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Alle sind froh! Geklautes Kälbchen ist zurück bei seiner Mutter

Happy End in Blankensee: Das zuletzt gestohlene Kalb ist wieder bei der Mutterkuh – und es ist offenbar ziemlich hungrig. [KT_CREDIT] FOTO: S. Berger
Happy End in Blankensee: Das zuletzt gestohlene Kalb ist wieder bei der Mutterkuh – und es ist offenbar ziemlich hungrig. [KT_CREDIT] FOTO: S. Berger

VonRainer Marten

Die schlaflosen Nächte sind für Bergers in Blankensee fast vorbei. Tochter Simone Berger hat herausgefunden, wo die gestohlenen Kälber abgeblieben sind.

Uecker-Randow.Simone Berger war von einem Fakt immer überzeugt: Ganz spurlos verschwindet ein Kalb nicht! Erst recht nicht zwei Kälber. Und sie war davon überzeugt, dass die Tiere nicht ein- oder zweihundert Kilometer transportiert worden sind, sondern irgendwo in der Nähe leben. Es gab ja Spuren, die ins Nachbarland führen.
„Am 15. April bin ich dann erstmals rüber und habe mich in den Dörfern umgeschaut, die nicht so weit von der Grenze entfernt sind“, erzählt die Blankenseerin, die heute in Berlin lebt. Dorf für Dorf wurde in Augenschein genommen. Wiesen, Koppeln ebenfalls. Nur etwa sechs oder sieben Kilometer von Blankensee entfernt entdeckte sie dann knapp vier Wochen später, am 10. Mai, was sie suchte – das zuerst gestohlene Kalb. Es befand sich in einer Herde, etwa fünfzehn Tiere zählend. „Natürlich stand ich jetzt vor der Frage, wie die ganze Sache zu klären ist“, erzählt sie. Das Kalb einfach... Dieser Gedanke kam gar nicht erst auf. Ein anderes Land, andere Gesetze. „Ich nahm Kontakt zu dem polnischen Journalisten auf, der im Nachbarland den Diebstahl publiziert hatte.“ Beide vereinbarten allerdings Stillschweigen, wollten erst alle Behördengänge in Polen abklären abklären.
Dann kam das zweite Kalb weg. Wieder gestohlen. Wieder wurde gesucht. Mit Hilfe des polnischen Journalisten und Ewa Samson als Dolmetscherin wandten sich Bergers nun an die polnische Polizei, legte alle gewonnenen Erkenntnisse und Bildmaterial zum Aufenthalt eines der Kälbchen vor. „Die polnischen Polizisten haben sich dann auch ernsthaft um den Fall gekümmert“, so der Eindruck von Simone Berger.
Die nun eigenen Nachforschungen der Polizei müssen sich aber in den Dörfern irgendwie herumgesprochen haben, denn das zuerst entwendete Kalb verschwand nun spurlos von der Koppel. Keiner weiß wohin.
Am Freitag, dem 17. Mai, erhielten Bergers schließlich über den polnischen Journalisten die Nachricht, ein Kalb könne wieder abgeholt und Heim gebracht werden. Es sei zweifelsfrei identifiziert worden. Bergers wollten, mit dieser Nachricht im Gepäck, sofort los, aber dann tauchten wieder bürokratische Hürden auf. Aber Pfingstmontag war es dann soweit. Alles war geklärt. Erneut in Polen fand sich die Familie auf dem Hof eines Kleinbauern wieder. Schlichte Verhältnisse. Die Atmosphäre gespannt. Aber die Polizei war ja auch vor Ort.
„Richtig rührend war dann das Wiedersehen von Mutter und Kalb in Blankensee. Unbeschreiblich“, so Simone Berger. „Die beiden haben sich nicht mehr aus den Augen gelassen.“ Sie habe sich in diesem Fall hauptsächlich ihrer Eltern wegen so engagiert, die in der Tierhaltung ein schönes Hobby sehen, bilanziert Simone Berger. „Was ich aber bis heute nicht verstehen kann ist, dass der Betroffene die Beweise sammeln muss, um so einen Fall zu klären. Wenn ich nicht gehandelt hätte, dann wäre das alles sicher nie geklärt worden.“

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