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Kulturstreit: Politiker machen Rolle rückwärts

VonAndré Gross

Nach heftigem Gegenwind wird sich der zuständige Fachausschuss des Kreistages nun erneut mit dem Thema Auszeichnungen beschäftigen.

Seenplatte.Mit einer Rolle rückwärts ist Landrat Heiko Kärger (CDU) am Montag im Kreistag aufgetreten. In seinem wegen der langen Tagesordnung stark gerafften Bericht hielt er es dennoch für nötig, sich zur Vorlage „Ehrungen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte“ zu äußern. Künftig soll es nur noch einen Kulturpreis und einen Jugendkulturpreis geben (Nordkurier berichtete).
„Mit dieser Entscheidung würden wir in Traditionen eingreifen, historische Persönlichkeiten eventuell sogar herabsetzen“, so der Verwaltungschef unter Bezug auf Daniel Sanders und Heinrich Schliemann, deren Namen mit Würdigungen in den Altkreisen Mecklenburg-Strelitz und Müritz verbunden sind. „Wir müssen diese Ehrungen weiterführen. Unser Landkreis ist groß genug für mehrere Auszeichnungen“, sagte der Landrat, nachdem er intensiver über das Problem nachgedacht habe.
Der Kreisverwaltung war aus dem Strelitzer Land und von der Müritz Empörung entgegengeschlagen. Den letzten Ausschlag hatte möglicherweise ein offener Brief des Neustrelitzer Kulturrates gegeben. Das Schreiben hatte Kärger wenige Tage vor der Kreistagssitzung auf dem Tisch. Zu der mit Spannung erwarteten Debatte im Kreisparlament kam es nicht.
Die zweite Rolle rückwärts führte der Vorsitzende des Kulturausschusses, Michael Körner (SPD), vor. Das Gremium hatte sich einstimmig für einen einheitlichen Kulturpreis ausgesprochen, nun auch hier offenbar ein Umdenken. Körner bat den Kreistag, wegen der „neuen Aspekte“ das Prozedere erneut an den Kulturausschuss zu geben. Zugleich behauptete der Neustrelitzer, sein Ausschuss und er hätten nie ein Ende der Altauszeichnungen gewollt, sondern seien davon ausgegangen, dass die „Regionen“ sie weiterführen. Wen er damit meinte, nachdem die Altkreise nicht mehr existieren, blieb offen. Körner kritisierte, dass der Brief der Strelitzer Kulturschaffenden nicht allen Abgeordneten als Tischvorlage zugänglich gemacht worden ist. Der Kreistag folgte dem Vorschlag des Ausschussvorsitzenden und verwies das Streitthema zu neuer Meinungsfindung zurück in das Fachgremium.

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