Nordkurier.de

Bahn-Aktivisten wollen bald in Berlin werben

Sie können stolz auf das bisher Erreichte sein, die Mitglieder der Wesenberger Bürgerinitiative „Pro Schiene“, die jetzt ihren ersten Geburtstag gefeiert haben.  FOTO: Ulrich Krieger
Sie können stolz auf das bisher Erreichte sein, die Mitglieder der Wesenberger Bürgerinitiative „Pro Schiene“, die jetzt ihren ersten Geburtstag gefeiert haben. FOTO: Ulrich Krieger

VonUlrich Krieger

Mehr als 20 Bürger mit breiter Rückendeckung aus der Bevölkerung kämpfen für den Erhalt der Zug-
strecke Neustrelitz–Mirow. Jetzt haben die Aktivisten ihr einjähriges Bestehen gefeiert.

Wesenberg.Sie haben allen Grund, ihren ersten Geburtstag zu feiern, die Mitstreiter der Wesenberger Bürgerinitiative „Pro Schiene“. Sigrid Richter ist stolz: „Unser größter Erfolg ist, dass die Bahn noch fährt. Hätten wir nichts gemacht, wäre die Stilllegung erfolgt. Schwer zu sagen, ob eine Wiederbelebung der Bahnlinie Neustrelitz–Mirow dann noch Erfolg gehabt hätte“. Bei Schließung der Strecke würden Signale und Sicherungstechnik deaktiviert werden.
Natürlich sind auch die Wesenberger und Mirower Bürgermeister Helmut Hamp (BfW) und Karlo Schmettau (FDP) von den Initiativen ihrer Bürger begeistert und überbrachten am Freitag auch Glückwünsche zum Geburtstag. Mehr als 20 Aktive mit breiter Rückendeckung aus der Bevölkerung kämpfen um die weitere Erreichbarkeit der Region mit der Bahn.

Die Initiative will Berliner in die Gegend leiten
Christiane Bongartz, Sprecherin der Bürgerinitiative, erläutert die weitere Vorgehensweise und die Ziele ihrer Mitstreiter: „Wir kümmern uns nicht nur um die Bahnlinie. Besonders wichtig ist die Vernetzung aller Verkehrsmöglichkeiten der Region. Unser Ziel ist es, die Berliner mit Sack und Pack, Kind und Kegel in unsere schöne Gegend zu leiten. Dafür ist, wenn das Geld zusammenkommt, auch Werbung im Berliner U-Bahn-Fernsehen vorgesehen. Ohne die Bahn ist es sehr schwierig, Leute hierher zu holen. Besonders in der jetzigen Situation, wo schon seit Monaten durch den Neubau der Strecke Berlin–Rostock nicht ein Tourist in Neustrelitz auf die Linie nach Mirow umsteigt.“ Die Wichtigkeit der Bahn zeigt sich besonders in der Zeit der Sommerferien, wenn ja bekanntlich auch Haupturlaubssaison ist. Kaum ein Bus fährt dann.
Diese jetzt schon zu verzeichnenden Erfolge sind nur durch die enge Zusammenarbeit mit dem „Hafenbahnverein Neustrelitz“ möglich, befährt doch ein Fahrzeug dieser Enthusiasten die Bahnlinie Neustrelitz–Mirow. Mit dem roten „Leichter-Verbrennungs-Triebwagen 172001-0“ (LVT), im Volksmund auch „Ferkeltaxi“ genannt, war auch Triebwagenführer Michael Roloff aus Neustrelitz bei den feiernden Wesenbergern dabei. Stolz ist er auf „sein“ Fahrzeug, hat er doch als gelernter Lokschlosser schon so manche Stunde unter dem Triebwagen gelegen und Reparaturen sowie Wartungen ausgeführt. „Ein bisschen ist der LVT wie ein Trabi, vieles kann man selbst machen“, weiß Roloff aus eigener Erfahrung.
Nicht mehr lange, dann wird vom Betreiber der Stecke, der „Eisenbahngesellschaft Potsdam“ (EBP) ein eigenes Fahrzeug eingesetzt. Dieses befindet sich zurzeit noch in der Aufarbeitung. Christian Teske, Projektleiter derEBP, bemängelt:„Zwei Drittel der sonst üblichen Passagiere sind seit Jahresanfang weggeblieben.“ Das Publikum bleibe wegen derVollsperrung der Bahnstrecke Rostock-Berlin aus, erklärt Teske. Die Bahn hat die Freigabe der Strecke wegen Bauverzögerungen auf den 9. Juni verschoben. Auch Christiane Bongartz sagt: „Solange die Sperrung besteht, bleiben die Nutzerzahlen ein schwieriges kapitel.“
Letztlich laufen alle Bemühungen der Bürgerinitiative auf eine Wirtschaftlichkeit der Strecke hinaus. Für 2013 und 2014 sind jeweils noch 300000 Euro vom Land Mecklenburg-Vorpommern bewilligt. Ob sie reichen werden, ist noch fraglich. Auf jeden Fall erfolgt danach eine weitere Prüfung, ob sich das Konzept trägt.
Ein Baustein zum Gelingen kann vielleicht die Idee einiger Neustrelitzer Händler auf dem Kühlhausberg sein. Sie wünschen sich dort eine Bedarfshaltestelle, um Kunden den weiten Weg aus der Innenstadt zu erleichtern.

Kontakt zur Redaktion
red-neustrelitz@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×