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Mit bloßen Händen Granit versetzt

VonSusanne Böhm

An einem einzigen Tag bauen Mitglieder des Feldberger Sportvereins
und Mitarbeiter des Baugeschäftes Riedel eine Treppe zum Reiherberg, reparieren eine Mauer, setzen Regenabläufe
und beseitigen ein morsches Geländer. Sie lösen
ein Problem, das zunächst unlösbar schien.

Feldberg.„Wir zieh’n das hier heute durch“, sagteWerner Zimmermann gestern Vormittag und wischte sich den Schweiß von der Stirn. An einem einzigen Tag wollten er und acht weitere Mitglieder des Feldberger Sportvereins eine Treppe zum Reiherberg bauen – aus schweren Granitblöcken, an einem steilen Abhang, zwischen Dornenranken, mit bloßer Muskelkraft. Das ist ihnen gelungen.
Bagger, Kran oder andere Technik konnte in dem unwegsamen Gelände nicht eingesetzt werden. Es war eine Schufterei, aber die Männer kamen zügig voran. AmNachmittag hatten sie 14Stufen gesetzt, das morsche Holzgeländer vom Wegesrand demontiert und Regenabläufe gebaut. Zeitgleich reparierten Mitarbeiter des Feldberger Baugeschäftes Thomas Riedel die bröckelnde Feldsteinmauer am Aussichtspunkt. Erschöpft, aber froh meldete Werner Zimmermann am Abend Vollzug. „Wir sind durch, alles fertig.“

Wichtiges Ausflugsziel
vor dem Verfall gerettet
Die Mitglieder des Sportvereins arbeiteten ehrenamtlich, die Baufirma sponserte ihre Arbeitsleistung. Unkompliziert lösten sie ein Problem, das lange unlösbar schien. Denn weder dasForstamt Lüttenhagen noch die Gemeinde Feldberger Seenlandschaft haben Geld oder Personal für die aufwendige Instandsetzung (der Nordkurier berichtete). Eines der wichtigsten Ausflugsziele der Seenlandschaft drohte zu verfallen. Das aber kam für die Sportler und den Bauunternehmer nicht in Frage. Pünktlich zum Herrentag, an dem viele Einheimische und Urlauber in Feldberg unterwegs sind, ist der Reiherberg wieder gut begehbar.
Brigitta Richter, Leiterin der Feldberger Kurverwaltung, ist begeistert vom Einsatz der Freiwilligen. „DerReiherberg ist einer unserer bedeutendsten touristischen Punkte, weil man von dort aus diesen Postkartenblick hat. Fast alle Urlauber gehen mindestens einmal auf den Berg.“ In letzter Zeit habe sie vielen Touristen jedoch abraten müssen, den direkten Aufstieg vom Haussee zuwählen, sondern sie auf einen weniger idyllischen Umweg geschickt. Nun könne sie den Weg wieder ruhigen Gewissens empfehlen. Urlauberin Doris Grützmacher aus Potsdam wurde durch Zufall Zeugin des Arbeitseinsatzes und fand das „toll“. „Ich finde es super, dass es hier noch solcheLeute gibt. Es wird alles sehr schön und ordentlich.“ Reiner Stöhring, Stellvertretender Bürgermeister, ist „überwältigt über so viel Engagement und organisatorisches Geschick“. „Wir sind froh, dass alles einen so glücklichen Verlauf nimmt und bedanken uns ganz, ganz herzlich beim Sportverein und der Firma Riedel.“ Er hoffe, dass die Aktion anderen Einheimischen „als Anregung dient“. Es gebe in der Gemeinde viele Orte, bei denen Not am Mann ist.

Kontakt zur Autorin
s.boehm@nordkurier.de

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