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Sprayerin Maria und ein Hakenkreuz bringen Jung-Nazi ins Stammeln

Auf dem Domjüch-Gelände entstand die Szene, in der Maria alias Paulina Weiner die Hakenkreuz- Schmiererei neben ihrem Graffito entdeckt.  FOTO: Susanne Schulz
Auf dem Domjüch-Gelände entstand die Szene, in der Maria alias Paulina Weiner die Hakenkreuz- Schmiererei neben ihrem Graffito entdeckt. FOTO: Susanne Schulz

VonSusanne Schulz

Auch in der zweiten Auflage des Filmwettbewerbs „Klappe gegen Rechts“ schafften es Strelitzer Jugendliche bis ins Finale.

Neustrelitz.Vogelgezwitscher ist in Ordnung, Motorengeräusch nicht. Sobald wieder ein Flieger über den Drehort düst, hält das Team ungeduldig inne. Und Schauspielerin Paulina Weiner sollte die Spraydose besser erst schütteln, wenn sie ihren Text zu Ende gesprochen hat – das Klackern beeinträchtigt sonst die Aufnahme, erklärt der Tonmann. Auch Jim Hutton hinter der Kamera bekommt professionellen Rat zu Schärfe, Licht und Distanzen bei den Arbeiten zum Kurzfilm „Serefe“, den Neustrelitzer Jugendliche in dieser Woche für den Wettbewerb „Klappe gegen Rechts“ drehen. Auch in der zweiten Auflage des landesweiten Projekts haben es junge Leute aus der Residenzstadt, betreut von der Medien-AG des Kunsthauses, unter die zehn Finalisten geschafft. Was bedeutet, das die eingereichte Idee mit professioneller Unterstützung verwirklicht wird: Schauspieler, Ton- und Kameramann sowie eine Masken- und eine Szenenbildnerin stehen der engagierten Truppe zur Seite.
„Es war nicht selbstverständlich für uns, dass wir es wieder ins Finale schaffen“, sagt Studentin Diana Olbert, die erneut als Produktionsleiterin fungiert. Sie hat die Obhut über den Drehplan inne, der in dieser Woche noch Szenen am Landestheater, in einer Wohnung und am ehemaligen Asylbewerberheim vorsieht. Martin Herrmann und Jim Hutton erdachten die Handlung um Jung-Nazi Ralf, der sich in ein Mädchen verliebt – nicht ahnend, dass Maria Türkin ist und dass es ihr Bruder war, den er gemeinsam mit seinen Freunden verprügelt hat. Als ihm die Graffiti-Sprayerin ihr neues Bild zeigt und bemerkt, dass es durch ein Hakenkreuz entstellt ist, gerät er ins Stammeln: „Das ist doch nur… ’neSchmiererei…“

Vorgänger „Drei Wünsche“ erobert Festivals
„Wir wollten zeigen, wie er sich verliebt und dass das ein gutes Gefühl ist“, erklärt Martin. „Es sollte eine realistische Geschichte sein“, sagt Wenzel Krappe, der ebenfalls an der Idee mitwirkte. „Serefe“ ist der Arbeitstitel – das türkische Wort für „Prost“.
Mit „Drei Wünsche“ landeten Neustrelitzer Jugendliche im Vorjahr einen Volltreffer bei „Klappe gegen Rechts“, einem Ideen-Wettbewerb für Vielfalt, Demokratie und Zivilcourage, den die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung gemeinsam mit der RAA veranstaltet. Der Film wurde bei diversen Festivals gezeigt. Auch das ZDF wurde auf die jungen Strelitzer aufmerksam und will von den neuen Dreharbeiten berichten.

Kontakt zur Autorin
susanne.schulz@nordkurier.de

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