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„Ein Preis, den man haben möchte“

Roman F. Oppermann [KT_CREDIT] FOTO: Privat
Roman F. Oppermann [KT_CREDIT] FOTO: Privat

Neustrelitz/Neubrandenburg. Die ersten Arbeits-
sitzungen hat er hinter sich; nächste Woche lernt Roman F. Oppermann auch eine der angenehmen öffentlichen Seiten seines Amtes kennen: Als neuer Kuratoriums- vorsitzender der Annalise- Wagner-Stiftung begrüßt er im Neustrelitzer Leea die Teilnehmer bei der Vergabe des Annalise-Wagner-Prei- ses. Susanne Schulz sprach mit dem Neubrandenburger Hochschulprofessor.

Lange wurde nach einem würdigen Nachfolger für den langjährigen Kuratoriumsvorsitzenden Joachim Lübbert gesucht.Fühlen Sie sich „wie die Jungfrau zum Kind“
in das Amt gekommen?
Das nun nicht. Beim Zusagen half aber, dass ich vor zehn Jahren schon mal in der Jury für den Preis mitwirken durfte. Das war eine sehr angenehme Runde. Da mich Literatur sowieso interessiert und Neubrandenburg meine zweite Heimat geworden ist, liegt es nahe, über die Region mehr wissen zu wollen und sich hier zu engagieren.

Lassen sich Beziehungen zwischen Ihrem Beruf und dem Ehrenamt herstellen – oder suchen Sie bewusst den Kontrast?
Letzteres. Es geht mir nicht um eine Erweiterung meines Schreibtischs, sondern um Mitwirkung in der Gesellschaft. Bücher sind meine Leidenschaft, das Medium, mit dem ich am meisten umgehe – und hier noch einmal mit ganz anderen Inhalten.

Welchen Eindruck haben Sie von Ihrer neuen Aufgabe gewonnen?
Als Stadtvertreter wusste ich, dass die Stiftung in der Verantwortung der Stadt Neubrandenburg besteht. Und nach der Amtszeit von Joachim Lübbert sah ich mich auch ein wenig in der Pflicht, dieses Wirken fortzuführen. Viele andere Kuratoriumsmitglieder sind schon seit Jahren dabei – das ist für mich das Erfolgsgeheimnis für die Kontinuität. Bei allem, was wir gerade in Folge der Kreisgebietsreform erleben, etwa bei der Diskussion um Kulturpreise, ist es umso wichtiger, dass der Annalise-Wagner-Preis seinen Rang bewahrt.

Ist die Stiftung in Neubrandenburger Obhut auf Initiative einer Neustrelitzerin ein Ort ohne dieRivalität zwischen beiden Städten?
Weder damals in derJury noch jetzt seit meinem Amtsantritt war diese Rivalität ein Thema. Ich glaube, dass der neue Großkreis auch eine Chance sein kann, über solche Barrieren hinweg zu blicken. Ich sehe da ein Hauptanliegen von Annalise Wagner eingelöst, nicht zu spalten, sondern zu integrieren. Wir wollen beide Kulturstädte gleichwertig betrachten.

Bleiben dennoch Wünsche offen ans Engagement der Stadt Neustrelitz für das Erbe ihrer Ehrenbürgerin?
Da gibt es sicher Wünsche. Die Frage ist, wie man das auf die kommunalpolitische Ebene bekommt oder ob es eher von privater Initiative lebt. Wir müssen immer neu Aufmerksamkeit schüren, in beiden Städten. Im Nordkurier habe ich gelesen, dass es in Neustrelitz Bestrebungen gibt, die Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archivs fortzusetzen. Das zeigt, dass es ein Bewusstsein für das Thema gibt, auch wenn es an finanziellen Möglichkeiten fehlt.

Wie ist in dieser Hinsicht die Situation der Stiftung?
Durch die niedrigen Zinsen sinkt das Kapital mehr, als dass es wächst. Wir müssen noch aktiver werden beim Werben um Spenden.

Wie empfinden Sie das Niveau des Preises, und wie finden Sie die diesjährigen Preisträger-Arbeiten?
Die hohe Zahl der Einreichungen hat ganz sicher mit der wachsenden Bekanntheit des Preises zu tun. Er wird als Bühne empfinden, wo Literatur noch gewürdigt wird, auch kritisch gewürdigt wird. Es ist ein Preis, den man haben möchte. Das Buch über Serrahn bietet auch für mich, der ich hierlebe, absolut Wissenswertes –
Serrahn haben wir uns in den Ferienkalender geschrieben. Der Jugendpreis ist epochal, weil sich die Autorin mit einem aktuellen Phänomen beschäftigt, das Annalise Wagner noch nicht vorm geistigen Auge haben konnte.

Das Kuratorium wirdjeweils für fünf Jahre berufen. Was möchten Sie
in dieser Zeit erreichen?
Um das zu beschreiben, muss ich die Landkarte der bereits begangenen Wege noch besser kennen. Veränderungen dürfen nicht so beschaffen sein, dass ihnen der Anschluss ans Geleistete fehlt.

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