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Bühnenrollen mit Ebenbild im Publikum

Von unserem Redaktionsmitglied
Susanne Schulz

Als „Drama mit super Musik“ empfindet Astrid Marie Lazar die Oper „Der Konsul“. An der Seite von Robert Merwald als Freiheits- kämpfer Sorel singt sie hier dessen an einer Diktatur verzweifelnde Ehefrau.

Neustrelitz.Auf der Bühne sind sie ein Ehepaar. Dennoch begegnen sie einander kaum in der Oper „Der Konsul“ am Neustrelitzer Theater: Robert Merwald singt den Freiheitskämpfer John Sorel, der vor der Geheimpolizei flüchten muss; Astrid Marie Lazar seine Frau Magda, die für sich und ihr Kind ein Visum zu erlangen versucht und an der absurden Bürokratie des diktatorischen Staates zu zerbrechen droht. Nur durch heimlich übermittelte Botschaften können die beiden miteinander in Verbindung treten, und zwei Mal erscheint er ihr in einem Albtraum.
Ein Stück, das es in sich hat – in seiner Dramatik ebenso wie in seinen musikalischen Herausforderungen, da sind sich die beiden Sänger einig. 1950 entstanden zu einer Zeit, da es leicht auf ein bestimmtes Land zu beziehen war, könnte es heute irgendwo auf der Welt spielen, stellt Merwald fest: „Menschen auf der Flucht, ein Einsatz in Afghanistan oder Abschiede anderer Art – jede Person auf der Bühne hat bestimmt ein Ebenbild im Publikum“, meint der bayerische Bariton, der seit 2009 am Neustrelitzer Theater engagiert ist. Zuletzt unter anderem als Juan Perón in dem Musical „Evita“ und als Wasserfürst Kühleborn in „Undine“ zu erleben, lässt er sich gern ein auf den zeitgenössischen Stoff des amerikanischen Komponisten Gian Carlo Menotti (1911–2007).
Klar und direkt ist die Geschichte angelegt – „ein Drama, zu dem die Musik super passt“, findet auch Astrid Marie Lazar. Dank ihres Gesangsstudiums in den USA, wo sie an Bühnen in und um New York ihre ersten Opernerfahrungen sammelte, ist die aus Baden-Württemberg stammende Sopranistin mit modernem amerikanischem Musiktheater vertraut – und hat ein Faible für Menotti: Die Rolle der Magda war ein überzeugendes Argument, in Neustrelitz zu gastieren.

Vorliebe für Happy End wird als Vorurteil entlarvt
„Seine Werke haben mir schon immer sehr gefallen“, sagt die Sängerin, „auch wenn sie, Entschuldigung, sauschwer zu lernen sind.“ Dies auch und gerade in der deutschen Fassung, derenVokabular nun mal „voluminöser“ ist als das knackige Englisch. „Aber das Stück sollte schon in der Sprache des Publikums aufgeführt werden“, weiß Astrid Marie Lazar, die schon große klassische Partien in Dauerbrennern von „Tosca“ bis „La Traviata“, von der „Csardasfürstin“ bis zu „Così fan tutte“ sang. Menottis Kompositionen seien im Vergleich dazu wohl ungewohnter, aber so schlüssig, dass sich die Hör-Erwartung wie von selbst einstelle. Und dass die Amerikaner auf Kitsch und Happy End bestehen, wird spätestens mit dieser Oper – zu der Neubrandenburger Neuntklässler während der Probenzeit ein Projekt gestalteten – als Vorurteil entlarvt.

Matinee am 21. April um 11Uhr in der Orangerie Neustrelitz; Premiere am 27. April, weitere Vorstellungen am 3., 12. und 25. Mai im Landestheater Neustrelitz (mit Einführung jeweils eine halbe Stunde vor der Vorstellung).Kartentelefon 03981 206400

Kontakt zur Autorin
susanne.schulz@nordkurier.de

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