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„Es geht um Lebensfreude, nicht um Perfektion“

Die korrekte Tanzhaltung hat der einstige Turniertänzer natürlich „im Blut“. Darüber hinaus will Marc Borries die Kursteilnehmer für stilvolles Verhalten im Alltag sensibilisieren.  FOTO: susanne Schulz
Die korrekte Tanzhaltung hat der einstige Turniertänzer natürlich „im Blut“. Darüber hinaus will Marc Borries die Kursteilnehmer für stilvolles Verhalten im Alltag sensibilisieren. FOTO: susanne Schulz

Neustrelitz. Wie leicht es
sein kann zu tanzen, will Marc Borries, im Hauptberuf als psychologischer Berater tätig, mit seinem am Diens- tag beginnenden Kurs „Tanz und Stil“ vermitteln. Aus Eggesin stammend, betrieb er vom 9. Lebensjahr an Turniertanz, studierte Philo- sophie, Germanistik und Erwachsenpädagogik, grün- dete 2011 eine eigene Bera- tungsagentur und lebt mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Neustrelitz. Su- sanne Schulz kam mit dem 34-Jährigen ins Gespräch.

Ihr Kurs kommt punktgenau: Gerade läuft „Let’s Dance“ im Fernsehen…
Ach so? Das wusste ich alsteilweiser Medienverweigerer gar nicht. Der Zeitpunkt ist eher Zufall: Ich hatte das Gefühl, dass es passt – also muss ich’s machen. So ging es mir schon einige Male im Leben, dass ich einem Gefühl folgte und es sich im Nachhinein als richtig erwies.

Haben Sie sich zuvor einen Eindruck über vergleichbare Angebote verschafft?
Hätte ich gewusst, was es schon alles gibt, hätte ich vielleicht die Finger davon gelassen. Als ich meine Idee imStudio LaFit vorstellte, beschrieb mir Inhaber Andree Lawrenz Neustrelitz als Tänzerstadt. Aber die Zahl der Anmeldungen bestätigt mir doch, dass die Nachfrage noch nicht erschöpft ist.

An was für ein Publikum wenden Sie sich?
An Menschen, die sich wie ich für Tanz, Stil und Etikette interessieren. Ich habe festgestellt, dass ich hier noch wenig Leute kenne. Ein Ort, wo Menschen einander kennen lernen, ist seit je her der Tanzkurs – auch als Ort, wo Jungs zum ersten Mal lernen, wie man auf eine Frau zugeht.

Kamen Sie selbst auf diese Weise zum Tanzen?
Das war nicht einfach, ehrlich gesagt: als Junge in einer Militärgegend! Damit angefangen habe ich, weil mich Breakdance und Freestyle interessierten. Das wurde da nicht unterrichtet, aber meine Eltern – ich komme aus einer Tänzerfamilie – blieben dran: Mach weiter, das kommt schon noch. Und schließlich bestärkten mich die Erfolge im Turniertanz.
Als Turniertänzer auf Perfektion trainierend, begleiten Sie als Tanzlehrer Menschen bei den ersten Schritten. Welches Umdenken erfordert diese Rolle?
Turniertanz habe ich nie vorrangig um der Perfektion willen betrieben. Ich war immer gut, wenn ich die Musik mochte, wenn ich, was mir gefiel, durch Bewegung interpretieren konnte. So finde ich auch Zugang zu Tänzern: Ich möchte sie dazu bringen, gut zu werden, sich zu entwickeln, beim Tanzen und im Umgang miteinander.

Welche Erwartungen äußern die Kursteilnehmer?
Mein Eindruck ist: Viel mehr Menschen, vor allem Frauen würden gern tanzen. Manchen fehlt ein Partner, bei anderen hat der Partner keine Lust. Aber es hat viel mit Lebensfreude zu tun, zusammen zu tanzen, Neues miteinander zu lernen: Das kann eineBeziehung sehr beleben. Die Leute reagieren natürlich auch auf die Weise, wie meine Internetseite gestaltet ist. Teils erreichen mich Fragen nach den richtigen Schuhen oder dem Dresscode.

Und, gibt’s einen?
Nicht im Sinne einer bestimmten Erwartung. Aber indem zum Beispiel Männer mit Hemd und dunkler Hose erscheinen, gestalten sie die Atmosphäre mit.

Apropos: Sie üben in einem Fitnessstudio. Wie erleben Sie die Atmosphäre?
Zugegeben, als mir das LaFit empfohlen wurde, habe ich erst mal überlegt, ob so etwas passt. Aber als ich den Saal sah, mit den Spiegeln und dem Licht, fand ich ihn viel ansprechender als viele andere Orte – erst recht, wenn die Musik beginnt!

Ihre Kurs steht unter dem Motto „Tanz und Stil“. Zwischen Stilikonen à la Frauenzeitschrift und der Vorstellung von elegantem Äußeren: Was ist für Sie Stil?
Ich verstehe Stil und Umgangsformen nicht als Regeln zur Abgrenzung, sondern als Ausdruck von Lebensfreude und Hinwendung. Ich meine damit, sich Zeit zunehmen für Dinge, die Freude machen, ausgedrückt in Sprache, Kleidung oder eben Tanz. Es geht entgegen vielem, was wir täglich erleben, nicht nur ums eigene Vorankommen, sondern um Harmonie mit seiner Umgebung und sensible Wahrnehmung für andere.

Wie lässt sich das alles in einem Kurs von zehnmal einer Stunde vermitteln?
Der Kurs ist nur ein Anfang, aus dem mehr Angebote entstehen können. Es geht auch nicht darum, viele Tänze zu können, sondern sich so gut zu fühlen, dass man Lust hat, tanzen zu gehen.

Sehen Sie dazu in Neustrelitz genügend Gelegenheit?
Nein. Auch die würde ich gern schaffen. Wenn der Wunsch da ist, wird es auch möglich sein, etwas zu organisieren – es müssen nur genügend Leute wollen.
www.tanzundstil.de

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