Februar 20, 2012
Drucken 
Unfälle von Redaktion

Im Rausch das Feuerwehrauto zerlegt

Das schrottreife Feuerwehrauto ist inzwischen geborgen worden. Der stellvertretende Wehrleiter Manfred Neumann (links) und Kfz-Spezialist Ulrich Kleemannn besahen sich gestern noch einmal den Schaden. [RS_CREDIT] FOTO: marlies steffen
Das schrottreife Feuerwehrauto ist inzwischen geborgen worden. Der stellvertretende Wehrleiter Manfred Neumann (links) und Kfz-Spezialist Ulrich Kleemannn besahen sich gestern noch einmal den Schaden. [RS_CREDIT] FOTO: marlies steffen
Von unserem Redaktionsmitglied
Marlies Steffen

Einbruch, Diebstahl, Fahren unter Alkohol und ohne Führerschein hatten in Wokuhl-Dabelow schwerwiegende Folgen. Ein 17-Jähriger wird sein Tun zu verantworten haben. Vor Ort stand man gestern vor einem Scherbenhaufen

Wokuhl-Dabelow.Die Freiwillige Feuerwehr von Wokuhl-Dabelow ist über Nacht in Existenznot geraten. Ihr Fahrzeug erlitt Totalschaden. Dies nicht etwa bei einem Einsatz. Es kam viel schlimmer. Ein 17jähriges Mitglied der Feuerwehr hat sich im Rausch des Fahrzeugs bemächtigt. Auf seiner nächtlichen Wahnsinnstour verlor er zwischen Comthurey und Dabelow wohl die Gewalt über das Auto. Er geriet auf die gegenüberliegende Fahrbahn, überfuhr einen Böschungshang, nietete an einem Waldstück mehrere Bäume um, überschlug sich mit dem Auto und kam schließlich zum Stehen. Splitterreste vom Blaulicht kündeten auch gestern noch von dem Unglück mit dem Wagen, mit dem eigentlich das Leben, sowie Hab und Gut gerettet werden sollen.
Inzwischen stehen die schrottreifen Überreste der Feuerwehr auf dem Hof von Ulrich Kleemann. Der Fahrzeugspezialist hatte das Auto abgeschleppt. Die Polizei spricht von einem Sachschaden von rund 80 000 Euro. Das Auto war neun Jahre alt, hatte rund 11500 Kilometer auf dem Tacho.
Die Straftat sprach sich in Wokuhl in Windeseile herum. Selbst ein kleines Mädchen beim Spaziergang im Dorf erzählte gestern „Die Feuerwehr ist kaputt“.
Die Wokuhler Feuerwehrleute hat die Tat tief getroffen. Manfred Neumann, stellvertretender Wehrleiter und Feuerwehrmann mit Leib und Seele, ist fassungslos: „Der Junge galt im Dorf als schwierig, wir wollten ihm eine Chance geben“, sagt er und teilt seine Enttäuschung mit den anderen aus der Wehr, die gestern die Überreste aus dem Inneren des verunfallten Wagens zusammentrugen.
Wie das Handeln des Jungen beurteilt wird, müsse ein Gericht entscheiden, sagen die Männer. Ob und wie lange er noch in ihren Wehrreihen bleiben wird, darüber werden sie sich wohl recht schnell ein Urteil bilden.
Paradoxerweise hatte am Freitagabend, wenige Stunden vor der Tat, noch die Jahreshauptversammlung der Wehr stattgefunden. Da saß der „Kamikaze-Fahrer von später“ noch selbst mit am Tisch.
„An Einsätzen im vergangenen Jahr hatten wir einen Brand und zwei Hilfeleistungen“, resümiert Manfred Neumann. Das klingt nicht viel. Indessen ist der vergangene Sommer bekanntlich sehr feucht gewesen. Es gab auch schon andere Jahre und jeder, der die Gegend kennt, weiß, dass es dort wegen der Munitionsbelastung in trockenen Sommern immer wieder zu Waldbränden kommt. Hinzu kommt, dass die Wehr für eine große Fläche verantwortlich ist, seitdem auch der Godendorfer Bereich übernommen wurde.
Angesichts einer nach wie vor schwierigen Mitgliedersituation sind die Feuerwehrleute – übrigens nicht nur in Wokuhl-Dabelow – eigentlich froh über jeden jungen Menschen, der sich bei ihnen meldet. Ganze fünf junge Leute zählt beispielsweise die Wokuhler Wehr mit ihren insgesamt 14 aktiven Mitgliedern.
Der 17Jährige ist nach Nordkurier-Informationen übrigens nicht mit einem Schlüssel für das Wehrgebäude ausgestattet gewesen.„Bei uns bekommt schon lange nicht mehr jeder einen Schlüssel“, bekräftigt Manfred Neumann.
Offenbar ist der junge Mann durch ein Klofenster eingestiegen. Das fanden die Wokuhler am Sonnabend als zerbrochen vor. Danach muss er sich des Fahrzeugs bemächtigt haben, obwohl er keinen Führerschein hat und getrunken hatte. Der Alkoholtest nach dem Unfall ergab 1,3 Promille. Nach dem Unfall, den er unverletzt überstanden hat, soll der Wokuhler noch versucht haben zu flüchten. Indessen wurde das durch Augenzeugen verhindert, die die Polizei verständigten, hieß es.
Die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr Wokuhl-Dabelow dürfte zumindest für die nächsten Wochen ohne Hilfe anderer alles andere als rosig sein. Arnold Krüger, Leitender Verwaltungsbeamter im Amt Neustrelitz-Land, sagte dem Nordkurier am Wochenende, dass man sich um Ersatz bemühe. So soll das Fahrzeug, das in Dabelow steht, wieder fit gemacht werden. Die Wokuhler Feuerwehrleute bezweifeln allerdings, dass das Dabelower Auto kompatibel mit ihrem jetzigen Anhänger ist, in dem sich wichtige Einsatztechnik befindet. Wenn es gar nicht anders geht, muss die Wehr still gelegt werden. Das will indessen in Wokuhl-Dabelow keiner. Die Dörfler haben ohnehin für dieses Jahr noch großes vor. Der Ausscheid der Amtsfeuerwehren soll bei ihnen ausgetragen sein. „Er wird auch bei uns stattfinden“, ist sich Wehrleiter Manfred Schade sicher. Ob die Wokuhler aber eine Mannschaft stellen können, das weiß jetzt noch keiner.
Bookmark and Share
Nachrichten aus
Kontakt

Strelitzer Zeitung

Strelitzer Straße 2-4
17235 Neustrelitz
Telefon: 0180 3 2883-03
Fax: 03981 2883-28
E-Mail: red-neustrelitz@nordkurier.de

Anzeige
"Der Bettelstudent" im Schlossgarten Neustrelitz
Premiere: 22. Juni 2012
Tag des Nordkuriers: 30. Juni 2012
www.festspiele-im-schlossgarten.de