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Köpfchen siegt über Muckis

Jetzt wird’s aber auch Zeit, dass es losgeht. Susanne Groß ist die innere Unruhe anzumerken. Sie rutscht hin und her auf der Bank in der Neustrelitzer Theater-Kantine. Und es sprudelt aus ihr heraus, wenn sie über ihre aktuelle Hauptrolle spricht. Die 31-Jährige spielt Wickie, den klugen Jungen des berühmten Wikinger-Anführers Halvar aus Flake.

Als sie vor etwa einem halben Jahr den Anruf aus Neustrelitz bekommen hat, habe sie gar nicht lange gegrübelt, ob es denn funktioniere, dass sie als Frau einen kleinen Jungen spielt. „Ich kann es spielen“, sagt sie selbstbewusst. Ohnehin sei es bei Wickie immer wieder ein Thema, ob es sich nun um einen Wikinger-Jungen oder aber ein Mädchen handle.

Wenn der Vorhang fällt, legt sie los

Bis zur Premiere am Sonnabend wird die Unruhe in Susanne Groß weiter zunehmen. „Vor allem die Lieder, die kriege ich einfach nicht aus dem Kopf raus. Da habe ich auch schon mal eine schlaflose Nacht“, sagt sie. Eine Minute vor dem ersten Vorhang ergreife sie dann schon mal das Gefühl, dass sie alles vergessen habe. Doch wenn der Vorhang fällt, legt sie los.

Sehr gewissenhaft hat sie sich vorbereitet auf die Inszenierung: Als Kind der DDR habe sie erst spät, nach der Wende, Bekanntschaft mit dem findigen, blonden Knirps schließen können – als Trickfilm-Figur. Für ihre Rolle hat sie sich noch einmal alle verfügbaren Filme angesehen, aber auch das Original von Runer Jonsson gelesen. „Das Buch kann ich nur empfehlen.“ Und: Sie hat sich viel mit Kindern über Wickie unterhalten. Das Faszinierende an dem Wikingerjungen: „Köpfchen gewinnt über Muckis. Damit können sich Kinder identifizieren.“

Singen, tanzen, spielen – das strengt an

Für die Rolle hat Susanne Groß einige zusätzliche Trainingseinheiten absolviert. Schließlich fordert das Musical„Mein Freund Wickie“aus der Feder von Josef Göhlen und Christian Bruhn die ganze Schauspielerin: „Ich muss gleichzeitig singen, tanzen, spielen. Das kann ganz schön anstrengend sein“, sagt Susanne Groß und die Vorfreude auf den Sonnabend ist ihr anzumerken. Ihre wunderschönen blauen Augen strahlen noch heller.

Sie spiele einfach sehr gerne für Kinder, auch wenn Wickie – wie jedes gute Kinderstück – natürlich Jung und Alt anspreche. „Musical für Kinder machen aber besonders viel Spaß. Für sie ist Musik extrem wichtig“, sagt die junge Frau. „Kinder sind einfach das beste Publikum. Sie reagieren immer direkt.“ Deshalb müsse sie als Schauspielerin auch die ganze Zeit mit ihnen kommunizieren. „Wir spielen über die Rampe hinweg, nach außen. Immer im Kontakt mit dem Publikum.“

"Das Stück wird richtig gut ankommen"

Sie freut sich aber nicht nur auf die Kindern, sondern überhaupt auf das Landestheater. „Ich liebe Neustrelitz, ich liebe die Bühne hier“, sagt Susanne Groß, die zuletzt in einer Dreifach-Rolle als Prinzessin, Rotkäppchen und Rapunzel in „Des Kaisers neue Kleider“ sowie als Anne in „Peterchens Mondfahrt“am Landestheater zu erleben war.

Bis 2011 gehörte sie zum Ensemble des Hauses, seitdem arbeitet sie als freiberufliche Schauspielerin. Aber weitere Engagements in Neustrelitz seien schon gebucht: Für „Der Raub der Sabinerinnen“ sei sie vorgesehen, zudem werde „Peterchens Mondfahrt“ Ende des Jahres wieder aufgenommen. Doch jetzt kommt erst mal Wickie. Das Stück „wird richtig gut ankommen“,ist Susanne Groß überzeugt. Bei Kinderstücken ist es üblich, dass während der letzten Proben eine Patenklasse dabei ist. „Die Mädchen und Jungs sind wunderbar mitgegangen.“

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