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Schüler packen auf dem Feld mit an

Die Waldorfschüler Steven David, Madelaine Etukudo und Urs Erdrich (von links) haben in ihrem Landwirtschaftspraktikum in See- walde unter anderem Kartoffeln gesetzt, hier die Sorte Linda.  FOTO: Franziska Gerhardt
Die Waldorfschüler Steven David, Madelaine Etukudo und Urs Erdrich (von links) haben in ihrem Landwirtschaftspraktikum in See- walde unter anderem Kartoffeln gesetzt, hier die Sorte Linda. FOTO: Franziska Gerhardt

VonFranziska Gerhardt

Rund 30 Jugendliche aus dem niedersächsischen Kakenstorf haben ein zweiwöchiges Landwirt-
schaftspraktikum an der Waldorfschule Seewalde absolviert. Bauer David Peacock hätte die fleißigen Helfer am liebsten auch zur Ernte im Herbst wieder zu Besuch.

Seewalde.Die einen schälen Kartoffeln fürs Mittagessen, die anderen setzen die Knollen auf den Acker: Bei ihrem Landwirtschaftspraktikum in der Waldorfschule Seewalde hatten rund 30 Schüler aus dem niedersächsischen Kakenstorf alle Hände voll zu tun. „Es macht schon Spaß, aber Kartoffeln zu setzen, wenn die Sonne scheint, ist auch ganz schön anstrengend“, erklärte Schülerin Madelaine Etukudo bei ihrem Einsatz auf dem Acker. Aber die Arbeit lohnt sich: „Die Kartoffeln verzehnfachen sich“, erklärt Bauer David Peacock. Er hätte die Schüler am liebsten zur Ernte im Herbst wieder zu Besuch.

Den Stall ausgemistet
und die Tiere gepflegt
Zwei Wochen waren die 15- und 16-Jährigen in Seewalde zu Besuch, geschlafen haben sie draußen, in Zelten. Das Landwirtschafts-Praktikum ist Teil des Programms jeder Waldorfschule, die den Schüleraustausch gruppenweise oder auch einzeln untereinander organisieren. Neben der Landwirtschaft müssen ein Wald-, ein Sozial- und ein Feldmesspraktikum absolviert werden, bei dem Landstriche vermessen und kartografiert werden. Die Jugendlichen aus Kakenstorf haben in Seewalde nicht nur auf dem Feld gearbeitet, sondern auch Zäune gebaut, den Stall ausgemistet und die Tiere auf dem Hof gepflegt.
In Seewalde leben die seltenen, vom Aussterben bedrohten Husumer Sattelschweine, Hühner, Kühe und Schafe. Der Demeter-Hof produziert Milch und Fleisch. Alle Produkte gibt es im täglich ab 17 Uhr geöffneten Hofladen zu kaufen. In einer Gärtnerei wird Gemüse angebaut.
Für Bauer David Peacock war der Besuch der Schüler spannend, aber auch eine Herausforderung. „Die meisten der Jugendlichen waren hier zum ersten Mal alleine von zuhause weg, und sie mussten zum ersten Mal richtig arbeiten.“ Er ist aber stolz darauf, wie sich die 15- und 16-Jährigen engagiert haben. „Sie standen hier jeden Tag um halb acht zum Frühstück, und dann ging es an die Arbeit“, erzählt er. Auch ihm hat das Praktikum Geduld abverlangt. Wenn ein Jugendlicher noch nie eine Bohrmaschine in der Hand gehabt habe, sei es für ihn nicht einfach, ihm das beizubringen. „Aber am Schluss hat alles geklappt“, sagt der Bauer. „Und was die Jungen und Mädchen hier lernen, das behalten sie für immer.“
Auch Heilerziehungspfleger Rale Bühring von der Waldorfschule Seewalde findet die Praktika wichtig. „Sie sind so getaktet, dass sie genau in die Entwicklungsphasen der Jugendlichen passen“, erklärt er. So finde etwa die Landschaftsvermessung in einem Alter statt, in dem die Hormone ansonsten für starken Gefühlsüberschwang sorgten. „Aber dreißig Meter bleiben dreißig Meter, da ist nichts dran zu rütteln“, sagt Bühring.

Kontakt zur Autorin
f.gerhardt@nordkurier.de

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