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Ein Ja-Wort und ein Hochzeitsbiss

Unter Leitung von Christian Arnold und Andrea Lichterfeld (vordere Reihe von links) trainiert das Tanzremise-Ensemble für eine neue Show „mit Biss“.  FOTO: S. Schulz
Unter Leitung von Christian Arnold und Andrea Lichterfeld (vordere Reihe von links) trainiert das Tanzremise-Ensemble für eine neue Show „mit Biss“. FOTO: S. Schulz

VonSusanne Schulz

Die Tanzremise ist wieder da: Gastronomisch als künftiges Event-Lokal
unter Leitung des Schau- spielers Christian Arnold, bühnenreif mit den Proben für eine Vampirshow.

Neustrelitz.Dass eine Hochzeit platzt, kann in der Tanzremise auch mal vorkommen. Es soll sogar ab Ende Mai häufiger passieren, doch dazu später. Erst einmal ist aus dem gastfreundlichen Haus an der Penzliner Straße als gute Nachricht zu erfahren, dass hier wieder Hochzeiten, Geburtstage und vieles mehr gefeiert werdenkönnen: Nachdem einigeMonate lang keine neuen Buchungen angenommen wurden, steht nun ein „Comeback“ an. „Nicht mal eine Stunde nach der Entscheidung habe ich mein erstes Beratungsgespräch absolviert, mit einer Familie, die hier einen 70. Geburtstag feiern will“, erzählt Christian Arnold, Schauspieler von Beruf und künftiger Betreiber der Tanzremise.
Ein kühner Schritt? Nun ja, auf ganz unbekanntes Terrain begibt sich der 28-Jährige da nicht. Dem Show-Ensemble der Tanzremise ist er seit langem verbunden, zuletzt durch Regie und Hauptrolle im Piratenmusical „Aloha He“, das seit zwei Jahren Erfolge feiert. Und Gastronomie-Luft schnupperte er als Schüler im heimischen Userin beim Kellern und als Student beim Jobben in Berlin.
Sein Traum von einer Kulturkneipe blieb Tanzremise-Chefin Andrea Lichterfeld nicht verborgen, als sie gerade mit der Entscheidung rang, ihre beliebte Lokalität aufzugeben: Ihr Beruf alsInhaberin eines Pflegedienstes, zusätzliche Projekte wie eine Wohngemeinschaft für Behinderte (der Nordkurier berichtete) und eine geplante Senioren-WG an der Fasanerie forderten all ihre Kraft. „Körperlich war das nicht mehr zu schaffen“, erzählt die für ihre unerschöpfliche Energie bekannte Frau.
Arnolds Ambition kam da wie gerufen: „In fremde Hände hätte ich die Tanzremise wohl nicht gegeben“, bekennt Andrea Lichterfeld und ist unendlich froh, „zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“ zu haben: weiterhin ihrer Leidenschaft für die Bühne frönen zu können, jedoch im Lokal bald „nur noch Gast“ zu sein. Wenn alle Genehmigungen erteilt sind – voraussichtlich im Juli – kann der Betreiberwechsel offiziell vollzogen werden.
Bei einem Existenzgründerseminar hat sich Christian Arnold gastronomisches Rüstzeug angeeignet. „Ich bin Beamtensohn, da weiß man gern genau, was man tut“, erklärt der junge Mann, der sich in den heimischen Gefilden „wieder mehr häuslich binden“ will. „Ich bin ein Nesthocker, wollte nicht als Schauspieler jedes Jahr woanders hin“, erzählt er. Mit Film- und Fernseharbeiten – gerade ging ein Dreh für die ZDF-Serie „Soko Leipzig“ zu Ende – sei das zu vereinbaren. Und aus der Zeit in der Hauptstadt, wo er seit dem Studium an der Berliner Schule für Schauspiel lebt, bringt er viele Anregungen mit. Für kleine, einfache Gerichte zum Beispiel, eine feine Weinauswahl oder Fernsehabende: „Warum sollten Leute nicht zusammen Castingshows anschauen und dabei unterhalten werden?“
Als klassische Gaststätte wird Christian Arnold die Tanzremise nicht betreiben; vielmehr könnte daraus eine „Event-Location“ werden. Mit Barbetrieb von dienstags bis donnerstags und Veranstaltungen an den Wochenenden. Die Ideen-Liste füllt sich rasant, mit Schlagerabenden, Ossi- oder Krimi-Dinners, Musik, Lesungen, Talks ...
Indie Einrichtung will der „Neue“ eine eigene Note bringen: etwas „loungiger“, mit kleineren Tischen, Sofas und Sesseln und immer eingedenk des Drahtseilakts, die Neuerungen mit dem Vertrauten zu verbinden. Auf jeden Fall sollen mehr Show-Bilder an die Wände, um den Ort ganz klar mit dem eingeschworene Tanzremise-Ensemble zu verbinden.
Gerade arbeitet die Truppe an einem neuen Stück: Die Vampirshow „Biss dass der Tod euch scheidet“ hat am 25. Mai Premiere. Inspiriert ist sie keineswegs von „Twilight“-Abenteuern, sondern greift auf die Entstehung von „Graf Dracula“ zurück.In einem Dorf mit Männermangel – die Herren werden immer „weggenascht“ – steht endlich eine Hochzeit an. Doch wie angedeutet kommt es vorerst nicht zum Ja-Wort: Der Bräutigam wird der freudigen Gesellschaft entrissen; die Rettungsaktion führt in eine Irrenanstalt und auf einen Friedhof. Durch dieses Abenteuer führen, wie Arnold verrät, „die abgehalfterte Operndiva Madame Pirelli und der durchgeknallte Zirkusnarr Kräxxer“ – letzteren verkörpert der Schauspieler selbst. Von Irish Folk bis zum „Tanz der Vampire“ reicht die Musik des, so verheißt der Regisseur, „extrem intensiven Tanzstücks“, auf das sich die Zuschauer mit einem Gruseldinner einstimmen können: Immerhin ist die Tanzremise unter neuer Leitung bald wieder voll da.

Kontakt zur Autorin
susanne.schulz@nordkurier.de

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