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Bekennender „Kitschbruder“ liebt Marizas Reize

VonSusanne Schulz

Eine besondere Heraus- forderung, aber auch besonderes Vergnügen findet Dirigent Karl Proko- petz bei der Musikalischen Leitung der Neustrelitzer Festspiel-Operette.

Neustrelitz.Der Norden hat’s ihm angetan. Als Karl Prokopetz zum ersten Mal nach Neustrelitz kam, fühlte er sich gleich heimisch in der Landschaft, bekennt der gebürtige Österreicher mit Lebensstationen unter anderem in München, Wiesbaden, Erfurt und Hof. Das Wohlgefühl im Norden verdankt der Dirigent, der jetzt die Musikalische Leitung für die Neustrelitzer Festspieloperette „Gräfin Mariza“ inne hat, wohl den drei Jahren als Generalmusikdirektor und Operndirektor am Theater Vorpommern. Zumindest der nahen Ostsee wegen; was er kulturpolitisch bereits erleben musste, erfüllt ihn eher mit Trauer. „Hier wird kaputtgespart“, stellt er fest. Immerhin hat die fusionierte vorpommersche Bühne ebenso wie die Theater und Orchester GmbH schon mehrfach Einschnitte hinnehmen müssen. „Und ein paar Jahre später sagt man den Künstlern dann: Es geht doch auch ohne den amputierten Arm, jetzt müsst ihr halt den anderen auch noch hergeben.“
Beim sommerlichen Engagement in Neustrelitz indes überwiegt nun die Freude, mit einem Orchester wie der Neubrandenburger Philharmonie zu arbeiten und mit einem Ensemble, das so außerordentliche Produktionen wie jüngst die Oper „Der Konsul“ hervorbringt. Auch die Freilicht-Erfahrung ist ihm nicht neu: Während seiner Zeit als Kapellmeister in Erfurt gestaltete er auch die dortigen Domstufenfestspiele mit. „Freilichttheater ist immer eine besondere Herausforderung – und es hat seinen eigenen Reiz“, findet er.

Am Klavier wird
die Neugier getestet
Auf die „Gräfin Mariza“ freut er sich sowieso: „Ich bin ja, wie man in Bayern sagen würde, ein bissel a Kitschbruder“, bekennt Prokopetz, der das Operettengenre vielfach unterschätzt findet als „weniger kunstvolle“ Form: „Das kunstvoll hinzukriegen, ist sehr schwer – und wenn es gelingt, ein großes Vergnügen.“ Er jedenfalls habe „Riesenspaß“ daran.
Zumal er die „Mariza“ zum ersten Mal dirigiert. Über den Text nähert er sich zunächst einem neuen Stück: „Erst mal muss ich die Geschichte kennen. Dann spiele ich die Musik am Klavier und prüfe, ob sie mich neugierig macht umzublättern.“
Regisseur Wolfgang Lachnitt kennt er bereits aus seiner Stralsunder Zeit: Zweimal hatte er damals dennunmehrigen Neustrelitzer Operndirektor für Inszenierungen ans Theater Vorpommern geholt. Kontakte, die er damals knüpfte, kommen ihm nun als Freiberufler gelegen: „Je stärker das Umfeld ist, das man sich erarbeitet, umso besser geht’s dann weiter.“
Die personellen Diskussionen in Neustrelitz sind ihm natürlich nicht verborgen geblieben: In der Saisonvorschau war Kapellmeister Frank Obermair für dieMusikalische Leitung der Operette vorgesehen gewesen. Dessen Vertrag wurde nicht verlängert, gilt aber eigentlich noch bis Ende Juli. Von diesen Hintergründen möchte Prokopetz indes seineeigene Arbeit nicht in Mitleidenschaft ziehen lassen: „Diese Vorgänge kann ich nicht bewerten, das ist nicht mein Thema.“ Sein Thema ist ganz klar die „Gräfin Mariza“, deren besonderen musikalischen Charme er dem Publikum nahe bringen will.

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susanne.schulz@nordkurier.de

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