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Dirigent sieht sich abgesetzt

VonSusanne Schulz

Dass er bei der Festspiel- operette bereits nicht mehr am Pult steht, ist für Kapell- meister Frank Obermair nicht das einzige Ärgernis bei seinem Vertragsende.

Neustrelitz.Mit widersprüchlichen Gefühlen hat Frank Obermair seine letzte Vorstellung am Neustrelitzer Theater dirigiert: Mit Freude über den Beifall für „Madame Pompadour“ als jüngste in einer Reihe erfolgreicher Produktionen während seiner fünf Jahre als Kapellmeister – und mit Unmut über die Weise, wie das Engagement zu Ende geht: Ebenso wie der seiner Frau, der Musikdramaturgin Chantal Obermair, wurde sein Vertrag nicht verlängert.
Entgegen der Saisonplanung wird er bereits bei der Festspieloperette „Gräfin Mariza“ nicht am Pult stehen. „Plötzlich stand N. N.‘ in der Besetzung, obwohl ich noch im Dienst bin und mitRomely Pfund eine weitereDirigentin zur Verfügung steht“, wundert er sich: Indem eigens ein anderer Musikalischer Leiter nach Neustrelitz kommt, würden öffentliche Gelder verschwendet.
Die Nicht-Verlängerung ist ein normaler Vorgang an einem Theater, wo Engagements spielzeitweise befristet sind und die Leitung im Oktober über die Fortsetzung entscheidet. „Uns wollte man hier nicht mehr haben“ – so der Eindruck des Kapellmeisters, der dieses Ende nicht erwartet hatte. Schon gar nicht zu einem Zeitpunkt, da seine Frau hochschwanger war. Obermairs – er aus Bayern, sie aus der Schweiz – sind hier sesshaft geworden: Im Januar bekam die vierjährige Tochter ein Brüderchen. „Wir leben gern hier. Wir brauchen keine Münchner Luxusläden, sondern finden hier eine ganz andere Lebensqualität“, so der Familienvater.

Musicals als Basis für
„herausstechendes“ Profil
Außer Frage steht für ihn aber, dass sich die Atmosphäre an der Theater und Orchester GmbH nicht zum Besseren verändert habe seit dem Ende der Ära von Intendant Ralf-Peter Schulze und Geschäftsführer Dirk Rautmann. Was sich auf seinen Enthusiasmus nicht auswirkte: „Ich habe meinen Job gut gemacht – wie beim gefürchteten, aber von mir sehr geschätzten Herrn Buske nachzulesen ist“, verweist er auf die Kritiken im Nordkurier.
Dass ein Dirigent von den Musikern nicht nur geliebt wird, findet Obermair nicht ungewöhnlich: „Was zählt, sind künstlerische Resultate, und die sind sehr gut“, sagt er selbstbewusst. Als bleibenden Effekt seiner Amtszeit und des Wirkens seiner Frau beschreibt der 40-Jährige auch den Weg erfolgreicher Musicals in den Spielplan.
In dieser Richtung könnte sich Neustrelitz weiter profilieren, überlegt Obermair, der sein Faible für publikumswirksames Repertoire nicht verhehlt: „Nötig ist ein Profil, das in Zeiten bevorstehender Fusionen heraussticht. Das kann nicht das einer Staatsoper Neustrelitz sein“, sagt er. Ein Luise-Format, so exklusiv wie das König-Ludwig-
Musical in Füssen, könnte er sich als Basis eines vielfältigen Spielplans vorstellen. Aus Mecklenburg-Strelitz fortzugehen, steht derzeit nicht im Lebensplan: Auch wenn es noch nichts Spruchreifes gebe, stehe er gern „der Region für neue Aufgaben und Projekte zur Verfügung“.

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susanne.schulz@nordkurier.de

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