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Saufen, Randalieren, Pacht verweigern: Gartenverein hält mit Satzung dagegen

VonMarlies Steffen

In der Neustrelitzer Anlage Schlosskoppel gibt es einigen Ärger. Jetzt wurde Klartext formuliert. Wer sich nicht an die Regeln hält, fliegt raus. Das finden nicht alle gut.

Neustrelitz.Stunk in der Neustrelitzer Schlosskoppel. Der Verein hat seine Satzung verschärft. Wer sich nicht an die Regeln hält, soll ausgeschlossen werden.
Das passt nicht allen. Ein Berliner Journalist bekam Wind davon, spricht von einem Willkürakt und setzte auch die Strelitzer Zeitung in Kenntnis. Die beiden Vorstandsmitglieder Bernhard Funk (Vize) und Dietmar Wunsch (Vorsitzender), die der Nordkurier zum Gespräch bittet, erscheinen, haben aber „so 'nen Hals“, wie sie gleich betonen. Und erklären ihre Beweggründe. Offenbar gibt es einschlägige Erfahrungen, denn Funk berichtet von Beschimpfungen, gar seien Schläge in aller Öffentlichkeit angedroht worden. Zudem habe man es immer wieder mit Saufgelagen und Randaliern insbesondere aus dem Kreis jüngerer Leute zu tun. Im übrigen sei die Satzungsänderung überfällig, weil sie an aktuelles Recht angepasst werden müsse.
Dennoch beschreitet der Verein mit seiner Erweiterung des Paragrafen 6 wohl Neuland. Hier geht es um den Ausschluss von Mitgliedern. Während viele Satzungen allgemein von schädigendem Verhalten oder Verstößen sprechen, wird die Satzung in der Schlosskoppel konkret. Nachhaltige Störer und vorsätzliche Schädiger der Vereinsinteressen können ausgeschlossen werden. Ebenso ist rücksichtsloses Verhalten, wie Tätlichkeiten oder Beschimpfungen sowie Nichterfüllung von Zahlungsverpflichtungen ein Ausschlussgrund.
Aus der Sicht von Thomas Schröder, dem Verbandsvorsitzenden des Regionalverbands Mecklenburg-Strelitzer Gartenfreunde, ist es Angelegenheit der Vereine, wie sie ihre Satzungen formulieren. Sollte der Verein übers Ziel hinausgeschossen sein, würden die Änderung beim zuständigen Gericht ohnehin nicht zugelassen, sagte er.

Votum fällt
einstimmig aus
Zur Schlosskoppel gehören aktuell 242 Pächter. Rund 100 Gärten stehen leer. Über 50 Prozent der Mitglieder sind über 70 jahre alt. Junge Leute rückten zwar nach, aber nicht immer mache der Verein mit ihnen gute Erfahrungen, beklagt der Vereinsvorsitzende. Manche kämen nur zum Saufen und ließen dann eine Spur der Verwüstung zurück. Und alles ohne die Pacht zu zahlen. Die Pächterin, die der Vorstand hinter der Information an den Berliner Journalisten vermutet, komme nicht einmal zu den Vereinsversammlungen. Dem Nordkurier gab sie sich auch nicht zu erkennen.
Von der Satzungänderung ist auch der Neustrelitzer Bürgermeister Andreas Grund informiert worden. Er sieht die Sache vereinsintern, will sich jedoch mit den Gartenfreunden in Verbindung setzen.
Die Abstimmung über die neue Satzung fiel einstimmig aus. Laut seiner Festlegung reicht dem Verein für eine Änderung die einfache Mehrheit der Anwesenden. 39 Mitglieder kamen.

Kontakt zur Autorin
m.steffen@nordkurier.de

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