ist. „Als ich zwölf Jahre alt war, fing alles an“, überlegt er nicht lange. Mit der Teilnahme an der damaligen Arbeitsgemeinschaft (AG) Junge Sanitäter war der Weg des Kleinstädters vorgezeichnet. „Ich bin davon nicht mehr los gekommen“, formuliert Fred Dettmann es. Dennoch lernte er erst den Beruf des Gleisbauers, leistete seinen Dienst bei der Nationalen Volksarmee, um dann seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Als Quereinsteiger mit Fahrerlaubnis, dem Wissen aus der AG und der Absolvierung eines Kurz-Lehrgangs erfüllte Fred Dettmann die Voraussetzungen, um in den Krankenwagen zu steigen. Ein Entbindungskurs fehlte ihm. Darauf nahm 1972 niemand Rücksicht. Und so kam unter seiner Aufsicht „sein“ erstes Krankenwagenbaby auf die Welt. Acht Krankenwagen-Babys kann Fred Dettmann in seiner Biografie auflisten. „Das sind die schönen Momente.“ Die 20 Toten Mitte der 1990er Jahre auf der Bundesstraße 197 zwischen Neubrandenburg und Friedland sind die Kehrseite. Die gute Ausbildung habe sich bei ihm und seinen Kollegen für die tägliche Arbeit mit Verletzten oder Schwerkranken bezahlt gemacht.
Fred Dettmann hat beim Deutschen Roten Kreuz Quantensprünge der Entwicklung mitgestaltet. 1975 wurde die Schnelle Medizinische Hilfe aufgebaut. 1980 wurde in der alten Poliklinik in der Kleinstadt ein Stützpunkt für den Dringlichen Hausbesuchsdienst (DHD) eingerichtet. „Ich bin zur Medifa gegangen und habe mich zum Krankenpfleger mit Staatsexamen qualifiziert“, so Fred Dettmann. Geschichten von seinen Auslandsaufenthalten an der Freundschafts-Trasse in der ehemaligen Sowjetunion und vom Aufbau eines Kinderkrankenhauses in Kambodscha nach dem dortigen Bürgerkrieg lauscht man ebenfalls mit Begeisterung.
Nach der Wende trieb es ihn nach Neubrandenburg, um dort den Rettungsdienst aufzubauen. Nicht lange, dann war er zurück in seiner Heimatstadt. „Wir haben uns 1993 in Bauersheim eingerichtet.“ Mit acht Leuten wurde der 24-Stunden-Einsatz gewährleistet. Heute sorgen sich 14 Angestellte bei der Rettungswache in Friedland um die Bedürfnisse von Notpatienten. Ein Notarzt ist ebenfalls stets mit im Boot. Stolz sind die Friedländer Retter auf ihr Lehrkabinett und dass sie Nachwuchs ausbilden dürfen.
Ein anderes Berufsleben ist für Fred Dettmann nicht vorstellbar. Viele Tränen gab es zum Abschied, obwohl der Ruhestand ersehnt war. Die Kollegen haben es ihm nicht leicht gemacht. Zum Schluss gab’s die Verdienstmedaille des DRK-Landesverbandes, die nur zehn Menschen im Land je bekommen haben. Darauf ist Fred Dettmann stolz.
Er verabschiedet sich von den Kollegen und seinem Nachfolger Axel Neumann klopft er auf die Schulter. Fred Dettmann freut sich: „Endlich Zeit für die Enkel.“

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