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Ärztehaus steht auf meterlangen Beinen

VonSusanne Böhm

Säulen aus Beton und Stahl geben Woldegks Gesundheitszentrum Stabilität. Die Pfähle
sind schnell gesetzt.

Woldegk.Ein Loch in eine Wand bohren geht auch nicht viel schneller. Zügig bohrten Mitarbeiter der Firma Jacbo gestern 17 Meter tiefe Löcher in den Erdboden, auf dem das Woldegker Gesundheitshaus gebaut wird. 30Stück an einem Tag – das meterte. Bohrpfahlgründung wird das Verfahren genannt, mit dem Spezialisten das Gebäude auf stabile Säulen stellen.
Ein herkömmliches Fundament hätte an dem Standort in der Krummen Straße nicht ausgereicht, weil der Untergrund nicht tragfähig genug ist. Viel Lehm, viel Sand, „das Haus könnte absacken“, sagt Bauleiter René Wiese-Jastneke. Der Fachmann erklärt, wie das Prinzip funktioniert: Entlang der Umrisse von Haus 1 und auch mittendrin werden 55 Löcher gebohrt. Diese werden mit Beton ausgegossen, in welchen wiederum Stahlbewehrungen gedrückt werden – lange, runde Gerüste, deren Durchmesser dem der Löcher entspricht. Quer über diese Pfropfen aus Beton und Stahl werden Betonschwellen als Fundament gelegt. Auf diesen wird das Haus gebaut. Das Gebäude steht dann auf unterirdischen Pfählen. „Dann sollte nichts mehr passieren“, sagt René WieseJastneke. Am Montag will Jacbo-Bohrpfahlgründungen mit Sitz in Schüttdorf (Niedersachsen) ein zweites Mal in Woldegk arbeiten, dann ist ihr Part erfüllt und die nächste Firma übernimmt.

Am Haus nebenan war
ein Kunstgriff notwendig
Weiter geht es mit der Verlegung von Grundleitungen und dem Fundament für Haus 2. In dem Bereich genügt eine normale Grundplatte, der Boden ist dort fest, informiert Woldegks Bauamtsleiter Manfred Balzer. Ende Juni beginnen die Maurerarbeiten. Wenn alles nach Plan läuft, ist in knapp fünf Monaten der Dachstuhl fertig.
„Wir hoffen, dass wir Mitte September Richtfest feiern können.“ Bislang verlaufe alles unproblematisch. „Wir hätten nicht gedacht, dass die Bohrpfahlgründung so schnell geht.“
Ein Kunstgriff war nicht direkt auf der Baustelle, sondern unmittelbar daneben notwendig. An einem Privathaus, das direkt am Baugrundstück steht, zieht sich ein senkrechter Riss durch den Giebel. Der Spalt war schon da, bevor die Arbeiten begannen. Es war zu befürchten, dass der angeknackste Giebel durch die Erschütterungen während der Bauphase einstürzt. Darum wurde er mit dem Dachstuhl verankert. „Damit keine Gefahr für Leib und Leben entsteht“, sagt Manfred Balzer.
Wenn das Fundament gegossen wird, wird auch die Zeitkapsel einbetoniert, die bei der Grundsteinlegung vor zwei Wochen zu Showzwecken provisorisch versenkt worden war (der Nordkurier berichtete). Es ist ein Brauch, Schatullen mit zeittypischen Dingen zu füllen, um sie an spätere Generationen weiter zu geben. Oft wird die lokale Tageszeitung mit hinein getan, so auch in Woldegk. „Der Nordkurier kommt gleich zweimal rein“, sagt Manfred Balzer. Die Ausgabe vom 24.März, in der die Grundsteinlegung angekündigt, und die vom 25. März, in der über das Ereignis berichtet wurde. Wenn das Gebäude in ferner Zukunft wieder abgerissen wird, können die Menschen nachlesen, wie wichtig das Gesundheitshaus für ihre Vorfahren war.

Kontakt zur Autorin
s.boehm@nordkurier.de

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