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Tanztradition mit Ausrufezeichen

Hier sind sie schon zu sechst beim „Orientalischen Bass“: Paula Amazonas aus Brasilien, Axel Rothe aus Deutschland, Evgeniya Mirnik aus Russland, José Bernardo Caba Mariaca aus Bolivien, Federica Canan aus Italien und Philipp Repmann aus Deutschland (von links).  FOTO: Susanne Schulz
Hier sind sie schon zu sechst beim „Orientalischen Bass“: Paula Amazonas aus Brasilien, Axel Rothe aus Deutschland, Evgeniya Mirnik aus Russland, José Bernardo Caba Mariaca aus Bolivien, Federica Canan aus Italien und Philipp Repmann aus Deutschland (von links). FOTO: Susanne Schulz

VonSusanne Schulz

Bei jedem Hinschauen ein neues Bild: Als Kaleidoskop legt die Tanzkompanie ihre nächste Premiere „Folklore!“ an – nicht ohne Ironie und Augenzwinkern.

Neustrelitz.Unerschöpflich ist das Kaleidoskop: Nach jedem Schütteln zeigt es einanderes Bild. So soll es auch im neuen Programm der Deutschen Tanzkompanie geschehen: Am 4. Mai ist im Neustrelitzer Landestheater Premiere für „Folklore!“
Mit dem Ausrufezeichen will der Künstlerische Leiter Torsten Händler die Tradition des Ensembles – dessen Vorläufer das Staatliche Folklore Ensemble war – aufnehmen und zeigen, was er selbst als profilierter „Macher“ modernen Tanztheaters dazu beisteuern kann.
„Mit unserer Tradition den Nerv der heutigen Zeit treffen“, so beschreibt Kirsten Hocke das Anliegen des Programms. Dem Haus am Riefstahlplatz seit 1984 verbunden – zunächst als Tänzerin, nunmehr als Mitglied der Tanzleitung –, ist sie selbst mit einigen Choreografien beteiligt. Mit einem Mönchguter Fischertanz etwa, der Ballade von den Königskindern oder einer Tanzszene zumRitus der Brautharke: Die im Fundus entdeckten Sensen führten sie zu dem alten Brauch, dass Männer im Herbst Harken schnitten für jene Frau, mit der sie im folgenden Sommer auf dem Feld arbeiten wollten. Die Erwählte wiederum revanchierte sich mit einem an den Hut gesteckten Buchsbaum…
Die folkloristischen Wurzeln als Zweig am „Lebensbaum“ der Tanzkompanie zu bewahren, ist ein Grundgedanke bei der Vielschichtigkeit des neuen Programms. „Wir verkörpern Volkstümlichkeit nicht 1:1, sondern auch mal überhöht oder mit einem Augenzwinkern“, verdeutlicht Händler. Da wirdetwa das Kinderlied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ in jazzige Form gebracht, kommen Alphorn und Zither zum Einsatz oder wächst sich der „Orientalische Bass“ mit dem Hinzukommen von immer mehr Instrumenten und immer mehr Tänzern zu einem ausdrucksvollen Kräftemessen zwischen Männern und Frauen aus.

Kostüme aus dem Fundus begleiten das Neue
Die Collage der ausgewählten Musikstücke wird arrangiert und in Form gebracht von Komponist und Produzent Sieghart Schubert, der dieser Tage in seinem Farmlandstudio in Neetzka mit Musikern der Neubrandenburger Philharmonie an der Einspielung arbeitet.
Ein verbindendes Element auf der Bühne sind einige der hunderten Kostüme aus dem Fundus: In wechselnder Anordnung sind die Kleiderpuppen präsent und flankieren die neuen Einstudierungen der Tänzer. „An diesem Erbe konnten und wollten wir nicht vorbei“, sagt Torsten Händler, dessen zwölfköpfiges Ensemble sich ja aus vieler Herren Ländern rekrutiert: Aus Bolivien, Brasilien, Italien, Litauen, Russland, Spanien und Tschechien fanden Tänzer nach Neustrelitz. Und zum speziellen Profil der Kompanie, die sowohl in Produktionen des Landestheaters mitwirkt als auch mit ihrem eigenen, aus Tradition und Moderne gespeisten Repertoire auf Tournee geht.
Auch „Folklore!“, das in einer 80-minütigen Version für die Bühne konzipiert ist, kann entsprechend verschiedener Gastgeber-Wünsche zusammengestellt werden – fast so schnell, wie ein Kaleidoskop beim Schütteln immer wieder ein neues Bild entwirft.
Premiere „Folklore!“ am
4. Mai im Landestheater Neustrelitz; weitere Auftritte am 31. Mai im Schauspielhaus Neubrandenburg, am 8. Juni in Ahlbeck, 26. Juni in Heringsdorf und 2. Juli in Bansin

Kontakt zur Autorin
susanne.schulz@nordkurier.de

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