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Aufräumer werden nicht müde

VonSusanne Böhm

Seit zehn Jahren sammeln Elisabeth und Werner Esch- mann ein, was andere weg- werfen. Das Leid der Wild- tiere ist es, was sie antreibt.

Feldberg.Elisabeth und Werner Eschmann räumen auf. Sie pulen Alufolie und Zigarettenschachteln aus Straßengräben, angeln Plastikbecher und Tüten aus Sträuchern, klauben Flaschen und Dosen an Aussichtspunkten auf. Was andere in die Landschaft werfen, hebt das Ehepaar wieder auf und entsorgt es umweltgerecht. Seit zehn Jahren sammeln die 58-Jährige und der 81-Jährige ehrenamtlich Müll in der Feldberger Seenlandschaft – unermüdlich.
Ulrich Möller, Mitarbeiter im Feldberger Ordnungsamt, hat sich jetzt mit einem Blumenstrauß bei ihnen bedankt. Menschen wie Elisabeth und Werner Eschmann sind für die Gemeinde unbezahlbar. Aus öffentlichen Mitteln könnte die langwierige Müllbergung nicht finanziert werden. Er wünsche sich, dass mehr Einwohner diesen Beispielen folgen. Noch wünschenswerter wäre es jedoch, wenn von vornherein niemand seinen Abfall der Natur überlassen würde. Das sehen Elisabeth und Werner Eschmann auch so. Sie staunen jedes Mal aufs Neue, wie viel Unrat sie finden. „An der Straße zwischen Feldberg und Schlicht lagen Unmengen Alu-Verpackungen und Kaffeebecher. Auf vier Kilometern haben wir drei Müllsäcke gefüllt“, berichtet Elisabeth Eschmann vom jüngsten großen Einsatz.
Es sei vor allem die Sorge um die einheimischen Wildtiere, die sie antreibt. Manche verfangen sich in Kunststoffschnüren, andere fressen mit Essensresten verschmierte Alufolie, einige verkeilen sich in Konservendosen. Jeder Fremdkörper in der Umwelt kann für Tiere zur tödlichen Falle werden, sagt Elisabeth Eschmann. Sie würde sich freuen, wenn die Menschen sorgsamer mit der Natur umgingen. Das betreffe auch die Gestaltung der Gärten, in denen Vögeln und Insekten mehr Lebensraum geboten werden könne. Mit einfachen Mitteln wie einheimischen Sträuchern, Blumen, Vogeltränken oder Nisthilfen sei viel zu erreichen. „Schwalben wäre zum Beispiel geholfen, wenn wenigstens kleine Bereiche nicht bepflanzt, vielleicht sogar feucht gehalten werden. Dort könnten sie Lehm für ihre Nester holen.“
Um dem Ehepaar die Arbeit zu erleichtern, hat ihnen das Ordnungsamt einen Müllgreifer zur Verfügung gestellt – eine Stange, an deren Ende sich eine mechanische Greifhand befindet. Ulrich Möller ermuntert alle Einwohner, aktiv zu werden, und lockt: „Jeder, der einen Müllgreifer haben möchte, bekommt einen von mir.“

Kontakt zur Autorin
s.boehm@nordkurier.de

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