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Hammerschläge für die Kunst

Joachim und Heide-Marlis Lautenschläger sorgten für eine kurzweilige Veranstaltung in der Alten Kachelofenfabrik.[KT_CREDIT] FOTO: lembke
Joachim und Heide-Marlis Lautenschläger sorgten für eine kurzweilige Veranstaltung in der Alten Kachelofenfabrik.[KT_CREDIT] FOTO: lembke

VonSandra Lembke

In der Alten Kachelofenfabrik in Neustrelitz ist der Grundstock für eine Stiftung gelegt worden.

Neustrelitz.Der Mann mit dem Hammer ließ diesmal auf sich warten. Gut ein Dutzend Interessierter hatte sich am Samstagnachmittag in der Galerie der Alten Kachelofenfabrik zu einer Kunstauktion eingefunden, doch kurz vor 17 Uhr fehlte von Auktionator Joachim Lautenschläger noch immer jede Spur. Versuche, den Zachower Künstler telefonisch zu erreichen, blieben erfolglos. Also bewies Gattin Heide-Marlis Lautenschläger Improvisationstalent und übernahm mit tatkräftiger Hilfe einer Freundin kurzerhand den Posten des Auktionators.
Zwar ließ sich auf die Schnelle kein Hämmerchen auftreiben, aber ein breiter Holzstab tat es für das Erste auch. Schließlich galt es, 26 Werke von Künstlern und Künstlerinnen aus dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte an den Mann oder die Frau zu bringen. Die Erlöse aus der Auktion und aus der bereits am Mittwoch eröffneten Verkaufsausstellung sollen als Anschubfinanzierung für die Bewahrung von Künstlernachlässen dienen.
„Das Problem der Nachlässe ist landesweit nicht geklärt“, erläuterte Heide-Marlis Lautenschläger vor der Auktion. Nach dem Tod eines Künstlers stünden die Erben mit dem Lebenswerk oft hilflos da und könnten die Bilder, Grafiken, Plastiken oder persönlichen Dokumente nicht fachgerecht lagern beziehungsweise wissenschaftlich aufarbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Eine Initiative hat es sich daher auf die Fahnen geschrieben, das Lebenswerk ausgewählter Künstler der Region zu bewahren. Die überlassenen Werke und Dokumente sollen in einem Fundus gesammelt und unter dem Dach einer Kulturstiftung gesichert werden.

Freude über
so manches Schnäppchen
Da Heide-Marlis Lautenschlägers Idee, die nach eigenen Angaben im Jahr 2011 bei einem Projekt zum Thema Kultur und Kreativwirtschaft Gestalt annahm, auch bei Berufskollegen großen Anklang fand, stellten 14 Künstler aus der Region einige ihrer Werke für die Verkaufsausstellung und die Auktion zur Verfügung. Die Preise für die Arbeiten bewegten sich dabei merklich unter denen, die sonst in einer Galerie verlangt werden. Die anwesenden Kunstfreunde konnten sich daher bei der Auktion über manches Schnäppchen freuen. Viele Sammler hatten schon im Rahmen der zuvor eröffneten Verkaufsausstellung zugegriffen, so dass bereits im Vorfeld der Auktion eine größere Summe für die Initiative zusammengetragen werden konnte.
Etwa 20 Minuten nach Beginn der Auktion erschien dann endlich der Mann mit dem Hammer. Der sichtlich verdutzte Joachim Lautenschläger hatte sich in der Uhrzeit geirrt und noch einige Utensilien für die Auktion besorgt. Doch der Künstler sprang – ganz Profi – sogleich ins kalte Wasser und stellte sich vor die Kunstfreunde, um ihnen die gelisteten Werke mit vielen Hintergrundinformationen und einer Prise Charme gespickt schmackhaft zu machen. So konnte der Auktionator das eine oder andere Mal sein Hämmerchen „Zum ersten! Zum zweiten! Zum Dritten!“ schwingen und einem der Bieter den erhofften Zuschlag erteilen. Andere Kunstwerke gingen an diesem Tag in den „Hoffnungslauf“. Die Interessenten wollten ihre Kaufbewerbung noch überdenken. Um die 3000 Euro Einnahmen stehen einstweilen zu Buche.

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red-neustrelitz@nordkurier.de

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