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Der Tod eines 18-jährigen Häftlings gibt Rätsel auf

VonRobert Kiesel
undMatthias Schütt

Es sollte ein feierlicher Tag werden im Gefängnis Neustrelitz. Stattdessen wurde es ein sehr trauriger: Ein junger Mann hat offen- sichtlich Selbstmord begangen.

Neustrelitz.In der Jugendanstalt (JA) Neustrelitz ist am Montagabend ein in Untersuchungshaft sitzender 18-jähriger Mann tot aufgefunden worden. Der junge Mann, der aus dem Landkreis Vorpommern-Rügen stammte, hatte sich offenbar selbst das Leben genommen. Darauf deuteten Spuren hin, die Justizvollzugsbeamte und Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft vor Ort sicherten, hieß es aus dem Justizministerium. Neben dem leblosen Körper des Häftlings fanden die Beamten zusammengebundene Schnürsenkel, mit denen sich der junge Mann erdrosselt haben soll.
Zu den Hintergründen der Tat war bis zum Dienstagabend nichts Genaueres bekannt geworden. Nach Aussagen des Justizministeriums war der Mann vor gut einem Monat in Untersuchungshaft genommen worden. Auslöser war der Verdacht auf eine Raubstraftat.
Klar war lediglich, dass es sich bei dem Todesfall in der Zelle nicht um eine Gewalttat durch Dritte gehandelt haben kann. Zum Zeitpunkt seines Todes befand sich der
junge Mann allein in seiner Zelle. „Wir haben keinerlei Hinweise auf die Einwirkung von Dritten“, bestätigte auf Nachfrage ein Sprecher der zuständigen Neubrandenburger Staatsanwaltschaft. Diese hat die Ermittlungen übernommen, da es sich um einen unnatürlichen Todesfall handelte.
Der letzte Todesfall in der einzigen Jugendhaftanstalt des Landes datiert aus dem Jahr 2006. Auch damals hatte sich ein junger Häftling das Leben genommen. In den vergangenen acht Jahren begingen in Mecklenburg-Vorpommern sieben Insassen hinter Gittern Suizid, so das Ministerium. Insgesamt befinden sich in der JA Neustrelitz rund 200 Häftlinge.
Die Beamten, die den leblosen Körper fanden, wurden nach dem Vorfall psychologisch betreut. Anstaltsleiter Bernd Eggert zeigte sich tief erschüttert: „Wir dürfen uns nicht gegen, sondern für das Leben entscheiden.“Es sei sogar erwogen worden, für Dienstag den Start eines Hilfsprojekts des Deutschen Fußballbundes (DFB) abzusagen.
Allerdings, so ein Sprecher des Justizministeriums, habe das eine mit dem anderen nichts zu tun. Unter Anwesenheit von Ministerin Uta-Maria Kuder (CDU) wurde das Projekt „Anstoß für ein neues Leben“, initiiert durch die Sepp-Herberger-Stiftung, gestartet. Mit Hilfe des Fußballssollen Straftäter auf die richtige Bahn gelenkt werden.

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