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Der Hammer fällt, um das Erbe zu retten

VonSilvio Witt

Eine Auktion in Neustrelitz soll erste Mittel „einspielen“, um bedeutsame Nachlässe regionaler Künstler professionell archivieren und aufarbeiten zu können.

Seenplatte.„Welch ein Schatz an Vielfalt, welche Möglichkeiten ließen sich für unsere Region nutzen, würden wir die besten Zeitzeugnisse Bildender Kunst, die hier entstanden sind, vor Zerstreuung oder Vernichtung bewahren können“, sagt Heide-Marlis Lautenschläger. Die Zachower Künstlerin verweist damit auf die Initiative engagierter Personen und Sponsoren, die sich dem Anliegen widmen, ausgewählte Nachlässe Bildender Künstlerinnen und Künstler des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte zu sammeln.
Ziel ist es, die Werke – angefangen von Skizzen über Studien oder Briefwechsel, bis hin zu großformatigen Arbeiten, Grafikfolgen oder Skulpturen – wissenschaftlich aufzuarbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So sei am meisten über einen künstlerischen Weg sowie die Bedingungen im jeweiligen Landstrich und Zeitgefüge abzulesen. Museen und Kunstsammlungen haben dafür weder finanziell noch personell und räumlich die Kapazitäten, betont die Künstlerin weiter.
Vor drei Jahren wurde daher die Idee einer Sammelstiftung geboren. „2011, im Rahmen der Studie ‚Kultur- und Kreativwirtschaft‘, einem Projekt der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Mecklenburg-Strelitz und der Hochschule Neubrandenburg, befragten mich Studierende zu den Problemfeldern und Zielen der regionalen Kunstlandschaft. In diesem Gespräch erwogen wir damals auch die Möglichkeit einer Stiftung für Künstlernachlässe“, erinnert sich Heide-Marlis Lautenschläger.
Mit Berufskollegen führte sie in den folgenden Jahren zahlreiche Gespräche und erhielt dabei nicht nur die Zustimmung, sondern die Bereitschaft, gemeinsam auf ein solches Ziel hinarbeiten zu wollen. Auf der Liste der Unterstützer stehen mittlerweile auch der Landrat des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, HeikoKärger, und Unternehmerverbands-Chef Günter J. Stolz. Gymnasialdirektor Henry Tesch signalisierte sein Interesse ebenso wie die Zachowerin Kirsten Weber und andere hilfreiche Nachbarinnen.
Verhandlungen über ein Gebäude für den künftigen Fundus und über das Vorhaben, ihn unter dem Dach einer Kulturstiftung sichern zu wollen, wurden bereits in Angriff genommen. Zunächst soll nun mit einer Verkaufsausstellung und anschließender Kunstauktion auf dieInitiative aufmerksam gemacht werden. AbMittwoch laden die Initiatoren daher in die Alte Kachelofenfabrik Neustrelitz. Künstlerinnen und Künstler haben viele Werke gespendet, die dort erworben werden können. Zwei Tage ist die Verkaufsausstellung dann geöffnet.
Und am Sonnabend beginnt um 17Uhr die Auktion, bei der die Werke „bemerkbar unter dem Galeriepreis“ aufgerufen werden, wie es Auktionator Joachim Lautenschläger formuliert. Der gesamte Erlös aus Ausstellung und Auktion wird die Anschubfinanzierung für das Projekt Nachlasssammlung bilden.
„Wir hoffen, dass unsere Initiative in den kommenden Monaten Erfolge haben möge“, sagt deren Sprecherin. „Damit würde eine Lücke in der kulturhistorischen Vita unserer Region geschlossen werden.“

Verkaufsausstellungam
17. April ab 19 Uhr, 18. und 19. April von 17 bis 20 Uhr, 20. April ab 16 Uhr;
Auktionam 20. April ab
17 Uhr in der Kachelofenfabrik Neustrelitz.

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