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Schön hässliche Bilder gefallen

Immer dicht umlagert – die Bilder mit den profanen Dingen des Bades. In Heike Munsers Ausstellung in Feldberg sind neben Landschaften aus der Uckermark und Mecklenburg auch alltägliche Gebrauchsgegenstände in Szene gesetzt. [KT_CREDIT] FOTO: Klaus-Jürgen Fischer
Immer dicht umlagert – die Bilder mit den profanen Dingen des Bades. In Heike Munsers Ausstellung in Feldberg sind neben Landschaften aus der Uckermark und Mecklenburg auch alltägliche Gebrauchsgegenstände in Szene gesetzt. [KT_CREDIT] FOTO: Klaus-Jürgen Fischer

Von unserer Mitarbeiterin
Rosemarie Fischer

Klopapier und Bartstoppeln: Neben Landschaften hat Heike Munser auch profane Dinge des Alltags gemalt. Ihre Arbeiten sind in der Ausstellung „double step“
zu sehen. Bei der Eröffnung freuen sich die uckermärkische Malerin und der Kunstverein Feldberger Land über reges Interesse.

Feldberg.Eine Ausstellung in Feldberg ist für Heike Munser wie ein Heimspiel. Hat sie doch ihre Kindheit in Triepkendorf verlebt, wurde im heutigen Feldberger Rathaus – der damaligen Grundschule – eingeschult, nahm alljährlich an den Winterakademien, den Kunstwerkstätten für Feldberger Schüler, teil und unterrichtet noch heute in Malzirkeln Kinder und Erwachsene. Entsprechend groß war auch das Interesse des Publikums an der neuen Ausstellung mit dem geheimnisvollen Titel „double step“.
Rund 70 Kunstinteressierte drängten sich in den zwei Räumen der kleinen Galerie. Eingangs, beim ersten „Schritt“, erlebten sie die vertraute Heike Munser – farbenfrohe Ölbilder uckermärkischer und mecklenburgischer Land- und Landschaftsidylle. Der See des Gutsparks im heimischen Annenwalde zu verschiedenen Jahreszeiten, sonnenbeschienene Wald- und Feldwege, an der Stirnwand zwei Bilder, mit Augenzwinkern gehängt: links der Bauer schäkernd mit dem Schwein im Arm, rechts der Fleischwolf, aus dem frisches Mett quillt... Man merkt all diesen Bildern die Liebe Heike Munsers zur Natur, zu den Tieren, zum Leben auf dem Lande sofort an. Laudatorin Annelie Kaduk aus Neugarten, selbst Malerin und Mitglied des Kunstvereins Feldberger Land, sprach von einem „vertrauten Glück, von dem ein Künstler abhängig ist, wie der Junkie von der Nadel.“ Sie verwies aber in ihrer Einführung auch darauf, dass es in der Region diese reine Harmonie der Natur durch die immer stärker werdenden Industrialisierung der Landwirtschaft kaum noch gibt.
Der zweite „Schritt“ führte in den nächsten Raum und zu einer neuen, völlig anderen Kunst von Heike Munser. Bad- und Toiletteninterieur, Armaturen, Bürsten, Klopapier. Mit Buntstiften leicht kolorierte grafische Zeichnungen, in großen und kleinen Formaten. Und immer wieder der Abfluss. Solo, mit einem hängen gebliebenen Haar, mit abrasierten Bartstoppeln. Annelie Kaduk erinnerte an Max Liebermanns Ausspruch von der „Schönheit hässlicher Bilder“. Auch die Besucher wurden wie magisch angezogen. Schmunzelnd und debattierend erörterten sie die Darstellung der so alltäglichen Gegenstände. Ilse Pfitzner, Dagmar Hoffmann und Eva Becker, alle drei „Schülerinnen“ im Munserschen Malzirkel, fanden die realistischen Zeichnungen „fantastisch“ gelungen bis hin zum akribisch gezeichneten letzten Bleistiftstrich.
Heike Munser selbst aber sprach von einem „Reinigungsprozess“, den sie gerade durchmacht und der sich auch in in ihrem jüngsten Schaffen ausdrückt. Vieles Alte, Hindernde, muss rigoros weggebürstet werden und in den Ausguss, damit Neues beginnen kann.
Im Mai wird die Künstlerin ihr Atelier in Annenwalde bei Templin nach 13 Jahren verlassen und im wenige Kilometer entfernten Vorwerk einen Neuanfang wagen – persönlich und auch künstlerisch.
Die Ausstellung im Haus des Gastes in der Strelitzer Straße 42 ist bis zum 25. Mai täglich außer sonntags geöffnet: montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, sonnabends von 10 bis 12 Uhr.

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