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Zweites Zuhause steht auf der Kippe

Karla Schoknecht und Manfred Heinß (r.) können sich nicht mehr um die Begegnungsstätte kümmern. Jörg Raddatz (2. v. l.) möchte die Einrichtung jedoch erhalten. Unterstützt wird er dabei von Erhard Gonschorek (1. v. l.) und Gerhard Schmidt (3. v. r.) aus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde sowie vom Pastor der Evangelischen Gemeinde Johannes Staak (2. v. r.).  FOTO: S. MOLL
Karla Schoknecht und Manfred Heinß (r.) können sich nicht mehr um die Begegnungsstätte kümmern. Jörg Raddatz (2. v. l.) möchte die Einrichtung jedoch erhalten. Unterstützt wird er dabei von Erhard Gonschorek (1. v. l.) und Gerhard Schmidt (3. v. r.) aus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde sowie vom Pastor der Evangelischen Gemeinde Johannes Staak (2. v. r.). FOTO: S. MOLL

VonSusann Moll

Ehrenamtliches Engagement und Spenden sichern derzeit das Bestehen der Altentreptower Begegnungsstätte. Wie es in Zukunft weiter geht, ist hingegen fraglich.

Altentreptow.„Es ist einfach schön hier“, beschreibt ein Altentreptower die Begegnungsstätte in der Mühlenstraße 1. Er ist seit Jahren von Montag bis Freitag dort. Ihm würde etwas Wichtiges fehlen, wenn die Begegnungsstätte geschlossen werden würde. Doch das wäre beinahe passiert. Nur durch die Hilfe der zwei Evangelischen Kirchengemeinden des Ortes und vieler Spenden kann der Betrieb zumindest bis zum Jahresende gesichert werden. Was danach geschieht, ist noch nicht entschieden.
„Das Haus ist eigentlich nie leer“, sagt Manfred Heinß. Er und seine Kollegin Karla Schoknecht haben sich einst um die Suchtberatung in der Mühlenstraße 1 gekümmert. Nebenbei hat auch die Betreuung der Besucher der Begegnungsstätte in ihren Händen gelegen. Das Kreisdiakonische Werk Greifswald-Ostvorpommern gab die Suchtberatung jedoch Anfang des Jahres an die Johanna Odebrecht Stiftung ab (der Nordkurier berichtete).
Damit fielen sowohl die Mitarbeiter als auch die finanziellen Mittel für die Begegnungsstätte weg. Ende März stand sie kurz vor dem Aus. Durch das Engagement der beiden Kirchengemeinden und ehrenamtlicher Helfer konnte die Stätte aber noch einmal gerettet werden.
Den Besuchern der Begegnungsstätte fällt damit ein großer Stein vom Herzen. Viele würden es nicht schaffen, ihren Alltag allein zu gestalten. Ebenso schwer falle es ihnen, soziale Beziehungen zu pflegen, sagt Manfred Heinß.
„Man ist unter Leuten und es wird viel gemacht“, sagt ein Besucher, für den die Begegnungsstätte mittlerweile ein zweites Zuhause geworden ist. Dort hat er eine feste Aufgabe: Jeden Tag kocht er für die Besucher. Dieses Mittagsangebot sei neben dem strukturierten Tagesablauf in der Begegnungsstätte besonders wichtig, sagt Manfred Heinß. Viele Menschen könnten sich allein einfach keine warme Mahlzeit leisten.
Hier in der Region sei es besonders wichtig, ein Angebot wie die Begegnungsstätte aufrechtzuerhalten, schätzt Pastor Johannes Staak ein. Für viele gerade auch ältere Menschen seien die sozialen Strukturen in der vergangenen Jahren weggebrochen. „Die Kinder wohnen meist weit weg“, sagt er. So können die Sorgen und Nöte nicht von der Familie aufgefangen werden.
Wie es mit der Begegnungsstätte ab 2014 weitergeht, ist hingegen noch nicht geklärt. Jörg Raddatz, Geschäftsführer des Kreisdiakonischen Werks Greifswald-Ostvorpommern, will sich dafür einsetzen, dass die Begegnungsstätte in Altentreptow als Einrichtung für Personen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten weitergeführt wird. In Greifswald und Demmin gebe es bereits solche Häuser, so Jörg Raddatz. Die materielle Basis sei jedoch dafür noch nicht gesichert.

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s.moll@nordkurier.de

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