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Datenfeldwege statt Datenautobahnen

VonSusanne Böhm

Über langsames Internet
mit vielen Aussetzern
klagen die Menschen
in Lüttenhagen. In anderen Ortsteilen der Feldberger Seenlandschaft
geht der Breitbandausbau hingegen voran. Jetzt unternimmt die Gemeinde erneut Anstrengungen,
um auch die letzten Dörfer mit schnellem Internet
zu versorgen.

Feldberg/Lüttenhagen.Von Datenautobahnen, über die das Internet in die Haushalte rast, können die Menschen in manchen Orten der Feldberger Seenlandschaft nur träumen. Lüttenhagen zum Beispiel ist eher durch Datenfeldwege an das weltweite Netz angebunden. „Es geht mehr als langsam. Oft setzt die Verbindung völlig aus“, sagt Michael Packheiser, der in dem Dorf ein Elektroinstallations-Unternehmen führt. Theoretisch sollte Lüttenhagen über LTE-Funk versorgt werden. In der Praxis aber dringen die Funkwellen von dem Turm in Feldberg nur abgehackt durch den Wald nach Lüttenhagen vor.
Bei der Gemeindeverwaltung ist das Problem bekannt. Lüttenhagen ist einer der letzten Ortsteile der Seenlandschaft, in dem noch über Probleme mit dem Internet geklagt wird. Breitbandbeauftragter Reiner Stöhring und der Zweckverband Elektronische Verwaltung Mecklenburg-Vorpommern wollen jetzt erneut ausholen und auch diese Dörfer mit akzeptablen Datenraten versorgen. Aber das ist nicht so einfach.
Orte, die nah genug an Funkmasten liegen, gelten als versorgt. Für eine Anbindung durch Glasfaserleitungen gibt es dann keine Fördermittel, erklärt Reiner Stöhring. Durch Störungsmeldungen der Einwohner und durch Messungen des LTE-Funks müsse nachgewiesen werden, dass diese Orte trotz Funkturm kein schnelles Internet haben. Letzteres solle bald geschehen, der Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest. Zu ersterem ruft der Breitbandbeauftragte erneut alle Einwohner der Seenlandschaft auf. „Wo gibt es noch Versorgungsprobleme? Wir sind auf Mithilfe der Einwohner angewiesen.“ Die Sache eile, denn „wir müssen davon ausgehen, dass sich die Fördermöglichkeiten kurzfristig drastisch reduzieren: Einwohner aus Ortsteilen, in denen eine Bandbreite von weniger als 2 Megabit pro Sekunde zur Verfügung steht, sollten schnellstmöglich mit der Gemeinde Kontakt aufnehmen.“ Je besser und detaillierter die Lage im Rathaus bekannt ist und je mehr Menschen Bedarf anmelden, desto größer seien die Chancen, Fördermittel zu bekommen.
Das ist der Seenlandschaft in den zurückliegenden Jahren des Öfteren gelungen. Aktuell schließt die Deutsche Telekom die Ortsteile Schlicht, Schönhof und Wrechen mit Glasfaserkabeln ans Breitbandnetz an, für bis zu 16 Megabit pro Sekunde. Zuvor hatte es speziell aus Schlicht vehement Beschwerden gegeben. Bei einer Funkmessung hatte der Zweckverband Elektronische Verwaltung schließlich festgestellt, dass die Versorgung tatsächlich äußerst lückenhaft ist. Glasfaserkabel führen auch nach Triekpendorf und in die umliegenden Dörfer. Sehr gut sieht es mit Datenraten von bis zu 50Megabit pro Sekunde in Conow, Wittenhagen, Tornowhof und Fürstenhagen aus. Auch nach Krumbeck, Neugarten, Wendorf und Lichtenberg führen Internetkabel. Das wollen die Lüttenhagener auch.
„Für normale Haushalte dürfte es gerade so reichen“, sagt Michael Packheiser. Für ein Unternehmen wie seines, das auf schnelle und reibungslose Datenübertragung angewiesen ist, sei die Situation „nicht zufriedenstellend“. So sieht es auch das Autohaus Pankratz in Lüttenhagen. „Wir arbeiten ständig im Internet, mit vielen Programmen“, hieß es von dort. „Es geht viel zu langsam. Zeit ist Geld. Uns geht das an die Nerven.“
Eigentlich wollte die Bundesregierung durch Fördermittel dafür sorgen, dass bis Ende 2010„flächendeckend leistungsfähige Breitbandanschlüsse zur Verfügung stehen“. Bis 2014 will der Bund 50 Megabit in 75Prozent aller Haushalte. So steht es in der Breitbandstrategie des Bundeswirtschaftsministeriums.

Kontakt zur Autorin
s.boehm@nordkurier.de

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