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Ein spannender Abend mit explosiven Themen

Schön anzuschauen – aber kein Thema mehr. Innerhalb des Kunstprojektes wird die Straße Blankensee-Pampow nicht mehr mit Zitaten, gesammelt in zahlreichen Bürgergesprächen, versehen. Der Gesetzgeber gestattet das nicht. [KT_CREDIT] FOTO: R. Marten
Schön anzuschauen – aber kein Thema mehr. Innerhalb des Kunstprojektes wird die Straße Blankensee-Pampow nicht mehr mit Zitaten, gesammelt in zahlreichen Bürgergesprächen, versehen. Der Gesetzgeber gestattet das nicht. [KT_CREDIT] FOTO: R. Marten

VonRita NitschundFred Lucius

Den Abend vor Herrentag vor der Glotze verbracht? Na dann haben Sie etwas verpasst! Beim
9. Leserstammtisch der Pasewalker Zeitung in Blankensee war richtig Stimmung. Interessant,
was dort alles auf
den Tisch kam.

Blankensee.Michael und Marion Struck reisten bei schönstem Wetter aus Pampow in Blankenseemit der „Schwalbe“ an. Obwohl sie beide gebürtige Hamburger sind, haben sie dort nun ihr Zuhause gefunden. „Es hat etwas gedauert, bis wir hier warm geworden sind. Aber jetzt gehören wir zur Dorfgemeinschaft“, plaudern sie. Innen, in der Gaststätte, füllen sich unterdessen die Plätze. Am Ende sitzen knapp 40 Personen im Raum, Reporter und 36 Bürger aus Berlin, Blankensee, Pampow und Freienstein.
Chefreporter Rainer Marten dankte den Bürgern, auch im Namen der Künstlerin Barbara Caveng, für das riesige Interesse an diesem Treffen und ging dann kurz auf Tendenzen in der Medienlandschaft ein. Schließlich lenkte er die Diskussion hin zu den spannenden Themen der Gemeinde.
Da ist die Diskussion über den geplanten Funkmast. Im Gespräch sind Windräder in Blankensees Gemarkung. Schließlich rückte die Sicherheit im Grenzraum ins Blickfeld, nachdem ein Landwirt, mehrmals bestohlen, vor Monaten einen Übertritt regelrecht verrammelt hat. Schließlich: Kunst im Dorf ist gut! Aber für rund 20000 Euro? Themen, die auch in der Zeitung standen. „Gerade in der Grenzregion gibt es viele sensible Themen“, sagt Bürgermeister Alfons Heimer. Da sei es wichtig, dass die Zeitung objektiv berichtet.
In Sachen Funkmast, leicht in Bedrängnis, stellt er klar: „Mit uns wird es keinen Mast in Freienstein geben. Das wird auch an diesem Standort nicht durchgeboxt. Eine Standort-Entscheidung ist noch nicht gefallen.“ Demnächst gebe es einen Termin zwischen der Gemeinde und den beteiligten Firmen. Einer der Freiensteiner, Matthias Roch, macht in der Runde auch deutlich: „Wir wollen eine Diskussion über einen Standort, der dauerhaft Bestand hat und auch in 20 Jahren noch zukunftsfähig ist“. Generell gegen einen Mast seien die Freiensteiner nicht. Und wenn es um das Thema Windkraft gehe, dann müssten erst recht alle Bürger einbezogen werden.
Wie aktiv das Dorfleben gestaltet wird, das veranschaulichten Dagmar Lesener für den Dorfclub Blankensee und Marion Seiler als Vorsitzende des Kulturvereins Pampow. Zahlreiche Veranstaltungen gibt es im ganzen Jahr –
Weihnachtsbaumverbrennen, Frauentagsfeier, Dorf- und Erntefeste oder auch die Tanzschule in Pampow. In dem Ortsteil wird am 24. August Dorffest gefeiert, das zehnte übrigens. Und wie auch sonst wird es von den Einwohnern einschließlich der Kinder und polnischer Familien gestaltet. Morgen von 10 bis 16 Uhr laden die Pampower auf dem Festplatz indes zum Flohmarkt ein. Das Sport- und Kinderfest in Blankensee schließlich findet am 20. Juli statt. Und am 31. August wird das Erntefest gefeiert. Stephan Müller ist mit Leib und Seele Feuerwehrmann. „Wir haben die jüngste Feuerwehr in der Region“, erzählt er. Doch in der Woche sei es schwierig, eine Einsatztruppe der 18 Aktiven zusammen zu bekommen. Was die Ausstattung der Wehr betreffe, da habe sich die Gemeinde immer gekümmert, lobt er.
Der Landwirt Reinhard Senckpiel machte vor Monaten Nägel mit Köpfen. Da ihm teure Landwirtschaftsmaschinen gestohlen wurden, verrammelte er den Grenzübertritt mit großen Feldsteinen. Doch er zeigt sich kompromissbereit. Für Radler soll es wieder freie Fahrt geben.
Die Künstlerin Barbara Caveng überrascht in der Stammtischrunde mit neuen Ideen. Aus verkehrstechnischen Gründen ist die Straße als Kunstobjekt nun passé. Jetzt möchte sie gemeinsam mit den Bürgern einen Gemeindeplatz am Grenzgraben mit einer begehbaren Skulptur schaffen. Auch urige Sitzgelegenheiten und einen Kunstkiosk soll es geben.
Für Günther Heise – und nicht nur für den – war der Leserstammtisch in Blankensee ein nutzbringender Abend. „Es bringt etwas, sich auszutauschen und die Argumente anderer anzuhören“, sagt der Senior.

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