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Goldenes Buch aus Staub befreit

VonTobias Lemke

Die Belebung der Geschichte um Königin Militza hat für die Mirower einen weiteren positiven Nebeneffekt. Ein Buch, von dessen Existenz keiner mehr wusste, ist wieder aufgetaucht.

Mirow.„Nanu! Was liegt denn dort im Keller?“ Solch ein ähnlicher Gedanke wird der Amtsleiterin der Mecklenburgischen Kleinseenplatte Karola Kahl durch den Kopf geschossen sein, als sie kürzlich einen dicken Ledereinband im Archiv fand. „Ehrenbuch Rat der Stadt Mirow“ steht in goldenen Lettern darauf. Seit diesem Fund hat die Stadt Mirow nun wieder ein Goldenes Buch, in das sich Ehrengäste eintragen dürfen.
Das Kuriose: Montenegros Botschafterin Vera Jolicic-Kuliš war bei ihrem Besuch in dieser Woche auf der Mirower Schlossinsel der erste Gast, der sich darin verewigte. Dabei existiert das Buch bereits seit mehr als 20 Jahren. Nur war es schnell wieder in Vergessenheit geraten. Grund dafür könnte der damalige Anlass zur Beschaffung des Ehrenbuches sein. Denn aufgesetzt wurde es 1989 zum 40. Jahrestag der DDR. Heute geht man in Mirow mit der Historie unverfänglicher um. „Es ist nun mal ein Teil der Stadtgeschichte“, sagt Karola Kahl.
Auch Mirows Bürgermeister Karlo Schmettau (FDP) kann gut mit dem wiederentdeckten Goldenen Buch leben. Er hatte vor dem Besuch der montenegrinischen Botschafterin nach dem Erwerb eines Gästebuchs für die Stadt im Amt angefragt. Eine Nachfrage bei einer älteren ehemaligen Mitarbeiterin des Amtes hatte ergeben, dass solch ein Buch bereits existieren soll.Schließlich haben die Nachforschungen im Archiv das Goldenes Buch dann wieder ans Licht befördert.Warum der Lederband viele Jahre in Vergessenheit geriet und so lange verschollen war, kann so recht keiner erklären. Immerhin hätte sich schon so mancher prominente Gast eintragen können, denkt man an die Festveranstaltung zum 250. Krönungsjubiläum von Sophie Charlotte vor zwei Jahren, an die Partnerschaft mit der US-amerikanischen Stadt Charlotte oder an prominent besetzte Jurys zum Festival der Künste.
Die Ehre des ersten Eintrags hatte nun Vera Jolicic-Kulišals Repräsentantin ihres kleinen Landes. Die Botschafterin war auf Einladung des Inselvereins nach Mecklenburg gekommen, um mit den Mirowern über die montenegrinische Königin Militza aus dem Hause Mecklenburg-Strelitz ins Gespräch zu kommen (der Nordkurier berichtete). Dass mit der Erinnerung an die Adlige nun zugleich die Tradition eines Goldenen Buches in der Stadt auflebt, sei ein positiver Nebeneffekt des Besuchs, heißt es aus Mirow.

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t.lemke@nordkurier.de

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