„Faszinierend, wie sich alles in einem Lebensstil vereint“
Karoline Buchner [RS_CREDIT] FOTO: privat
Neustrelitz.Auf einer Studien- reise in den USA ist seit sechs Monaten die 22-jährige Karoline Buchner aus Neustrelitz. Zu- nächst wohnte sie in San Francisco, dann reiste sie umher und nun verbringt sie die letzten Wochen in Berkeley, einer Stadt nordöstlich von San Francisco. Rebekka Thiedig hatte Gelegenheit zu einigen Fragen.
Wie kam es zu der Studienreise?Ich habe in der Thammavong Schule in Neustrelitz meine Ausbildung zur Gesundheits- beraterin der Chinesischen Medizin beendet. Es war für mich klar, dass ich als freie Mitarbeiterin in der Thammavong Schule arbeiten würde. Vorher wollte ich mir aber eine Weile Zeit nehmen, um sowohl fachlich mehr Erfahrungen zu sammeln, als auch neue Eindrücke zu gewinnen und meinen Horizont zu erweitern.
Was muss man sich unter einem Gesundheitsberater der Chinesischen Medizin vorstellen? Wie wird sich Ihr Arbeitsalltag in Deutschland gestalten? Gesundheitsberater, so wie an der Thammavong Schule, bedeutet, dass wir im Gegensatz zu einem Arzt oder Heilpraktiker unsere Klienten nicht „behandeln“, sondern sie unterrichten. Unser Anspruch ist es, den Leuten Grundlagen der gesunden Lebensweise zu vermitteln und individuelle Möglichkeiten zur Regulation einer speziellen Gesundheitsproblematik zu ermitteln und gemeinsam mit dem Klienten umzusetzen. Das ideale Ergebnis ist größere Eigenverantwortlichkeit und Kompetenz im Umgang mit der eigenen Gesundheit. Meine Arbeit wird aus wöchentlichen Qigong-Kursen, Gesundheitsberatungen und Vorträgen zu den Themen der Chinesischen Medizin bestehen.
Was machen Sie in den USA? Ich habe hier verschiedene Sachen gemacht. In den ersten zwei Monaten habe ich für eine Qigong-Lehrerin in San Francisco ehrenamtlich gearbeitet und dafür auch selbst Unterricht bekommen. Ich habe zum Beispiel Qigong-Kurse an der University of California San Francisco gegeben. Dann bin ich für einen Monat umhergereist, unter anderem um bei einem Seminar in Minneapolis zu assistieren. Jetzt gerade, seit ich von der Rundreise zurück bin, wohne ich in Berkeley und studiere unter anderem chinesische Kräuter mit Anastacia White, einer Akupunkteurin und Kräutertherapeutin, Tai Chi mit Dr. Alex Feng und besuche verschiedene Kurse zum Thema Daoismus bei Liu Ming. Dazwischen habe ich viel zu tun mit Hausaufgaben und Vorbereitungen für meine Arbeit in Deutschland.
Haben Sie die Reise alleine geplant oder hatten sie Hilfe, um Kontakte herzustellen? Ich habe die Reise alleine geplant. Genauer gesagt hatte ich eigentlich überhaupt keinen Anlaufpunkt zu Beginn, alles hat sich im Laufe der Reise ergeben.
Woher kommt Ihr Interesse an der chinesischen Kultur? Ich habe mich schon immer für unterschiedliche philosophische Richtungen interessiert, Daoismus und Buddhismus zum Beispiel sind schon seit langer Zeit Themen, die mich fasziniert haben. In meiner Abiturzeit habe ich angefangen, in der Thammavong Schule zu trainieren. So kam eins zum anderen, ich habe mich mehr mit Daoismus und Chinesischer Medizin beschäftigt und begann schließlich meine Ausbildung dort. So wurde auch mein Interesse an der Chinesischen Kultur bis heute immer mehr ausgebaut.
Was fasziniert Sie daran? Die Chinesische Medizin entstammt zwar der chinesischenKultur, ist aber nicht zwangsläufig an sie gebunden. Mich interessiert vor allem dieindividuelle und selbstverantwortliche Herangehensweise an den Umgang mit der eigenen Gesundheit. Gleichzeitig finde ich es faszinierend, wie alle diese Bereiche, die hier im Westen oft getrennt voneinander wahrgenommen werden, wie zum Beispiel Ernährung, Bewegung, Übungen, Emotionen, Kräuter, Feng Shui, Kampfkunst und so weiter, sich in einem Lebensstil vereinen, sich gegenseitig ergänzen und gemeinsam die Grundlage für die Regulierung von gesundheitlichen Problemen bilden. Trotzdem interessiert mich auch die chinesische Kultur insgesamt, da sie mit ihrem Schatz an philosophischer Tradition die Chinesische Medizin geformt hat.