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„Polizeiruf“-Kommissar gibt Geheimtipp

Marleen kann nicht sprechen. Sie stellt sich Daniela Schadt (rechts) mit einer Sprachbotschaft vor, die sie am Computer verfasst hat. Links: Mutter Monika Hoffmann.
Marleen kann nicht sprechen. Sie stellt sich Daniela Schadt (rechts) mit einer Sprachbotschaft vor, die sie am Computer verfasst hat. Links: Mutter Monika Hoffmann.

Es war ein „Polizeiruf“-Kommissar, der Rosemarie Hoffmann den entscheidenden Tipp gegeben hat: In einer Fernsehreportage berichtete Schauspieler Charly Hübner über seine Heimatstadt Feldberg und den Verein Birkenzweig, dessen Pate er ist. Die Senftenbergerin, deren 15-jährige Tochter Marleen an den Rollstuhl gefesselt ist, wurde hellhörig. Unter dem Motto „mit Handicap Urlaub genießen“ versucht Birkenzweig seit fünf Jahren, Familien mit behinderten Angehörigen einen schönen Ferienaufenthalt in der Feldberger Seenlandschaft zu ermöglichen.

Marleen, Rosemarie Hoffmann und Großmutter Monika Richter erholen sich bereits im dritten Jahr in Feldberg. „Es ist schwer, im Sommer ein bezahlbares Hotel zu finden, das auf Behinderte eingerichtet ist“, erzählt Mutter Rosemarie. Auch wenn ihr großer Feldberg-Urlaub erst Ende Juni beginnt, ist die Familie in diesen Tagen außerplanmäßig in der Stadt – wegen Daniela Schadt. Die Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck unterstützt mit ihrem Besuch in Feldberg den Verein Birkenzweig. Die Idee dazu war auf dem Bürgerfest des Bundespräsidenten entstanden. Dort hatte Vereins-Chefin Berit Schmid-Voigtländer Daniela Schadt eingeladen.

"Große Unterstützung"

„Was der Verein auf die Beine gestellt hat, bewegt und überzeugt mich“, erklärt die First Lady. Vielen sei nicht bewusst, wie schwer es für Familien mit behinderten Angehörigen sei, Freizeit und Freiheit im Urlaub genießen zu können. „Wenn einem die ganze Organisation abgenommen wird, ist das eine große Unterstützung für die Familien. Denn da können schnell mal 20 Anrufe fällig werden“, meint sie. Das bestätigt Rosemarie Hoffmann. „Beim Verein kann ich jederzeit nachfragen, ob zum Beispiel eine Gaststätte oder ein Museum für uns erreichbar und geeignet sind“, berichtet sie.

Zu einem Urlaub, der von Birkenzweig begleitet wird, gehört neben der Beratung auch viel ehrenamtliche Hilfe vor Ort. Der Verein zählt inzwischen 21 Mitglieder, unterstützt durch weitere Helfer. „Wir vermessen Waldwege und testen auch Badestellen“, berichtet die Vereinsvorsitzende. Zudem werde über das ständig besetzte Vereinsbüro Betreuung organisiert. „Wenn zum Beispiel die Mutter und die Oma von Marleen eine Radtour unternehmen wollen, fahren wir mit ihr zum Eisessen oder schauen einen Film an“, erläutert Berit Schmid-Voigtländer.

Der Verein berate darüber hinaus Tourismusanbieter, die ihre Zimmer oder Wohnungen für Gäste mit Handicap nutzbar machen wollen. „Da muss nicht immer alles perfekt sein“, so die Birkenzweig-Chefin.Zumal sich die benötigte Ausstattung nach Art der Behinderung unterscheide.Bis zu fünf Ferienwohnungen stünden in Feldberg für Gäste mit Einschränkungen zur Verfügung.

„Ich kann nur hoffen, dass Birkenzweig noch bekannter als bisher wird“, meint Präsidenten-Partnerin Daniela Schadt nach dem Besuch in Feldberg. Das wünscht sich auch die Vereinsvorsitzende. Bisher haben ihren Angaben zufolge in Feldberg und Umgebung an die 70 Familien ihren Urlaub mit Hilfe von Birkenzweig verbracht.

Der Verein „Birkenzweig – mit Handicap Urlaub genießen“ betreibt sein Kontaktbüro
im Feldberger Rathaus. Telefon: 039831/25034
www.birkenzweig-urlaub.org

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