Nordkurier.de

Strelitzer geben Sanders nicht so einfach her

VonSusanne Schulz

Vorbehalte werden nicht nur gegen die Abschaffung bisheriger kreislicher Auszeichnungen laut, son- dern auch gegen die ge- plante Vergabe eines neuen Preises ohne Fachjury.

Neustrelitz.Nicht ruhen lässt Strelitzer Kultur-Enthusiasten das bevorstehende Aus des einst vom KreisMecklenburg-Strelitz ins Leben gerufenen Daniel-Sanders-Preises. „Demokraten, für die sich Sanders ins Zeug legte, tun heute nichts dafür, seine Würdigung am Leben zu erhalten“, wirft etwa die Lesegruppe „Ein Jahrhundert wird besichtigt“ den Verantwortlichen in der Kreisverwaltung vor. Auf diesen und weitere Proteste etwa vom Strelitzer Kulturrat und der Initiativgruppe Daniel-Sanders-Tag verwies Stadtvertreterin Hannelore Raemisch (PuLS) im städtischen Ausschuss für Kultur und Tourismus.
Ihre Anregung, mit einem Appell an den Kreistag die vom Kreis-Kulturausschuss bereits befürwortete Neuordnung aufzuhalten, wurde jedoch nicht als aussichtsreich betrachtet. Der Landkreiswolle einen für die gesamte Seenplatte identitätsstiftenden Preis auflegen, hatte Adele Krien aus dem Amt für Wirtschaft, Kultur und Tourismus zuvor dargestellt.
Bisherige Auszeichnungen der Altkreise wären damit Geschichte – was besonders die Strelitzer auf den Plan ruft: Immerhin war Sanders (1819–1897) als bedeutender Sprachforscher, Gelehrter und Demokrat „nur, weil er Jude war, aus dem Allgemeinwissen hinausgeworfen worden“, erinnert Hannelore Raemisch. Den nach ihm benannten Preis nicht vorschnell zu opfern, mahnt auch Ernst Dörffel (SPD): Angesichts des überschaubaren Preisgeldes könnten kaum finanzielle Gründe dafür ins Gewicht fallen. Allerdings würde ein Abwarten die Diskussion nur im nächsten Jahr wieder aufflammen lassen, hielt Adele Krien entgegen.

Weitere Diskussion
nach der Sommerpause
„Der Landkreis ist größer geworden. Wir kommen nicht weiter, wenn jeder auf dem beharrt, was er hatte“, fand auch Silvia Koch (CDU). Wie sie konnten sich mehrere Stadtvertretermit der Idee anfreunden, dass sich die Städte der jeweiligen Preis-Namen „bemächtigen“. So wie es, wie Ausschussmitglied Cornelia Nenz beschrieb, seit Jahr und Tag in Stavenhagen der Fall ist, wo die Stadt mit dem Literaturmuseum einen Fritz-Reuter-Preis vergibt.Dieser Gedanke solle in den Fraktionen und nach der Sommerpause weiter vertieft werden, einigten sich dieStadtvertreter.
Einig waren sie sich unterdessen auch in Vorbehalten gegen die geplante Vergabepraxis für den künftigenKultur- und Jugendpreis des Landkreises, die jeweils mit 5000 Euro dotiert sein sollen. Über die Preisträger soll –entgegen der ursprünglichen, auch beimDaniel-
Sanders-Preis verwirklichten Idee einer Fachjury – derKulturausschuss des Kreistags entscheiden. „Mir macht es etwas aus, wenn eine so hoch dotierte Ehrung nicht von Fachleuten juriert wird“, machte Hannelore Raemisch deutlich. Bislang fehle es, wie die Ausschussvorsitzende Waltraud Bauer (Die Linke) feststellte, auch an Kriterien, welche Leistungen mit der Seenplatte-Ehrung gewürdigt werden sollen.

Kontakt zur Autorin
susanne.schulz@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×