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Auge in Auge mit einem Betrüger

VonSusanne Böhm

Fast wäre eine Frau aus Koldenhof auf einen Gauner hereingefallen. Ihr Bauchgefühl verhinderte eine verhängnisvolle Unterschrift.

Koldenhof.Auge in Auge mit einem Betrüger stand Rosemarie Fischer aus Koldenhof. Sie öffnete einem Mann ihre Tür, der unter dem Deckmantel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Geld erschleichen wollte. Fast hätte sie eine verhängnisvolle Unterschrift unter einen dubiosen Vertrag gesetzt. Einzig ihr Bauchgefühl bewahrte sie davor.
„Es klingelte um die Mittagszeit. Draußen stand ein seriös wirkender Herr in dunkelblauer DRK-Ausgeh-Uniform“, berichtet Rosemarie Fischer dem Nordkurier. Der Fremde habe angegeben, er sammele Spenden und habe einen Ausweis und einen Zeitungsbeitrag vorgezeigt, in dem eine Spendensammlung angekündigt wurde. Wie alt der Artikel war und aus welcher Zeitung er stammte, sei nicht erkennbar gewesen. Dann habe der Besucher „einen Text heruntergebetet“, in dem er die Bedeutung des DRK pries. „Da ich von der Wichtigkeit dieser Hilfsorganisation überzeugt bin, wollte ich spenden“, schildert Rosemarie Fischer. „Der Herr zückte einen Block, auf dem sollte ich meine monatliche Spende, Kontonummer und Bankleitzahl eintragen.“ Sie aber habe zunächst mit ihrem Mann sprechen wollen und dem Gast vorgeschlagen, er möge ihr das Formular überlassen, sie würde es ihm später zuschicken. Dieser habe jedoch darauf bestanden, dass sie sofort unterschreibt. Rosemarie Fischer wurde misstrauisch und schlug dem ungebetenen Gast die Haustür vor der Nase zu.
Das hätte auch anders ausgehen können. Oft fallen Menschen auf Trickbetrüger herein, sagt Winfried Rühlmann, Polizeikommissar in Neustrelitz. Die Person in Koldenhof war „definitiv nicht im Auftrag des DRK unterwegs“, betont Uwe Jahn, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes. „Wir hatten im Raum Feldberg im Februar eine Spendenaktion, zur Zeit sammeln wir dort nicht.“ Auch das DRK Neubrandenburg hat in diesem Monat keine Sammler losgeschickt.
Echte DRK-Sammler sind an einem Ausweis mit Foto zu erkennen, erklärt Winfried Rühlmann. Auch räume ein seriöser Helfer den potenziellen Spendern Bedenkzeit ein. Rosemarie Fischers Besucher hatte kein Foto im Ausweis, Zeit hatte er auch nicht.
Sie ist froh, dass sie nicht in die Falle getappt ist und hofft, dass sich niemand von dem Betrüger überlisten lässt. In Neubrandenburg hatte eine 89-Jährige gestern weniger Glück. Sie ließ einen Mann in ihre Wohnung, der sich als Kriminalpolizist ausgab. Er stahl ihr 200 Euro.
Die Polizei warnt vor Betrügern und rät, keine Fremden ins Haus zu lassen, Ausweise akribisch zu kontrollieren und im Zweifelsfall den Notruf zu wählen.

Kontakt zur Autorin
s.boehm@nordkurier.de

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