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Bilder erschließen sich nicht auf ersten Blick

Bilder und Texte in der Ausstellung von Wolf Leo verlangen ein intensives Betrachten und Erfassen. [KT_CREDIT] FOTOs: Klaus-Jürgen Fischer
Bilder und Texte in der Ausstellung von Wolf Leo verlangen ein intensives Betrachten und Erfassen. [KT_CREDIT] FOTOs: Klaus-Jürgen Fischer

VonRosemarie Fischer

Gemälde zur Ethik
des niederländischen Philosophen Baruch Spinoza sind jetzt in Feldberg zu sehen. Der Grünower Maler Wolf Leo hat seine Gedanken über Spinoza künstlerisch umgesetzt.
Die Besucher reagieren begeistert bis ablehnend.

Feldberg.Der Kunstverein Feldberger Land hatte bei der Eröffnung seiner Ausstellung „GedankenBilder zur Ethik von Baruch Spinoza“ an alles gedacht. Wohl ahnend, dass der spätmittelalterliche niederländische Philosoph Baruch Spinoza nicht jedem geläufig ist, gab es Thesen von Spinoza als Handzettel, die Feldberger Buchhandlung bot Spinoza-Literatur an und schließlich hielt Historiker Richard Pohle eine Einführung über den Außenseiter unter den Philosophen.
Von Beruf Linsenschleifer, verfasste Spinoza mit seiner „Ethik“ nur ein einziges großes Werk. Es geht um die Fragen nach Freiheit und Glück. Gott ist bei Spinoza ein unendliches Wesen, das in allem existiert – sowohl in der Natur als auch im Denken der Menschen. Damit stieß der Sohn jüdischer Portugiesen sowohl bei seinen Rabbinern als auch bei den Priestern auf Kritik. Sie fürchteten die Infragestellung des christlich-jüdischen Gottesbildes. Viele sehen in Spinoza den ersten Materialisten, doch andere seiner Thesen widersprechen dem. Anregend zu sozialtherapeutischen Debatten auch heute noch seine Affektenlehre. Indem jeder einzelne die positiven und die negativen Dinge in seinem Leben analysiert und versucht, den positiven mehr Raum zu geben, ist jeder praktisch seines Glückes Schmied.

Die Ideen kamen dem Maler bei einer Radtour
Der Maler Wolf Leo hat Baruch Spinozas Lehre in seinen Bildern aufgegriffen und zeigt sie nun in Feldberg. Ohne die Einordnung Richard Pohles wäre die Idee mancher Bilder sicher im Verborgenen geblieben, auch wenn ausführliche Thesen den titellosen Werken als Erklärung zur Seite stehen. Wolf Leo ist bekannt durch Buchillustrationen, Malerei, Skulpturen und Installationen aus Beton, Asphalt, Wellkarton. Er lebt in Berlin und in Grünow, winters gern in wärmeren Regionen. Aquarelle sind seine Reiseerinnerungen. Spinoza „kam auf einer Radtour in Vietnam über mich“. Da in den vollen Rucksack nur ein Büchlein passte, entschied er sich für den Philosophen. „Morgens las ich eine Seite aus der ,Ethik‘ und dann hatte ich den ganzen Tag Zeit, darüber nachzudenken.“
Der Spiegel dieses Sinnens sind die Bilder dieser Ausstellung. Kompositionen in Blau – geometrische „Muster“, die als Kreuz-Wege zum Horizont führen. Ebenso wie die unendlichen Wellen des Meeres und Häupter, die an Christusdarstellungen erinnern. Dazu Werke in Gelb- und Erdtönen, gebrochene Linien, an den Linsenschleifer Spinoza erinnernd. Ein menschlicher Kopf, trichterförmig nach oben geöffnet – die Suche nach der Quelle der Wahrheit? Ein Porträt des Philsophen, die „Erleuchtung“.
Ebenso wie Spinozas Lehren spaltet auch diese Ausstellung. Kaum einen der rund 40 Besucher bei der Eröffnung ließ sie kalt. Die einen reagieren begeistert, andere ablehnend. Angelika Euler, Lehrerin aus Berlin: „Eine sehr, sehr anregende Schau. Immer wieder neue Themen und Aspekte. Manche Bilder, so nebeneinander gehängt, lassen meinen Kopf fast explodieren.“ Liane Birnberg, eine Künstlerin aus Bukarest, die in Feldberg Urlaub macht, findet dagegen: „Diese Bilder sind zu dramatisch oder sentimental – für mich ist das nicht Spinoza.“ Unentschlossen ist Susanne Kuller aus Neugarten: „Zu vielen Bildern fehlt mir der Zugang. Da muss ich in Ruhe noch einmal wieder kommen.“
Die Ausstellung im Haus des Gastes in der Strelitzer Straße 42 ist bis zum 20. Juli zu sehen. Geöffnet ist montags bis freitags von 9 bis 18Uhr und sonnabends von 10 bis 12.30 Uhr.

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