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Oper über Menschen, die jeder von der Straße kennt

Wolfgang Lachnitt (links) inszeniert Gian-Carlo Menottis „Der Konsul“. Die Rolle des Mr. Kofner wird von Ryszard Kalus (rechts) verkörpert.
Wolfgang Lachnitt (links) inszeniert Gian-Carlo Menottis „Der Konsul“. Die Rolle des Mr. Kofner wird von Ryszard Kalus (rechts) verkörpert.

Dem US-amerikanischen Komponisten Gian-Carlo Menotti (1911-2007) wurde manchmal vorgeworfen, sensationslüstern zu sein, denn öfter hat er politische Ereignisse seiner Zeit, ja sogar Zeitungsartikel zur Grundlage seiner Opern gemacht. Ja, und? Auch Verdis „Maskenball“ bezog sich auf einen politischen Vorfall im damaligen Neapel und wurde aus diesem Grunde dort sogar verboten.

Das allerdings verlief bei Menotti ganz anders. Das Libretto zum „Konsul“, das sich mit dem Befreiungskampf der Völker und der Bürokratie in den USA auseinandersetzt, schrieb er selbst. Dafür bekam er im Uraufführungsjahr der Oper 1950 den Pulitzer-Preis in der Kategorie Musik verliehen. Dieser Preis ist immerhin der „Oscar“ für journalistische Leistungen in den USA.

Operndirektor Wolfgang Lachnitt, der Regisseur der Inszenierung, die am Samstag im Landestheater Neustrelitz ihre Premiere erlebt, weiß darüber viel zu erzählen. Er hat in den 70er Jahren als Assistent Menottis unmittelbar mit dem Komponisten und Regisseur zusammengearbeitet. Man spürt die Glut, die damals gezündet wurde, noch heute in ihm, wenn er über die Handlung der Oper „Der Konsul“ berichtet. Über die unterschiedlichen Menschen von der Straße, die jeder kennt, weil sie einem irgendwo, irgendwann schon begegnet sind. Und über ihre Verstrickungen mit dem Leben, ihre Probleme, die sie im Büro des Konsuls lösen zu können hoffen. Die Italienerin, die kein Wort in der Landessprache spricht; der Herr, der beim Übersetzen hilft; die Frau, deren Papiere immer unvollständig sind; sogar ein Zauberkünstler ist darunter, und natürlich die Sekretärin.

Warum zu solch einer Geschichte Opernmusik gehört? „Menotti dachte immer beides zusammen“, erläutert Lachnitt. „Er hat nicht erst einen Text geschrieben, den er dann vertonte. Er hat immer das Wort aus der Musik heraus erfunden, die schon in ihm klang. Er hat die Handlung musikalisch dramatisiert und konnte sie deshalb so treffend in Musik bringen. Dabei wirkt nichts konstruiert, vielmehr greift der Komponist seinen Protagonisten musikalisch direkt ins Herz!“

Ein Zauberer hypnotisiert die Wartenden

„Und das erzeugt eine sehr emotionale, direkte Musik“, fällt ihm die Dirigentin der Aufführung Romely Pfund ins Wort. Sie ist besonders von der Wirkung der Musik in den irrealen Szenen begeistert: den Traumvisionen der Hauptfigur Magda und der Szene mit dem Zauberer, der alle Anwesenden im Wartezimmer der Sekretärin hypnotisiert. „Da gewinnt die Musik eine ganz eigene dramaturgische Kraft.“ Mit geübtem Auge las die Dirigentin schon aus der Partitur heraus, dass die Realisierung für Sänger und Musiker nicht einfach ist. Doch hatten sich die Orchestermusiker gut auf ihre Aufgaben vorbereitet und ihre Stimmen fleißig geübt, bevor sie in die Proben kamen. Das hat die Arbeit an der Musik erleichtert.

„Sie hat etwas von guter Filmmusik“, schließt Regisseur Wolfgang Lachnitt. „An manchen Stellen ist sie gar nicht da, aber in wichtigen Momenten bringt sie die Dramatik enorm voran! Man wird jedes Wort verstehen können, denn wir singen eine gute deutsche Nachdichtung, die viel vom Stil der amerikanischen Originalsprache Menottis übersetzt.“

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