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Jobcenter: Großoption erscheint eine Nummer zu groß

VonAndré Gross
undGeorg Wagner

Auch wenn dem Votum des Kreistages nicht vorzu-
greifen ist, die Zeichen stehen auf Ende des Strelitzer Alleingangs.

Neustrelitz.Zwei Umstände waren es, die in Sachen Optionsmodell bei der Betreuung Langzeitarbeitsloser für ein Umdenken in der Kreisverwaltung geführt haben. Zum einen ist die Bundesagentur für Arbeit laut Sozialdezernentin Ingrid Sievers auf Landrat Heiko Kärger (beide CDU) zugegangen. Neben dem Angebot, alle Mitarbeiter des Strelitzer Jobcenters zu übernehmen, gibt es auch die Zusicherung, im künftigen Miteinander dem Landkreis wieder mehr Spielraum als in der Vergangenheit einzuräumen. Von Arbeit auf Augenhöhe ist die Rede. Mehr noch, Bewährtes aus der Zeit des kommunalen Alleingangs soll übernommen und fortgeführt werden.
Am Sitz der Agentur in Nürnberg wehe diesbezüglich ein neuer Wind. In der Vergangenheit hatte die starre Agenturpolitik immer wieder für Konfliktstoff beim kommunalen Partner gesorgt. Zum anderen, so Sievers, sind viele Blütenträume im Zusammenhang mit der Kreisgebietsreform noch nicht gereift. „Beim derzeitigen Stand wäre es einfach eine Nummer zu groß, jetzt die Jobcenter in Waren, Demmin und Neubrandenburg umzustellen und damit das Optionsmodell auf den Großkreis auszudehnen. Das ist nicht zu stemmen.“
Nach langem Ringen um eine Entscheidung gehe die Verwaltung nun mit der Vorlage in die Kreistagssitzung am 3. Juni, zum 1. Januar kommenden Jahres im Jobcenter Strelitz zur Kooperation mit der Agentur zurückzukehren (der Nordkurier berichtete). „Ich hätte uns gern in die große Option im Landkreis geführt, es wäre das Beste für die Betreuung der Langzeitarbeitslosen“, betonte Sievers unter Verweis auf ein erfolgreiches Strelitzer Solo. Das hiesige Jobcenter habe bundesweit im oberen Drittel der Optionskommunen rangiert und bewiesen, „dass Kommune kann, und effektiv kann“. Nun bereite sich die Dezernentin darauf vor, kritische Begleiterin der gemeinsamen Einrichtung zu sein.
Sievers betonte allerdings, dass die Verwaltung der Entscheidung des Kreistages nicht vorgreifen könne und wolle, auch wenn sie den Ausstieg aus der Option empfehle. Lehnen die Volksvertreter die Vorlage ab, wird unverzüglich das Optionsmodell im Großkreis umgesetzt. Das Nebeneinander beider Betreuungsformen in einem Landkreis, die „Zebra-Variante“, wurde von der Landesregierung nur befristet toleriert. Eines sei aber bereits sicher: Unabhängig von der Trägerschaft wird das Neustrelitzer Jobcenter weiter am Standort des Landratsamtes in der Woldegker Chaussee residieren.
Inzwischen gibt es erste Reaktionen aus dem parlamentarischen Raum auf den Kurswechsel der Verwaltung. So stellt sich der Haushalts- und Finanzausschuss einstimmig hinter die Vorlage. „Eine weise Entscheidung“, so der Bündnisgrüne Joachim Stein in der Sitzung. „Das ist nur zu begrüßen“, kommentierte die Linke Elke-Annette Schmidt.
Nach Aussage von SPD-Fraktionschef Michael Löffler sehen auch die Sozialdemokraten im Kreistag den Ausstieg aus der Option positiv, obwohl das kommunale Jobcenter gute Arbeit geleistet habe. „Wir wollen allerdings, dass in der künftigen Trägerversammlung der Landkreis den Vorsitz hat.“

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