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Eine Bühnen-Ehe lässt keine Wünsche offen

Flirt im Zuschauerraum – kennen und lieben gelernt haben sich Gabriele und Mario Thomann aber auf und hinter der Bühne.  FOTO: sz
Flirt im Zuschauerraum – kennen und lieben gelernt haben sich Gabriele und Mario Thomann aber auf und hinter der Bühne. FOTO: sz

VonSusanne Schulz

Gabriele und Mario Thomann gehören zu den „dienst- ältesten“ Künstlern des Neu- strelitzer Theaters. Auch bei der diesjährigen Festspiel- operette sind beide dabei.

Neustrelitz.Im Theater ist man nicht verheiratet – da wird Mario Thomann grundsätzlich. Aber natürlich lässt der Sänger nicht den Ehemann an der Pforte zurück, wenn er ins Neustrelitzer Theater kommt – ebenso wenig wie seine Frau Gabriele. Schließlich haben sie sich bei der Arbeit kennen und lieben gelernt, und obendrein gehören beide zu den „dienstältesten“Ensemblemitgliedern.
46 Jahre ist es her, dass Mario Thomann frisch von der Musikhochschule „Hanns Eisler“ ans damalige Friedrich-Wolf-Theater kam. Die Möglichkeit, zwei Jahre später nach Leipzig zu wechseln, schlug er aus. Schließlich gab es dort fünf weitere Sänger im Baritonfach. „Aber ich wollte große Rollen singen“, sagt Thomann, „und das konnte ich hier.“ Von Mozarts Papageno über die Hexe in „Hänsel und Gretel“ oder Professor Doolittle in „My Fair Lady“ bis hin zur Titelpartie in der modernen Oper „Vincent“ reichte sein Repertoire und ließ, wie der 74-Jährige heute zufrieden für sich bilanziert, keine Wünsche offen.
Ab1994 als Regieassistent und Spielleiter tätig, ging er zehn Jahre später in denRuhestand – und blieb seinem Theater mit regelmäßigen Gastverträgen erhalten: „In kleinen Rollen, die das Futter für die großen liefern!“ Auch in der Operette „Gräfin Mariza“ wird er – als Diener Tschekko – ab 21. Juni wieder auf der Bühne stehen.
Als Souffleuse und choreografische Assistentin ist auch seine Frau Gabriele dabei, die es bereits auf 40 Jahre am Neustrelitzer Theater bringt. Zunächst als Tänzerin, dann als Chorsängerin erlebte sie die Geschicke des Ensembles mit – auch als Geschichte von Verlusten, als Orchester und Ballett abgewickelt wurden und das Haus permanent ums Überleben kämpfte.
Tragen Eheleute da nicht die beruflichen Dramen mit nach Hause? Da sind sie von unterschiedlichem Naturell: „Wenn ich nach Hause komme, lasse ich das Theater hinter mir“, sagt er – und weiß, dass dies seiner Frau nicht so leicht fällt: „Wenn mich etwas beschäftigt, muss ichdrüber reden“, bekennt sie.
Abstand und Frische aber finden beide durch das Werkeln an Haus und Grundstück und vor allem durch ihre Tiere: Drei Katzen und acht Papageien fordern ihr Recht, und mit dem Labrador „scharf spazieren“ zu gehen, macht den Kopf frei, um bei der nächsten Probe wieder hochkonzentriert zu sein. Immerhin steht gerade eine Freilicht-Saison an, und bislang sind die Wetter-Umstände bescheiden schön. Aber von Kälte und Nässe lassen sich so erfahrene Bühnenleute wie Gabriele und Mario Thomann nicht schrecken – und vertrauen obendrein auf eine Erfahrung der bisherigen Festspieljahre im Schlossgarten: „Wenn Wolfgang Lachnitt inszeniert, ist das Wetter gut.“

Kontakt zur Autorin
susanne.schulz@nordkurier.de

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