Nordkurier.de

„Da steigen einem Tränen in die Augen“

Im Slawendorf, hier Mitarbeiter beim Stapeln von Brennholz für die Kerzenherstellung, wird auf den 15. April hingearbeitet.[KT_CREDIT] FOTO: gross
Im Slawendorf, hier Mitarbeiter beim Stapeln von Brennholz für die Kerzenherstellung, wird auf den 15. April hingearbeitet.[KT_CREDIT] FOTO: gross

Von unserem Redaktionsmitglied
André Gross

Die bevorstehende Saison im Neustrelitzer Slawendorf ist gesichert, die Zukunft der Einrichtung ist es nicht.

Neustrelitz.Das Slawendorf Neustrelitz am Zierker See startet am 15. April mit stabilen, familienfreundlichen Preisen bis hin zur Bratwurst in seine 16. Saison. Dass diese abgesichert werden konnte, ist auch dem ortsansässigen Förderverein des slawischen Brauchtums und des altertümlichen Handwerks zu verdanken. Mit unentgeltlichen Wochenendeinsätzen in den Monaten Juli und August werden zehn seiner Mitglieder den Betrieb der beliebten Freizeiteinrichtung garantieren.
„Keiner hat gemosert, da steigen einem schon Tränen in die Augen, aber die Entscheidung kann nur eineAusnahme sein“, beschrieb die Vorsitzende Karin Rudolph den Verlauf der letzten Mitgliederversammlung. Auch Angehörige des Bundesfreiwilligendienstes, die im Slawendorf eingesetzt sind, haben sich zu Wochenendeinsätzen bereit erklärt, wenn sie dafür einen Tag in der Woche frei haben, ergänzte der Leiter des von der Ipse getragenen Dorfes, Ingo Pockrandt, in einem Gespräch mit dem Nordkurier.
Er hatte im Oktober vergangenen Jahres vor dem entsprechenden Fachausschuss der Stadtvertretung auf ein Defizit von rund 20000 Euro aufmerksam gemacht. Es wird nun unter anderem durch ehrenamtliches Engagement ausgebügelt, nachdem klar geworden ist, dass die Stadt wohl nicht erneut helfen wird. Im vergangenen Jahr waren Mittel, die eigentlich für das Begrüßungsgeld vorgesehen waren, auf Antrag von SPD und Bündnisgrünen ins Slawendorf umgeleitet worden. Diesmal wird es offenbar bei der Fördersumme bleiben, die Neustrelitz als Gesellschafter der Ipse insgesamt zahlt. Bürgermeister Andreas Grund hat zu verstehen gegeben, dass die Haushaltsplanung abgeschlossen ist. Im Slawendorf herrscht für den Kassenschluss sogar verhaltenesVerständnis, müsste doch anderen Einrichtungen Geld weg genommen werden, um der Freizeitadresse Sondermittel zukommen zu lassen.
Das Slawendorf begeht am 15. Mai sein 15-jähriges Bestehen und blickt auch auf 468000 Besucher zurück. Schon die Gründungsväter hatten herausgestellt, dass das Dorf zeitlebens vom Wohlwollen der Stadt abhängig sein wird. Andreas Grund hält es für keine Lösung, „immer wieder Geld hineinzuschießen“. Er wisse den Einsatz der Vereinsmitglieder hoch zu schätzen, es müsse aber eine grundsätzlich neue Konzeption her. So könne über eine Verknüpfung mit der am Zierker See geplanten Jugendherberge (der Nordkurier berichtete) nachgedacht werden. Grundproblem sei, Menschen in geförderten Arbeitsmaßnahmen ins Dorf zu bekommen. „Wenn das nicht gelingt, haben wir ein großes Problem, denn wir sind nicht in der Lage, Defizite des Dorfes durch den Haushalt der Stadt auszugleichen“, so Grund. Die Gesellschafter der Ipse hätten zuletzt viel Zeit auf die Umstrukturierung des Trägers verwandt, um ihn am Leben zu halten. Nun ist Grund auf das erste Gespräch mit der neuen Geschäftsführerin gespannt, die sich seit knapp einem Monat einarbeitet und vom neuen Partner, der Landentwicklungsgesellschaft Rosenow, kommt. Dabei werde es auch um das Slawendorf gehen, „das uns wichtig ist“.

Kontakt zum Autor
andregross@nordkurier.de.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×