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Bauen für Barben und Brassen

Von unserem Redaktionsmitglied
Tobias Lemke

Neben dem Wehr an der Fleether Mühle entsteht derzeit eine Fischtreppe.
Mit dem Bauwerk wird die Unter-Wasser-Tierwelt zweier großer Seengebiete miteinander verbunden.

Fleether Mühle.Die Populationen vieler Fischarten und anderer Wassertiere in den Mecklenburgischen Oberseen einerseits und im Havelseengebiet andererseits leben bisher voneinander getrennt. An der Fleether Mühle zwischen Vilzsee und Rätzsee ist für Tiere, die zu ihren Artgenossen auf die jeweils andere Seite wandern wollen nämlich Schluss. Hier gibt es kein Durchkommen.
Die Fischaufstiegsanlage, die sich seit Anfang April an der Fleether Mühle im Bau befindet, soll nun Abhilfe schaffen. „Es entsteht hier eine relativ große Anlage, die ein Gefälle von 1,5 Metern überwindet“, erklärt Sibylle Eingel vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Mecklenburgische Seenplatte. Die einzelnen Becken der Fischtreppe dürfen dabei lediglich einen Höhenunterschied von fünf bis zehn Zentimetern aufweisen. Damit sich keine mehr als einhundert Meter lange Treppe ergibt, wird das Wasserbauwerk an den Enden jeweils in einer Schlängellinie ausgeführt. Die Größe der Anlage ist in der Tierwelt begründet, der hier künftig ein Durchlass gewährt werden soll. Die Treppe sei vor allem auf Fischarten wie Barben und Brassen ausgerichtet. „Eine kleine Fischtreppe würden diese Tiere nicht annehmen“, erklärt Eingel.
Bei der Planung mussten so auch die Strömungsverhältnisse in der Oberbek und am benachbartem Wehr beachtet werden. Würde nämlich die Strömung am Wehr stärker ausfallen als am geplanten Fischeinstieg, so würden die Wassertiere ebenso wenig die Treppe nutzen.
Auf der Baustelle sind in den vergangenen Tagen die Spundwände gerammt worden. Die Kreisstraße musste an der Querung dazu komplett verschwinden und wird später über einem Stahlbetondeckel neu entstehen. Derzeit sind die Mitarbeiter der Firma Eurovia dabei die untere Betonsohle zu bauen. Auf diese wird dann eine Schicht mit Naturmaterialien wie Kies und Steinen aufgetragen. Der Bau kostet rund 270000 Euro, die aus Fördertöpfen der EU kommen.
„Das Ganze sieht erstmal nach einem gewaltigen Eingriff aus“, sagt Eingel. Doch die Ufervegetation sollte sich schnell wieder erholen können. Die Fischwanderung setze üblicherweise bei Wassertemperaturen von sieben bis acht Grad Celsius im Frühjahr und Herbst ein. Für die neue Fleether Fischtreppe hatte sich das StALU auch die Expertenmeinung vom Landesanglerverband für den Planungsprozess eingeholt. Nach der Fertigstellung des Baus wird es zudem eine Effizienzprüfung geben.
Eine zukünftige Baumaßnahme kündigte Eingel zudem für das verschlissene Räderwerk an der Fleether Mühle an. Denn die Wasserregulierung in dem Bereich funktioniere im Zusammenspiel von Mühle und der 2001 gebauten Wehranlage.

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t.lemke@nordkurier.de

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