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Sendemasten hier bei uns? Ein Dorf funkt dazwischen

Freienstein wirkt äußerlich ein wenig vergessen - und besitzt gerade deshalb große Anziehungskraft. Jetzt befürchten die Einwohner, so einen Funkmast mitten ins Herz gepflanzt zu bekommen. Sie sind dagegen. [KT_CREDIT] FOTO: R. Marten
Freienstein wirkt äußerlich ein wenig vergessen - und besitzt gerade deshalb große Anziehungskraft. Jetzt befürchten die Einwohner, so einen Funkmast mitten ins Herz gepflanzt zu bekommen. Sie sind dagegen. [KT_CREDIT] FOTO: R. Marten

VonRainer Marten

Ein Funkmast – ja. Aber
nicht mitten in Freienstein! Das sagen sich die Bürger des Wohnplatzes der Gemeinde Blankensee.
In einer Petition fordern
sie von den Gemeinde- vertretern, sich gegen
die Pläne der Deutschen Telekom auszusprechen, einen Funkmast im Ort
und in direkter Ortsnähe aufzustellen.

Freienstein/Blankensee.Das Handy schlägt an. Eine SMS! Der Empfänger öffnet den Textteil – und staunt: „Willkommen in Polen!“, ist zu lesen. Es folgen die Telefontarife, die in Polen gültigen. Wer in Mewegen oder Blankensee einfährt, wird von den Nachbarn per SMS begrüßt. Das deutsche Funknetz hat sich hier längst verabschiedet.
Blankensees Bürgermeister Alfons Heimer hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, diese Situation zu ändern. Nicht allein im Eigeninteresse, sondern auch im Interesse der örtlichen Unternehmer und Bürger – sagt er. Kürzlich fragte Heimer dazu bei der Deutschen Telekom an und war erfreut, als man ihm dort die künftige Versorgung zusagte. Allerdings müsse ein Grundstück für einen Mobilfunkmast gefunden und durch die Gemeinde zur Verfügung gestellt werden.
Eine Jahre zurückliegende und nie verbindlich in die Regionalplanung aufgenommene Standortplanung der Kreisverwaltung Uecker-Randow sah wohl einen Funkstandort im Ortsteil Freienstein der Gemeinde Blankensee vor. Vor Ort wusste davon niemand. Auch Pampow war zeitweise im Gespräch. Die Einwohner waren nun erschrocken, als der Bürgermeister im Februar auf Grundstückssuche mit seinen Plänen für einen Mobilfunkturm bei Grundeigentümern in Freienstein vorsprach. Denn einen Funkmast will kaum jemand wirklich in diesem Bereich. Denn dank öffentlicher Fördermittel ist man dort ausgezeichnet mit Festnetztelefonie und schnellem DSL-Internet versorgt. Man habe auf der anderen Seite gesundheitliche Bedenken gegen die Dauerstrahlung von Mobilfunkmasten und Angst um das denkmalgeschützte Ortsbild: Freienstein unterliegt in Teilen einem EnsembleDenkmalschutz, liegt im Naturpark „Stettiner Haff“, im Landschaftsschutzgebiet „Am Randow Bruch“ und in einem europäischen Vogelschutzgebiet. Ein schönes Vorwerk mit Gutsanlage, Streuobstwiesen in malerischer Hügellandschaft. Kein Haus ist dort jünger als 80 Jahre, Leerstand gibt es trotzdem nicht.
Der Ort macht deshalb mobil – gegen einen Mast auch nur in Sichtweite. Fast alle Freiensteiner haben die Anti-Mast-Petition unterschrieben und erwarten, von den Gemeindevertretern gehört zu werden. Bürgermeister Heimer sagte zur Standortfrage: Entschieden sei nichts, die Suche ist völlig offen. Entsprechendes teilte auf Nordkurier-Anfrage die Telekom mit: „Die Telekom ist aktuell in der Standortakquise, es gibt noch keinen verbindlichen Standortvorschlag“, so Pressesprecher Georg von Wagner. Freienstein allerdings ist aufgeschreckt.

Kontakt zum Autor:
r.marten@nordkurier.de

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