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Strelitzer C-Husaren beeindrucken Majestät

Von unserem Mitarbeiter
Helmut Borth

Am 30. März 1813 verließ der Mecklenburg-Strelitzer Herzog Carl den Rheinbund und rief zum Kampf gegen Napoleon auf. Damit begannen für sein Herzog- tum die bis 1815 dauernden Befreiungskriege.

Neustrelitz.Bis Ende April sollen in Neubrandenburg noch die Bauarbeiter das Sagen im Franziskanerkloster haben. Danach geht es an die Gestaltung der Museumausstellung und einer Sonderausstellung zum 200. Jahrestag der Befreiungskriege, mit der das Regionalmuseum am
4. September seine Tore öffnen soll.
Als Vorletzter war am
10. Februar 1808 Herzog Carl von Mecklenburg-Strelitz dem von Napoleon initiierten Rheinbund beigetreten, bevor am 23. Februar Mecklenburg-Schwerin folgte. Nachdem fünf Jahre später Preußen und Russland Frankreich den Krieg erklärt hatten, schlossen sich die Mecklenburger in umgekehrter Reihenfolge dem Bündnis an. Am 25. März verließ der Schweriner Herzog Friedrich Franz I als erster Fürst den Rheinbund. Fünf Tage später folgte Herzog Carl.
„Mecklenburger, deutsche Männer! Die Stunde der Befreiung ist gekommen, und es ist hoch an der Zeit! Laßt auch uns zeigen, daß wir werth sind besserer Tage…, Wir wollen uns Achtung erwerben bei den Deutschen, indem ein Jeder von uns mit Hingebung thut, was an ihm ist! Mit Gott werde Ich Mich der Ehre werth zeigen, ein deutscher Fürst zu sein; und ihr, getreue Mecklenburger, werdet allen deutschen Brüdern ein Beispiel geben.“ Drei Tage nach der Erklärung vom 30. März rief der Herzog alle waffenfähigen Männer zwischen 17 und
30 Jahren zum Militärdienst auf und kündigte die Auftellung eines Husarenregiments nach preußischem Muster an, das sich aus Freiwilligen rekrutieren sollte. Zum Kommandeur wurde der in Quadenschönfeld geborene Oberstleutnant von Warburg ernannt, ehemaliger Major des preußischen Husarenregiments Nr. 2.
Am 31. Mai 1813 wurde das Regiment auf einem bei Alt Strelitz liegenden Exerzierplatz vereidigt. Die Truppe umfasste 24 Offiziere und für jede der vier Eskadronen einen Wachtmeister, einen Quartiermeister, neun Unteroffiziere, drei Trompeter und 100 Husaren. Dazu kamen vier Chirurgen, ein Schreiber, ein Sattler, vier Fahnenschmiede und ein Büchsenmacher sowie 33 Knechte. Die Gesamtstärke belief sich damit auf 523 Mann. Nicht eingerechnet waren die als Ersatz in Neustrelitz verbleibenden 54 Männer – 50 Husaren, zwei Unteroffiziere, ein Wachtmeister und ein Quartiermeister. Zur kämpfenden Truppe gehörte jedoch, hier wirkte wieder das preußische Vorbild, eine 60 Mann umfassende Abteilung, oft begüterte Freiwillige, die sich als Reitendes Jägerkorps formierten.
Die zum preußischen Korps Yorck gehörende Brigade, zu der die Mecklenburg-Strelitzer C-Husaren gehörten – benannt nach Herzog Carl – wurden vom Sohn des Landesherrn und Halbbruder der 1810 in Hohenzieritz verstorbenen Königin Luise, von Prinz Karl zu Mecklenburg, kommandiert. Sein älterer Halbbruder Georg, der Mecklenburg-Strelitzer Erbprinz, führte ab dem 2. Oktober 1813 den im April einberufenen Mecklenburg-Strelitzer Landsturm, in den jeder Mann vom vollendeten 17. bis zum erreichten 60. Lebensjahr einzutreten hatte. Der Landstand kam allerdings nie zum Einsatz. Dafür musste Georgs Halbbruder Karl den Kopf hinhalten. Der am 9. Oktober mit dem preußischen Orden Pour le Mérite ausgezeichnete Herzog wurde am 16. Oktober in der Schlacht von Möckern nördlich von Leipzig schwer verwundet, wie auch der bei den C-Husaren dienende Major Leopold von Bismarck, ein Onkel des späteren Reichskanzlers.
Die Mecklenburg-Strelitzer C-Husaren haben ihren „deutschen Brüdern ein Beispiel“ gegeben. Sie waren im Gegensatz zu den Schweriner Truppen immer in den großen Schlachten der Befreiungskriege eingesetzt und schlugen sich so tapfer, dass Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. dem Regiment am 5. November 1815 in Luxemburg eine Standarte mit eingesticktem Eisernen Kreuz verlieh.
Als am 30. März 1863 aus Anlass des
50. Jahrestages des Beginn des Mecklenburg-Strelitzer Befreiungskampfes eine Jubelfeier veranstaltet wurde, konnte das Festkomitee, das sich am 16. Oktober 1862 unter Leitung des Kammerherrn von Oertzen, des Premierleutnants Scheel und des Hofbuchhändlers Barnewitz gegründet hatte, 176 vormalige Mecklenburg-Strelitzer Husaren und Jäger sowie 64 Veteranen einladen, die in anderen Kontingenten gegen Napoleon gekämpft hatten. Aus Neustrelitz waren das Kammerpräsident von Grävenitz, der mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnete Major a. D. Fr. von Krüger, der Partikulier (Binnenschiffer) David Lemelson, der Landesexecutor C. Jacobs, der pensionierte Sergeant C. Grotowsky, Schlossermeister Groth, Schuhmachermeister Johann Westphal, Tischlermeister Ad. Maaß, Pantoffelmacher Daniel Behnke, Arbeitsmann Wilhelm Eckhardt, Invalide Jaques Rappallier, der pensionierte Mühlenschreiber C. Rohmann und der großherzogliche Hoflakai Fr. Krüger.
Aus Alt-Strelitz waren es Steuereinnehmer Fr. Säfkow, Mühlenschreiber Daniel Schmarbeck, Chausseegeldeinnehmer C. Lehmann, der mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnete Torschreiber David Jonas, Böttchermeister Johann Sattelberg, Arbeitsmann Johann Rohde, der pensionierte Distrikthusar Johann Lebowsk und Schuhmachermeister Johann Lehnberg. Dazu kamen aus den Dörfern noch Arbeitsmann Christ. Canitz aus Groß Quassow, der pensionierte Küster C. Timm aus Schillersdorf, der Handelsmann Fr. Stapel aus Hasselförde, der Arbeitsmann L. Wilck aus Rödlin, der Arbeitsmann August Kunkel aus Grünow sowie der Polizeidiener C. König aus Mirow.
Neben den ehemaligen C-Husaren wurden auch die einstigen freiwilligen Jäger Kabinettsamtsbote G. Wrege, Hofmusiker F. G. Lehmann, der pensionierte Schlossdiener Fr. Beuster und die Arbeitsmänner Fr. Meißner und August Strafen aus Neustrelitz und der Bürger G. Zahren aus Alt-Strelitz eingeladen, ebenso wie der Aktenteiler Johann Tiedt vom Alt-Strelitzer Bauhof, der pensionierte Distrikthusar Johann Henseler aus Dabelow, der Arbeitsmann C. Wolff aus Granzin, der Arbeitsmann C. Hagemann aus der Granziner Mühe, der Küster und Schulmeister David Schultz aus Weisdin.

Ehemaliger Kommandeur erlebt Fest nicht mehr
Nicht mehr dabei war ihr ehemalige Kommandeur, der 1765 geborene Freiherr Ernst Wilhelm Friedrich von Warburg aus dem Haus Quadenschönfeld, der nach dem Krieg, den er übrigens im Rang eines preußischen Generalmajors beendete, die Gräfin Auguste von Blankensee aus dem Hause Filehne in Westpreußen geheiratet hatte. Er war nach dem Krieg in der Lage das uckermärkische Gut Hohen-Landin von seinem Bruder Adolph Friedrich für 108000 Taler zu kaufen und Lenné 1818 zu beauftragen einen Park anzulegen. Am 28. August 1835 starb von Warburg. Zwei Jahre später segnete sein Brigadekommandeur, Herzog Karl zu Mecklenburg, das Zeitliche.
Das Fest, zu dem übrigens 172 Männer kamen, 129 ehemalige C-Husaren und freiwillige Jäger sowie 43 Angehörige anderer Verbände, begann am 29. März. Es wurde in der Frühe durch Kanonenschüsse und durch einen von Trompetern geblasenen Weckruf angekündigt. Gegen 15 Uhr versammelten sich die Veteranen am Schützenhaus, wohin auch eine von den C-Husaren 1813 eroberte französische Kanone gebracht worden war. Von dort zogen die Anwesenden, geführt von der Bataillonsmusik und begleitet von einem Militärkommando zum großherzoglichen Schloss. Auf dem Markt wurden sie von einer „unübersehbaren Menschenmenge“ sowie der dort versammelten Schützengilde „mit klingendem Spiel und wehenden Fahnen“ empfangen.
Abends fand im großherzoglichen Schauspielhaus eine Festvorstellung statt, zu der für die Veteranen Plätze reserviert waren. Nach dem Prolog des 1847 verstorbenen Schriftstellers und ehemaligen Lützower Oberjäger Johann Friedrich Barhdt, der von 1833 bis 1837 Sekretär des Mecklenburg-Strelitzer Staatsminister August von Oertzen war, wurde das Schauspiel „Marschall Vorwärts, oder Blücher in Höchst“ von Albert Hopf und „Der Bivouak vor Paris“, eine Szene aus dem Befreiungskampf 1814 mit Liedern von Johann Friedrich Bahrdt, Musik von E. Schönfeld, aufgeführt, wie schon zur 25. Jahrfeier 1838. Der 30. März begann wieder mit einem geblasenen Weckruf. Vormittags fand um 10 Uhr ein Festgottesdienst in der Stadtkirche statt, zu der unter dem Klang von Militärmusik auch die Fahne mit dem Eisernen Kreuz, getragen vom in alter Uniform gekleideten Veteranen C. Jacobs, gebracht wurde. Gegen 14 Uhr gab es für die Teilnehmer der Jubelfeier ein gemeinschaftliches Mahl im Schützenhaus. Am 31. März kamen die Veteranen am Paradeplatz zusammen, wo sie an der Grundsteinlegung für das Doppeldenkmal von Großherzog Carl und seinem Sohn Herzog Karl teilnahmen. Danach entließ sie der Landesherr „huldreichst“ in die Heimat.

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