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Auf Schusters Rappen für den guten Zweck

Abschied aus Neustrelitz: Kay-Michael Kämnitz macht sich auf den Weg nach Gransee.  FOTO: marlies steffen
Abschied aus Neustrelitz: Kay-Michael Kämnitz macht sich auf den Weg nach Gransee. FOTO: marlies steffen

VonMarlies Steffen

Kay-Michael Kämnitz hat
auf seiner Wanderung von Marlow nach München in Neustrelitz Station gemacht. Der erste Weg führte ihn allerdings nicht ins Rathaus, wo er beim Bürgermeister das Anliegen seiner
880 Kilometer langen Tour vorstellen wollte.

Neustrelitz.„Wunderbar!“ Kay-Michael Kämnitz entrinnt ein mittellanger Stoßseufzer. Gerade hat er sich in der Residenzstadt neue Schuhe gekauft. Seine alten Treter waren nach vier Tagen Fußmarsch von Marlow bis nach Neustrelitz schlicht und einfach durchgelatscht. Immerhin hat der Mann aus der Stadt, die durch ihren Vogelpark bekannt ist, den längsten Teil seines Wegs noch vor sich.
Er will zu Fuß bis nach München. Das sind rund 900 Kilometer, vorausgesetzt Kämnitz verläuft sich nicht zu oft. Das Navi als Orientierungshilfe hat er schon beiseite gelegt, der Kompass ist sicherer, sagt er.
Für den Unternehmensberater, der von sich sagt, dass er nach 20 Jahren weltweiten Unterwegsseins jetzt in der alten Heimat sesshaft werden möchte, ist es der längste Spendenlauf seines Lebens. In Marlow hat Kämnitz ein altes Landschulheim übernommen, das lange leer stand und zwischenzeitlich als Stätte für Cannabis-Anbau unrühmlich in die Schlagzeilen kam. Kämnitz möchte dor einen Ort für junge Leute etablieren, an dem sie kreative Ideen ausprobieren können. Daher lautet auch dasMotto seines Spendenlaufs „Grips statt Gras“.
Um Spenden einzuwerben, machte sich der 42-Jährige an das vielleicht letzte „Sommer-Abenteuer seines Lebens“. Bislang gab es vorallem gute Erfahrungen, sieht man einmal von den Blasen an den Füßen ab. „Ich bin rundum luftbereift“, trägt Kämnitz die Sache mit Galgenhumor. Immerhin schwört er inzwischen auf Blasenpflaster, das die schlimmsten Schmerzen lindere. 30 bis 40 Kilometer will er täglich unterwegs sein, 27Etappen sind geplant.

Lichtblick sind die fröhlich winkenden Kinder
Auf seinen Etappenzielen schaut Kämnitz auch in die Rathäuser. In Neustrelitz hatte er Glück. Bürgermeister Andreas Grund war inhäusig, fand Zeit für ein kurzes Gespräch, nahm einige Freikarten für den Vogelpark Marlow entgegen und revanchierte sich mit einer Spende.
Genächtigt hatte der Wanderer im Borwinheim, wo er nach Vermittlung durch die Strelitzer Zeitung die Pilgerschlafstätte belegen durfte: eine für nächtliche Gäste ausgebreitete Matratze im Christenlehreraum. Er habe gutgeschlafen und sogar bis 22Uhr an Orgelmusik teilhaben dürfen, bekannte er.
Die große Pilgergelassenheit, die bei Wanderern über lange Strecken einkehren soll, hat er aber noch nichtgefunden. Er genieße das langsame Unterwegssein und notiere beim Anblick vieler Autofahrer deren Seelenzustände: Gestresst, unzufrieden, manchmal aggressiv. Ein Lichtblick seien die Kinder, die ihm fröhlich aus den Autos zuwinkten. Heute wandert Kay-Michael Kämnitz von Gransee nach Oranienburg. Bei seiner Station inBerlin hofft er auf einen Empfang durch Bürgermeister Klaus Wowereit.
www.kaemnitz-consulting.de

Kontakt zur Autorin
m.steffen@nordkurier.de

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