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Querfeldein zu blauen Fröschen

Ciabbatabrot, Schafskäse, geröstete Paprika, Schinken: Diese Pilger-Brotzeit wird zum kulinarischen Höhepunkt. [KT_CREDIT] FOTOS: I. Nehls
Ciabbatabrot, Schafskäse, geröstete Paprika, Schinken: Diese Pilger-Brotzeit wird zum kulinarischen Höhepunkt. [KT_CREDIT] FOTOS: I. Nehls

VonIngmar Nehls

Am vierten Tag der Pilgertour durch die Seenplatte greift Wander-
Experte Hans Seyferth ein. Und sorgt als Begleitung dafür, dass die in der Region vorhandene Fauna endlich gesichtet wird.

Neubrandenburg.Der Vogel fliegt, der Fisch schwimmt, der Hans wandert. Das mag kulturell bedingt sein, denn Hans kommt aus Sachsen und dort wird ja bekanntlich viel gewandert und in die Pilze gegangen. Hans hat mich in Zippelow abgeholt mit dem Versprechen, heute die volle Dröhnung Natur zu bekommen. Eigentlich ist die heutige Pilger-Etappe nur schlappe 13 Kilometer lang. Mit Hans Seyferth, meinem Wanderguru, geht man aber nicht den ausgeschilderten Weg. Hans ist ein Anarchist in Wanderstiefeln. Er hält sich nicht an Wege. Mit ihm geht es querfeldein über Felder, durch das Dickicht. „Das ist eine Eigenart von mir“, sagt Hans, der im bürgerlichen Leben Inhaber eines Büros für Bauleitung und Projektsteuerung ist.
Im Job muss er mit Bauherren und Firmen einen gemeinsamen Weg finden. Wenn er die Wanderschuhe schnürt, von denen er übrigens mehrere Paare besitzt und eines, das nicht so gut passte, mir überlassen hat, dann geht er nur seinen Weg. „Das Wandern ist ein schöner Ausgleich. Es schärft die Sinne. Man schwitzt und keucht, spürt sich selbst und die Natur“, erzählt der 50-Jährige. So fahren wir erst nach Usadel und nehmen das Nonnenbachtal mit. Kaum zu Glauben, dass man hier in McPomm ist.
Hans kennt mittlerweile fast jede Ecke in der Seenplatte. Seit 1986 lebt er hier. Egal ob Teterow, Malchin, Feldberg oder Röbel, Hans kennt immer eine Strecke. Oft ist er auch mit dem Mountainbike unterwegs. Was mich besonders beeindruckt, ist seine Kenntnis über regionale Geschichte. „Wenn du in einer Region ankommen willst, muss man sich mit der Geschichte beschäftigen, ansonsten tappt man nur in schönen Bildern herum. Geschichte drängt sich beim Wandern aber auch geradezu auf“, sagt Hans.
Nach dem schönen Nonnenbachtal machen wir Rast am Wanzkarer See. Hans holt Pecorino, italienischen Schafskäse, geröstete Paprika, Walnussciabattabrot und einen kleinen Schinken aus seinem Rucksack. Zum Wandern mit allen Sinnen gehört für ihn auch ein gutes Essen dazu. Kochen ist nämlich neben Wandern seine zweite große Leidenschaft. Nach Tagen mit Müsliriegeln ist Hans Antipasti eine echte Offenbarung.
Bisher bin ich der vorgeschriebenen Pilgerroute brav gefolgt. Dadurch habe ich aber auch kaum Tiere gesehen. Mit Hans bin ich Hasen, Rehen, Fischadlern und einem guten Dutzend paarungsbereiten blauen Moorfröschen begegnet. Das ist ziemlich selten zu beobachten und hat sogar Hans umgehauen. Nach dem Ausflug in die Natur sind wir wieder auf den Pilgerweg zurückgekehrt, der zum Teil entlang des Königin-Luise-Weg führt. Insgesamt haben wir etwa 25Kilometer geschafft. In Neustrelitz können Pilger wie wir im Borwinheim unterkommen. Doch die Gedanken gehen schon voraus zum nächsten Tag, wenn es auf die vorletzte Etappe nach Wesenberg geht.

Kontakt zum Autor
i.nehls@nordkurier.de

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